Kreis Südwestpfalz Zur Sache: Es trifft auch den Menschen

Eine Langzeitstudie von Insektenforschern des Entomologischen Vereins Krefeld hat ergeben, dass die Anzahl der Insekten in Deutschland seit 1989 um 76 Prozent geschrumpft ist. Das Ergebnis gilt als alarmierend, zumal für die Studie Schutzgebiete untersucht wurden, in denen eigentlich Artenvielfalt herrscht. Ungefähr 80 Prozent aller wilden Gewächse werden laut Studie von Fluginsekten bestäubt. In Europa bestäuben Bienen allein 4000 Gemüsesorten, deren wirtschaftlicher Nutzen wird auf 265 Milliarden Euro geschätzt. Ohne Bienen würden die Erträge der Nutzpflanzen um 75 Prozent sinken. Jeder dritte Bissen, den wir essen, hänge von der Bestäubung von Insekten ab. Pestizide, starke Düngung und Einseitigkeit bei der Bepflanzung der Felder gefährden die Bienen. Demnach drohen Wiesen ohne blühende Blumen und Felder ohne blühende (Un)Kräuter. Am Bodensee, rund um den Kaiserstuhl und auch in der Vorderpfalz sorgt man sich um die Bestäubung der Obstbäume. Die Obstbauern stellen Bienenvölker in die Obstanlagen, um den Ertrag zu sichern − die wenigen Insekten seien sonst überfordert. Zudem geht die Zahl der Imker zurück. Neu-Imker Willi Schwarz aus Niederhausen wurde gebeten, seine Bienenvölker im Ahrtal in riesige Obstanlagen zu stellen, damit es Kirschen, Mirabellen und Äpfel gibt. Er hat die Einladung zum Wohle der Natur angenommen. Michael Höh aus Herschberg hat in seiner Obstanlage in Biedershausen Wildbienen angesiedelt. Auch für Hummeln hätten sich die Lebensumstände verschlechtert. In China übernehmen Medienberichten zufolge bereits Menschen die Bestäubung − jedoch mit deutlich geringerem Erfolg. Naturschützern zufolge hat der Bestand an Brutvögeln in Deutschland in den vergangenen zwölf Jahren um rund 13 Millionen abgenommen, was einem Rückgang um 15 Prozent entspreche. Das liege daran, dass es weniger Insekten gibt. Ackerflächen würden intensiver genutzt, natürliche Hausgärten seien verschwunden. Kunstvoll angelegte Steingärtchen ohne blühende Büsche lockten keine Insekten und Vögel an. Nabu-Funktionär Hans Göppel spricht von einem fahrlässigen Umgang mit unserem Lebensraum, der sich wiederum in vielen Krankheiten niederschlage.
