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Dienstag, 08. Januar 2019 Drucken

Kusel: Kultur Regional

Durchsichtiger Klangzauber

Romantisches Neujahrskonzert mit dem Westpfälzischen Sinfonieorchester und Gesangssolisten

Von Konstanze Führlbeck

Die Sopranistin Ruth Dobers, begleitet vom Westpfälzischen Sinfonieorchester unter der feinsinnigen Leitung von Thomas Germain, überzeugte mit ausdrucksstarker und wandlungsfähiger Stimme.

Die Sopranistin Ruth Dobers, begleitet vom Westpfälzischen Sinfonieorchester unter der feinsinnigen Leitung von Thomas Germain, überzeugte mit ausdrucksstarker und wandlungsfähiger Stimme. ( Foto: m. hoffmann)

Oper und Operette nahmen am Sonntagabend neben den traditionellen Walzern einen breiten Raum im Programm des Neujahrskonzertes in der voll besetzten Kuseler Fritz-Wunderlich-Halle ein. Unter Leitung von Thomas Germain musizierten das Westpfälzische Sinfonieorchester Kusel sowie die Gesangssolisten Ruth Dobers und Marcus Elsässer.

Nach einem stimmungsvollen Auftakt mit Kompositionen aus Georges Bizets (1838-1875) Opern „Carmen“ und „Die Perlenfischer“ faszinierte die junge Sopranistin Ruth Dobers mit der Arie der Juliette aus „Roméo et Juliette“, Charles Gounods (1818-1893) französischer Version des Romeo und Julia-Stoffes. „Je veux vivre“, ich will leben – so sang die Interpretin in bezaubernder jugendlicher Frische ihre Lebensfreude hinaus. Erwartungsvolles Beben und Vorfreude klangen aus jedem Ton dieser klaren, schlank geführten und doch vollen lyrischen Sopranstimme. Auch das Westpfälzische Sinfonieorchester Kusel zeichnete sich durch sichere Tempi und ein durchsichtig-leichtes Klangbild aus, das zunehmend voller und dichter wurde. Spannung ins Spiel brachten dramatische Akzente, die sich aber sehr bald wieder in luftigen, mühelos strömenden Soprankoloraturen auflösten.

Die halsbrecherischen Spitzentöne der Arie des Tonio „Ah mes amis“ aus Gaetano Donizettis (1797-1848) Oper „La Fille du Régiment“ meisterte Marcus Elsässer mit Bravour. Geschmeidig bewegte sich seine helle lyrische Tenorstimme in nuancenreichen Ausdrucksschattierungen, die durch ihre Lebendigkeit fesselten. Seine virtuose Gesangskunst zeigte der junge Tenor auch in der Arie des Prinzen aus Gioacchino Rossinis (1792-1868) Oper „La Cenerentola“. Romantisch verträumte Melodiebögen gestaltete er in dieser Strophenballade mit ungezwungener Natürlichkeit und schlackenreinem Timbre, begleitet von verhalten-vibrierenden Orchesterthemen in einem federnd-eleganten Klangbild. Pizzicati der Streicher ließen an Mandolinenklänge denken und steuerten so eine volkstümliche Note bei.

Romantischen Zauber versprühten Ruth Dobers und Marcus Elsässer, die auch im richtigen Leben ein Paar sind, im Liebesduett von Anna und Fenton aus Otto Nicolais (1810-1849) Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“. Dunkel eingetrübte Klagen verliehen dem Werk zunächst den Charakter eines elegischen Lamentos, um sich dann in einem selbstvergessenen Liebesbekenntnis zu verlieren, begleitet von weichen, malerischen Streicherklängen.

Auch bei seinem Ausflug in die Welt der leichten Muse konnte das junge Sängerpaar überzeugen. Kokette Leichtigkeit zeichnete die Interpretation des Liedes „Trinke, Liebchen, trinke schnell“ aus der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauß Sohn (1825-1899) aus. Völlig hingegeben an den Augenblick schwelgten die beiden Sänger in „Lippen schweigen“ aus der Operette „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar (1870-1948). Zärtlichen Erinnerungen gab sich Marcus Elsässer in der Arie des Paganini „Gern hab’ ich die Frau’n geküsst“ aus Lehars gleichnamiger Operette hin. Eine Überraschung war Ruth Dobers’ Interpretation der Arie „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ aus Lehars „Giuditta“. Gerade dass sie dieses Lied nicht als lasziver Vamp gestaltete, sondern durch ihre Natürlichkeit und ihre leicht fließende, fast beiläufig wirkende Stimme die fast 450 Besucher des Neujahrskonzertes bezauberte, hinterließ einen umso stärkeren Eindruck. Auch das Westpfälzische Sinfonieorchester Kusel ließ der Sängerin Raum zur Entfaltung in diesem berückend zarten Klangzauber, in dem die Musik ganz selbstvergessen vor sich hin zu träumen schien.

Schwungvolle Rhythmen, die in die Beine gingen, präsentierten die Musikerinnen und Musiker unter der feinfühlig differenzierten Leitung von Thomas Germain in der Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauß Sohn, Walzerseligkeit pur verströmten sie in „Wiener Blut“. Und auch bei diesem stimmungsvollen Neujahrskonzert durften die traditionellen Klassiker nicht fehlen – der Donauwalzer und der Radetzky-Marsch.

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