Merzalben RHEINPFALZ Plus Artikel Wildschweinproblem: Grundstückseigentümer bleiben auf Schäden sitzen

Rund um die Tischtennisplatte auf dem Spielplatz ist alles aufgewühlt.
Rund um die Tischtennisplatte auf dem Spielplatz ist alles aufgewühlt.

Seit Wochen verwüsten Wildschweine die Gemeinde Merzalben. Nicht nur die betroffenen Bürger, auch bei der Gemeindeführung schrillen die Alarmglocken: Diese Verwüstungen müssen aufhören, es muss etwas passieren. Die Frage ist nur: Was?

Seit Wochen hinterlassen die nächtlichen Besuche von Wildschweinrotten tiefe, zerstörende Spuren in privaten Gärten, auf gepflegten Wiesen und auf dem öffentlichen Spielplatz an der Hammelsbachstraße. Jetzt wurde auf Initiative von Familie Karl-Heinz und Monika Schnellbacher ein Treffen mit den beiden Jagdpächtern Karsten Bies und René Sommer sowie dem Jagdvorstand Oswald Teuscher arrangiert, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Das Wildschweinproblem gibt es nicht nur in Merzalben. Jedoch ist es in jüngster Zeit vor allem dort sehr stark aufgetreten. Der Ärger darüber und die Anspannung der betroffenen Familien ist groß; bei dem Treffen herrschte deshalb dicke Luft. Nicht weniger verdrossen waren die beiden Gemeindevertreter, Ortsbürgermeister Michael Köhler und sein Stellvertreter Rüdeger Eser. Gerade im Spielplatzbereich war wieder frisch, tief und fast unbegehbar aufgewühlt. Die Sauen hatten gehaust „wie die Wildschweine“, im wahrsten Sinne des Wortes.

Vorwurf: Jäger schießt nicht genug Tiere ab

Vor allem wollten die Familien wissen, wer für den Schaden aufkommt. Aufgelistet wurden die immensen Schäden in Gartenanlagen, auf Wiesengrundstücken und auf der gemeindlichen Spielplatzfläche. Letztere sei insoweit noch gut „zu beackern“, weil hier mit einem Mulcher die großen Schäden wieder beseitigt werden können, hieß es. Das aber geht bei keinem der Gärten oder den Wiesenflächen der anderen Betroffenen. Die von den Sauen durchwühlten Flächen liegen in den Krautstückern unterhalb vom Bühl oder unterhalb des Mühlfeldes, allesamt entlang des Bachlaufs der Merzalb.

Der Vorwurf, dass nach dem Bundesjagdgesetz salopp ausgelegt, Jagdpächter dafür zu sorgen haben, dass Wild nicht die Möglichkeit hat, Fremdschäden zu verursachen, auch dort nicht, wo nicht bejagt werden darf, wurde von Jagdpächter René Sommer energisch zurückgewiesen: „Schäden, auch in nicht bejagdbaren Bereichen zu vermeiden, ist Sache des Grundstückseigentümers“, wiederholte er kontinuierlich. Die Frage der Eigentümer, ob sie denn auf den Schäden sitzenbleiben, beantwortete Sommer mit: „Selbstverständlich.“

Abschuss vervierfacht

Gegenüber des Jagdpächters wurde massive Kritik geäußert, zu wenig Wildschweine abzuschießen. Auch diesem Vorwurf widersprach Sommer. Die Jagdpächter würden seit zwei Jahren viermal soviel abschießen wie zuvor. „Dann müssen sie eben achtmal soviel abschießen“, wurde gefordert. Oder aber die Leitbache, quasi die Chefin der Rotte, erlegen. Das sei allerdings streng verboten, klärte Sommer auf. Während nämlich die Keiler das ganze Jahr über fortpflanzungsfähig seien, leiten die Bachen – in einer intakten Rotte die Leitbache – die sogenannte Rausche, die Paarungszeit der Wildschweine, ein. Traditionellerweise findet diese zwischen Mitte November und Ende Januar, mit Höhepunkt im Dezember, statt. Die Leitbache sei bestimmend für die Fortpflanzung. Ein Abschuss wäre also völlig kontraproduktiv, belehrte Sommer.

Gerade auf dem Bereich „Bühl“, wo mittlerweile vier Hochsitze aufgestellt wurden, sei man mit Genehmigung der Unteren Jagdbehörde bei der Kreisverwaltung und in Abstimmung mit dem Kreisjagdverband Pirmasens-Zweibrücken dazu übergegangen, dort zu kirren. Das heißt, man bringt beispielsweise Mais aus, um das Borstenvieh anzufüttern, von befriedeten Bereichen abzuhalten und so auch abschießen zu können. Jeden Tag sei ein Jäger im Ansitz, um die Wildschweinanzahl zu reduzieren, betonte Sommer.

Keine Lösung, aber Tipps

Für die Geschädigten wurde bei dem Treffen keine befriedigende Lösung gefunden, jedoch sahen sie ihr Anliegen als ernst genommen, indem sie Dampf ablassen konnten. Um eine Hilfestellung zu geben, listete Jagdpächter Sommer als Abwehrmaßnahmen gegen den Einbruch des Schwarzwildes auf: Wildrepell (ein Mittel zur Vertreibung der Wildschweine) auslegen, akustischen Wildschreck einsetzen, stabile Zäune mit soliden Fundamenten aufstellen, abschreckende Duftstoffe ausbringen, Elektrozäune installieren, Chilibeize oder -paste verteilen, Obst aufsammeln und keine Essensreste im Garten deponieren. Als wirksam wurde auch der Einsatz von Nematoden, also Fadenwürmer einzusetzen, empfohlen. Diese würden in die von den Wildschweinen begehrten Engerlinge eindringen, wodurch die Larven verendeten.

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