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Samstag, 01. Dezember 2018 Drucken

Landkreis Kusel

„Ein Zweckbau ohne Prunk“

KAISERSLAUTERN: 50. Jahrestag der Rathaus-Einweihung gefeiert – „Wichtiges Werk eines jungen Architekten“

von Gerhard Dürnberger

Das Geburtstagskind empfing seine Gäste in dem schlichten Betongewand, das es seit jeher trägt, in seinem Foyer versammelte sich eine ansehnliche Schar an Gratulanten, und der Festredner Heinrich Lessing brachte die Lobesworte auf den Punkt: „dem Rathaus beste Wünsche zum Geburtstag“.

Auf den Tag genau 50 Jahre war es am Donnerstag her, dass das Rathaus eingeweiht wurde, dass sein Architekt Roland Ostertag die Stadtschlüssel an den damaligen Oberbürgermeister Hans Jung überreichte. Vorausgegangen war ein Architekturwettbewerb, um die auf 19 Dienststellen verteilten städtischen Ämter in einem Gebäude zusammenzufassen. Zum Zuge kam Ostertag, gerade 28 Jahre alt. Um ihn und sein architektonisches Hauptwerk zu würdigen, hatte der Landesverband Rheinland-Pfalz des Bundes deutscher Architekten (BDA) am Donnerstagabend ins Rathaus geladen.

Ostertag erlebte das Jubiläum nicht mehr, er ist am 11. Mai mit 87 Jahren gestorben. Gekommen war die Witwe Irene Ostertag. Sie erklärte der RHEINPFALZ, ihr Mann habe größere Projekte realisiert, so das Bosch-Areal in Stuttgart, aber das Lauterer Rathaus zähle zu seinen Hauptwerken.

Heinrich Lessing, Vorsitzender des BDA-Landesverbandes, sieht im Kaiserslauterer Rathaus das wichtigste Werk Ostertags. Herauszuheben sei, dass er erst 28 Jahre alt war, als er am Wettbewerb teilnahm. Über das Werk des Architekten fand der Professor nur lobende Worte. Es sei ein wichtiges Zeugnis der Nachkriegsmoderne, ein wunderbares Dokument der Zeitgeschichte – und heute noch in einem ganz hervorragenden Zustand. Das liege daran, dass die Stadt sich um das Gebäude kümmere, aber vor allem zeige es, „dass 1968 Qualität geschaffen wurde“.

Es gebe auch Kritik an der Architektur der Nachkriegsmoderne, deren Gebäude würden nicht immer geliebt, räumte Lessing ein. Dies ist nach seiner Meinung darauf zurückzuführen, dass sie oft nicht gut in ihre Umgebung eingebunden sind, so sei das Rathaus von Parkplätzen umgeben. Dies zu verbessern sei eine Aufgabe, an der die Stadt arbeiten könne.

Auch Baudezernent Peter Kiefer würdigte die Leistung von Ostertag. Er habe ein Gebäude geschaffen, das kein Elfenbeinturm sei, sondern ein Veranstaltungsort und Forum für alle Bürger. Dies komme auch in der Architektur zum Ausdruck. Kiefer zitierte Hans Jung, der bei der Einweihung 1968 betont hatte, der Stadtrat habe sich nicht aus Geltungssucht, sondern aus Notwendigkeit heraus für den Bau entschieden. Es sei kein Palast, sondern ein schlichter Zweckbau ohne Prunk; Marmor, der den Beton verberge, werde man vergeblich suchen. Kiefer führte aus, der Rathausbau sei auch ein Zeugnis, dass die Periode des Wiederaufbaus der zu 70 Prozent zerstörten Stadt nach dem Krieg abgeschlossen worden sei.

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