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Montag, 14. Januar 2019 Drucken

Kusel

Ein „Monster“ löst Schlägerei aus

Kusel: Bewährungsstrafe für 23-Jährigen

Von Christian Hamm

Mit einer achtmonatigen Freiheitsstrafe – auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt – sühnt ein 23 Jahre alter Mann eine Attacke auf einen 19-Jährigen. Gemeinsam mit zwei Kumpels hat er nach Überzeugung des Kuseler Strafrichters im November 2017 einen Landsmann am Lauterecker Bahnhof vermöbelt. Verurteilt wurde aber einstweilen nur der eine Angeklagte – wegen gefährlicher Körperverletzung.

Der 23-Jährige war nachts vor der Hauptverhandlung mit dem Fernbus aus einem Urlaub in Hamburg angereist, um der Ladung Folge zu leisten. Einer seiner Kumpels, der eigentlich neben ihm sitzen sollte, hatte es indes nicht aus der gemeinsamen Unterkunft im Unteren Glantal zum Gerichtssaal in Kusel geschafft. Der Dritte im Bunde wird „gesondert verfolgt“, wie es im Juristenjargon heißt. Er hat wohl schon einiges auf dem Kerbholz.

Der 23-Jährige ist bislang strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten. Deshalb kam er auch mit acht Monaten auf Bewährung davon – sechs Monate Freiheitsentzug sieht das Gesetz als Mindeststrafe für gefährliche Körperverletzung vor. Zudem muss der Mann, der keiner Tätigkeit nachgeht, 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten.

„Drei gegen einen“ war die Konstellation an jenem 10. November 2017, was aus der einfachen eine gefährliche Körperverletzung macht – auch ohne Waffen. An dem Tag war es am Lauterecker Bahnhof zu der Begegnung zweier Gruppen afghanischer Asylsuchender gekommen. Es kam zum Disput, der in Handgreiflichkeiten überging. Am Ende schlugen und traten drei Männer auf einen Kontrahenten ein und ließen auch nicht davon ab, als das Opfer bereits hilflos am Boden lag. Ärztliches Attest und gleich nach der Tat gefertigte Bilder des lädierten und blutenden 19-Jährigen belegten nach Auffassung des Gerichts, dass es da zu einem gravierenden Vorfall gekommen sein musste. Mit diesem Hinweis kommentierte denn auch der Vorsitzende die Bemühungen des Angeklagten, das Zusammentreffen als harm- und belanglos darzustellen.

Der 19-Jährige, der eine Ausbildung zum Maler und Lackierer absolviert, gab sich mit merklichem Stolz und mit Erfolg Mühe, auf die Dienste der Dolmetscherin zu verzichten. „Er ist mit einem Monster in der Hand zu mir gekommen“, tat er kund. Gemeint war ein Energy-Drink. Indes scheint der Angeklagte am Tattag nicht nur flüssige Energie getankt zu haben. „Ich war betrunken“, ließ er übersetzen. Das Monster, so ließ sich der recht zähen Rekonstruktion der Ereignisse entnehmen, wollte der 23-Jährige nun partout an exakt jener Stelle einer Wartebank abstellen, die der 19-Jährige blockierte. Daraufhin habe der Angeklagte zugeschlagen, die anderen beiden seien ihm beigesprungen, so das Opfer. Das Gericht stützte sich vor allem auf die Aussage des einzig unbeteiligten Zeugen: Ein 22-Jähriger Student hatte beobachtet, wie drei Männer auf einen einschlugen.

Das Opfer hatte am Bahnhof auf Bekannte gewartet. Mit dem Zug gekommen waren auch die drei mutmaßlichen Täter. „Die sind während der Fahrt schon als sehr aggressiv aufgefallen“, so der Student. Ärgerlich für das Prügelopfer: Sein Smartphone war nach dem Überfall weg. Das hätten ihm die Täter abgenommen, klagte er. Ein Raubdelikt oder auch nur Diebstahl waren allerdings nicht Bestandteil der Anklage. Die Umstände blieben im Dunkeln.

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