Thaleischweiler-Fröschen
Wie läuft eine Showproduktion? Einblicke vom Profi für Schüler
März 2020. Die Frank Serr Showproduktionen waren gerade auf einer ihrer beliebten Tourneen. Spielort Schweiz. Alles war aufgebaut, die Darsteller waren im Theater. Das Musical „Chaplin“ stand auf dem Programm. „Wir waren gerade beim Catering, da kam die Veranstalterin und informierte uns darüber, dass mit sofortiger Wirkung der Spielbetrieb eingestellt werden muss. Bedingt durch die Corona-Pandemie“, erzählt Serr. Es habe ein paar Tage gedauert, „bis das gesackt war“ , bekennt er. Keine schöne Situation, aber dass es 23 Monate dauern würde, bis wieder eine Serr-Produktion auf die Bühne zurückkehrt, „hätte niemand von uns gedacht“, sagt er.
Disziplin und Willen wichtig
Leidenschaft, harte Arbeit, der Wille etwas zu bewegen, das sind die Triebfedern, um sich nicht unterkriegen zu lassen, verdeutlicht er den zehn Schülern der IGS Thaleischweiler-Fröschen, die sich in der sechsten Klasse für das Vertiefungsfach Darstellendes Spiel entschieden haben. Jetzt sind sie in der achten Klasse. Neun Mädchen und ein Junge sind an diesem Morgen da. Sie wollen von Serr erfahren, was alles benötigt wird, um ein Musical auf die Showbühne zu bringen, was notwendig ist, um später selbst mal daran mitzuarbeiten. „Das könnt ihr auf die unterschiedlichsten Weisen tun“, macht Serr deutlich, dass es nicht nur Schauspieler braucht. Wobei einige Mädels bekennen, dass es aktuell schon ihr Wunsch sei, Schauspielerin zu werden.
Talent dafür sei gut, aber nicht das Wichtigste, unterstreicht er. Es brauche vor allem harte Arbeit, Disziplin, den Willen, verdeutlicht Serr, der sich die Zeit gern genommen hat, um mit dem potenziellen Nachwuchs zu diskutieren. Die Zeit hat er, weil der Tourneebetrieb noch ruht. Dass es am 11. Februar endlich wieder losgeht, „dafür arbeiten wir, aber ein bisschen Daumen drücken schadet nicht“, verrät Serr.
Theater live – ein Erlebnis, das fehlt
„Wer hat schon mal eine Produktion auf der Bühne gesehen?“, will er wissen. Kaum ein Arm geht nach oben. „Das überrascht mich“, bekennt der Show-Profi, der Musiker ist, Trompete studierte, sich dann in den USA mit Show-Management studientechnisch befasste und für den Musical-Bereich von Warner Brothers arbeitete, bevor er sich erfolgreich selbstständig machte. Mit zahlreichen Bühnenproduktionen feierte er Erfolge im In- und Ausland. Wie er zu seinem Beruf kam, wollten die Schüler wissen. „Für uns natürlich super, dass sie sich die Zeit nehmen, um Einblick zu geben“, sagt Schulleiter Roland Eich.
Gar nicht mal so überraschend findet es Stefanie Buhl, die Lehrerin im Vertiefungsfach Darstellendes Spiel, dass kaum jemand ein Stück live gesehen hat. Sie verweist auf das Alter der Schüler. Ins Theater für Erwachsene gehen, „in dieses Alter sind sie gekommen, als die Kulturbetriebe schließen mussten“, erinnert sie. Theater live – „und live ist es einfach das beste Erlebnis“, sagt Serr – wurde kaum geboten. Corona trifft auch Kulturinteressierte.
„Lernt Englisch“
Schaut Videos, nutzt die technischen Möglichkeiten, die wir früher nicht hatten, empfiehlt er den Schülern. Zum Beispiel, um Songtexte zu lernen, um sich Szenen anzuschauen. „A Chorus Line“ empfiehlt er. Das Musical, das ein Casting zeigt. Casting, Audition, sagt Serr, sind Wege, um als Darsteller zu Rollen zu kommen. „Nach wie vor. Ganz klassisch“, erklärt er. Sich für das Fach Darstellendes Spiel entschieden zu haben, ist gut, steht für ihn fest. Egal, ob der spätere Weg mal auf oder hinter die Bühne führt, „sie nehmen viel mit. Zum Beispiel, wenn es darum geht, sich zu präsentieren“. Und er unterstreicht: „Lernt Englisch“. Englisch sei die Sprache in der Theaterwelt. Oft arbeite man mit Regisseuren, Kollegen aus allen Herren Länder.
Nichts könne ein Live-Erlebnis ersetzen, auf das in der Kulturbranche alle wieder hoffen. Das Ziel aller, die an einer Produktion beteiligt seien, ist es, die Zuschauer zwei Stunden in eine andere Welt zu versetzen, Träume zu verkaufen, sagt Serr zur Motivation. Hinter zwei Stunden Träumen stehe die harte Arbeit von vielen Menschen. Bühnentechnikern, Choreografen. Textschreiber, Leute aus dem Marketing, aus der Buchhaltung. „Es gibt so viele Möglichkeiten, an einer Produktion beteiligt zu sein, und alle sind wichtig“, sagt Serr. Ohne Ton- und Lichttechniker „geht nichts“.
Neues Musical wird in Waldfischbach geprobt
Zwei Jahre wird daran gearbeitet, bevor ein Stück auf die Bühne kommt. Die vergangenen zwei Jahre wurden genutzt, um das Musical „Kein Pardon“ vorzubereiten, das auf dem Film von Hape Kerkeling basiert. Das kostet Geld, in Zeiten, „in denen wir nichts verdient haben“, sagt Serr. Viele seiner Mitarbeiter haben zwischenzeitlich in anderen Branchen ihr Geld verdient – Fleiß, Leidenschaft, Einsatzbereitschaft, zu wissen, dass nicht jeder Beruf von morgens acht Uhr bis mittags 16 Uhr dauert, „sind Eigenschaften, die in vielen Branchen gefragt sind“, sagt Serr.
Mit dem Musical „Kein Pardon“ geht es am 22. Januar zurück auf die Bühne. Geprobt wird wieder im Bürgerhaus „Schuhfabrik“ in Waldfischbach-Burgalben. „Wir hatten heute viel Theorie“, sagt Serr, der über Kostümbildner, Arrangeure, Musiker, Requisiteure informiert. „Wenn im Theater ein Schuss fällt, dann muss es knallen, darf es nicht plopp machen“, unterstreicht er. Ein praktischer Teil soll folgen. „Ich lade euch zu den Proben ein“, sagt er. „Klar, klappt das“, sagt Eich. Zweimal, so der Plan, sollen sie dabei sein, um zu sehen, wie sich Proben, wie sich das Stück entwickelt.
Nach der Premiere ist die Tournee geplant
Mit ein bisschen Glück geht es nach der Premiere am 11. Februar auf Tournee. Unter völlig veränderten Zeichen. Corona ist eines. Es wird eine Blase gebildet, in der sich nur die an der Produktion beteiligten Mitarbeiter bewegen. „Das wird eine Herausforderung“, weiß Serr. Manches Hotel existiere nicht mehr. Eine Corona-Folge. Er blickt sorgenvoll auf die Spritpreise. „Als wir die Tournee geplant haben, kostete der Liter Diesel noch keine 1,60 Euro“, sagt er. Etwa 40 Mitarbeiter, inklusive der Darsteller, sind mit zwei Bussen und zwei Lastwagen auf Tournee. Buchhalter sind gefragt.
Neue Herausforderungen. „Aber es ist einfach toll, das geht euch sicher auch so, wenn sich für Probleme Lösungen finden lassen“, sagt er auf die Frage, was ihm an seinem Beruf gefällt. „Und dass wir im Team arbeiten, nur als Team Erfolg haben“, ergänzt er. Den Schülern gibt er mit auf den Weg: „Haltet an Eurem Traum, an Eurem Ziel fest. Lasst euch nicht beirren und habt Ideen. Keine Idee ist zu verrückt“.