Kreis Südwestpfalz Zahlen-Wildwuchs und Bürgerprotest

Dass er dringenden Handlungsbedarf sieht, zeigte der Homburger Ordnungsamtschef Gerd-Michael Juen (rechts) am Montagabend anhand
Dass er dringenden Handlungsbedarf sieht, zeigte der Homburger Ordnungsamtschef Gerd-Michael Juen (rechts) am Montagabend anhand von Karten. In der Bildmitte das Wörschweiler Ortsratsmitglied Ralf Meisel.

„Das ist das reine Chaos“, sieht Michael Juen vom Ordnungsamt der Stadt Homburg das Hausnummern-Wirrwarr in der Bierbacher Straße in Wörschweiler als „Gefahr für die öffentliche Sicherheit“ an. Weil die Häuser in der Bierbacher Straße nicht fortlaufend durchnummeriert sind, drohten lebensgefährliche Verzögerungen, etwa wenn der Rettungsdienst nicht rechtzeitig die Haustür eines Notfallpatienten finde. Dass die angekündigte Korrektur des Hausnummern-Systems nicht bei allen Bewohnern der Bierbacher Straße auf Gegenliebe stößt, wurde bei der Wörschweiler Ortsratssitzung am Montag deutlich.

Ein Hauch von Wutbürger-Attitüde wehte durch den Sitzungsraum im alten Bürgermeisteramt, als eine Gruppe von Anwohnern massiv darauf beharrte, dass man an den Hausnummern nichts ändern müsse. Auf Anraten von Ortsvorsteher Reinhold Nesselberger hatte der Ortsrat die Homburger Stadtverwaltung gebeten, beim Zahlen-Wildwuchs für Ordnung zu sorgen. „Dass dieser Zustand schon seit 50 Jahren besteht, war uns vorher nicht bekannt“, bedankte sich Michael Juen beim Ortsrat für dessen Initiative: „Die Rechtslage ist eindeutig. Wir als Stadt sind verpflichtet, hier für geregelte Verhältnisse zu sorgen.“ Wie am 5. September berichtet, sucht man in der Bierbacher Straße Wohnhäuser mit den Nummern 1 bis 43 vergeblich. Das erste Haus am Ortseingang trägt die Nummer 44; davor führt der frühere Aldi außerhalb der Ortslage – an der Brücke nach Schwarzenacker – die Adresse Bierbacher Straße 30. Wie Nesselberger erklärt, war Wörschweiler zu Nachkriegszeiten noch sehr dünn bebaut. Die wenigen Häuser – damals noch mit viel Brachland dazwischen – seien damals einfach so durchnummeriert worden, wie sie dastanden. Später wurden die Baulücken mit weiteren Häusern geschlossen; diese erhielten in der Folge mehr oder weniger planlos ihre Hausnummern. Rettungs- und Krankenpflegedienste sowie Briefträger hätten ihn immer wieder darauf angesprochen, sagte der Dorfchef, dass Ortsfremde in der Bierbacher Straße häufig vor einem Rätsel stünden, wenn sie eine bestimmte Adresse suchten. „Ich will nicht erleben, dass ein Schlaganfall-Patient stirbt, weil er wegen dieses Problems zu spät behandelt wird“, erklärte der Ortsvorsteher, warum er jetzt tätig geworden ist. Von einigen Anwohnern, die seine Auffassung ganz und gar nicht teilten, wurde ihm am Montagabend hingegen vorgeworfen, er habe bei der Stadt Homburg „schlafende Hunde geweckt“, nachdem man jahrelang mit dem alten System „gut zurechtgekommen“ sei. Dass der Ortsrat „die Anwohner nicht gefragt“ und auf eigene Faust die Nummern-Änderung angestoßen habe, sei „undemokratisch“. Nesselberger erinnerte die Protestierer daran, dass Ortsräte ja ausdrücklich dafür gewählt würden, um Angelegenheiten des Ortes stellvertretend für die Bewohner zu regeln. Gerd-Michael Juen versprach, dass für die Anwohner in der Bierbacher Straße der Hausnummern-Eintrag in städtischen Dokumenten wie Personalausweis oder Melderegister von der Stadt Homburg kostenlos geändert werde. Daraufhin beklagten einige der Besucher, dass sie eine solche Änderung ja auch bei ihren Versicherungen sowie bei Dienstleistern wie Amazon anmelden müssten. „Selbst wenn mich die Änderung 100 Euro kosten würde – meine Sicherheit im Notfall wäre mir das wert“, argumentierte der Ortsvorsteher. Für den Wunsch einiger Anwesender, das Thema demnächst in einer Bürgerversammlung zu beleuchten, zeigte er sich jedoch offen. Derweil zeigte sich Ordnungsamtschef Gerd-Michael Juen überzeugt, dass der Stadt Homburg aus rechtlichen Gründen nichts anderes übrig bleiben werde, als im Verlauf des kommenden Jahres die Hausnummern neu zu regeln. Zunächst werde man Rettungsdienste, Feuerwehren und Polizei um schriftliche Stellungnahmen bitten: „Wenn die dann der Meinung sind, dass man alles lassen kann, wie es ist, dann bitteschön. Ich kann mir das aber nicht vorstellen.“

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