Heltersberg RHEINPFALZ Plus Artikel Wie eine Steinmetzfirma die Betriebsübergabe meisterte

Der Name bleibt, der Eigentümer hat gewechselt: Gudrun und Rainer Stucky haben ihren Betrieb an Hans und Lisa Kreischer (von lin
Der Name bleibt, der Eigentümer hat gewechselt: Gudrun und Rainer Stucky haben ihren Betrieb an Hans und Lisa Kreischer (von links) übergeben.

Der Name bleibt, der Eigentümer hat gewechselt. Hans Kreischer hat zum Jahresbeginn die Firma Grabmale Stucky aus Heltersberg übernommen. Geduld war dabei gefragt.

Seit 1963 werden in Heltersberg Steine bearbeitet. Rainer Stuckys Opa gründete den Steinmetzbetrieb, der sich im Laufe der Jahrzehnte enorm gewandelt hat. In Heltersberg bearbeitete Steine – vornehmlich Grabmale – sind mittlerweile deutschlandweit gefragt. Ein moderner Steinmetzbetrieb, in dem ein familiäres Klima herrscht, das war das, was Hans Johann Kreischer, der mit seiner Frau Lisa in Lorsch (Odenwald) zuhause ist, bewog, sich auf eine Anzeige zu melden, die Rainer Stucky geschaltet hatte.

„Ich wollte immer meinen eigenen Betrieb haben“, sagt der 35-jährige Steinmetz- und Bildhauermeister von der Bergstraße. Er übernahm den Betrieb im Scheideller Weg 34 in Heltersberg zu Jahresbeginn. Einen Betrieb, den er mittlerweile gut kennt. Seit September 2023 arbeitete er in Heltersberg. Die Kunden haben in dieser Zeit die Arbeit von Hans Kreischer schätzen gelernt. „Ich habe immer nur Lob über ihn und seine Arbeit gehört“, weiß Rainer Stucky den Betrieb für die Zukunft in besten Händen.

3000 Quadratmeter groß ist das Firmengelände von Grabmale Stucky in Heltersberg.
3000 Quadratmeter groß ist das Firmengelände von Grabmale Stucky in Heltersberg.

Das ist für ihn und seine Frau Gudrun, die im Unternehmen arbeitet, umso erfreulicher, „weil ich fast schon nicht mehr daran geglaubt habe, einen Nachfolger zu finden“, sagt Stucky, der kürzlich seinen 62. Geburtstag feierte. 1983 legte er seine Gesellenprüfung ab, besuchte die Fachschule für Steinbearbeitung in Wunsiedel, wo er 1989 seine Meisterprüfung bestand. 1993 übernahm er den elterlichen Betrieb von seinem Vater Erich. Er richtete die Firma neu aus, konzentrierte sich verstärkt auf den Bereich Grabmale, die sich bedingt durch den Wandel in der Bestattungskultur zunehmend veränderten.

150 Quadratmeter Ausstellungshalle

2009 baute er im Scheideller Weg in Heltersberg auf 3000 Quadratmetern eine große Außenausstellungsfläche und eine 150 Quadratmeter große Ausstellungshalle mit Büros entstanden. Das Betriebsgelände im Scheideller Weg und die Ausstellung hat Hans Kreischer übernommen. Die Werkstatt befindet sich noch in der Waldfischbacher Straße. „Sie soll absehbar auch im Scheideller Weg zu finden sein“, sagt Kreischer zu seinen Plänen.

Für ihn sei klar gewesen, auch wenn die Arbeit Spaß macht, „dass ich nicht bis zu meinem Lebensende im Betrieb arbeiten möchte“, sagt Rainer Stucky. Deshalb begann er früh mit der Suche nach einem möglichen Nachfolger. Stucky, selbst in der Innung aktiv, sah, wie die Anzahl der Steinmetzbetriebe, der Auszubildenden kontinuierlich sank. Daher wusste er, dass es herausfordernd würde.

Mit 50 Jahren Nachfolger gesucht

50 Jahre alt sei er gewesen, verrät der Heltersberger, als er die Suche begann. Er schaltetet innungsintern eine Anzeige. „Jahrelang passierte nichts“, sagt Stucky, der schon damit rechnete, seinen Betrieb einfach zuschließen zu müssen. Dann meldete sich doch noch ein Interessent: Hans Kreischer. Im Februar 2023, „habe ich die Anzeige gesehen“, erzählt er. In Heppenheim hat er das Handwerk gelernt. Nach seiner Ausbildung arbeitete der 35-Jährige zwölf Jahre lang in Lorsch. „Beste Odenwälder Schule“, lobt Stucky die handwerklichen Qualitäten seines Nachfolgers, der wie Stucky die Arbeit mit dem Sandstein zu schätzen weiß, aber auch gerne zum Beispiel mit Granit beweist, was sich aus einem Stein machen lässt. „Die Vielfalt macht den Reiz des Berufes aus“, sind sich Stucky und Kreischer einig. Wie sich unter anderem an einem Grabmal zeigte, dass sie für einen Kunden in Frankfurt herstellten. Ein drei Tonnen schwerer Sandstein aus der Pfalz wurde dafür verarbeitet. Die Freude am Handwerk, „würde ich gerne weitergeben“, sagt Kreischer, der gerne selbst ausbilden würde.

„Dass ich einen eigenen Betrieb haben wollte, hatte für mich früh festgestanden. Für mich war klar, dass ich erst mal Erfahrungen sammeln muss, bevor ich den Sprung in die Selbstständigkeit wage. Als ich soweit war, suchte ich einen Betrieb, der zu mir passt“, sagt er. Er suchte einen Betrieb, der familiär geführt wird – ohne Ehefrau Lisa, sagt Kreischer, wäre der Sprung in die Selbstständigkeit nicht möglich – und gut aufgestellt ist. Beides fand er in Heltersberg vor. Bevor er „ja“ zur Übernahme sagte, wollte er den Betrieb genauer kennenlernen. Verbunden mit dem Ziel, diesen zu übernehmen, arbeitete er bisher bei Grabmale Stucky. „Es ist ein moderner Handwerksbetrieb und das soll er bleiben“, sagt Kreischer, der sich bewusst entschieden hat, den Firmennamen beizubehalten, da dieser etabliert ist.

Schwerpunkt der Arbeit liegt in der Westpfalz

Im Schwerpunkt ist der Betrieb in der Westpfalz tätig. Die Friedhöfe in der Region und ihre speziellen Herausforderungen hat Kreischer längst kennengelernt. Mund-zu-Mund-Propaganda, aber auch digitale Medien haben dazu beigetragen, dass bundesweit die handwerkliche und kreative Arbeit der Steinmetzmeister aus dem Holzland geschätzt wird. Die Grabmalgestaltung in all ihrer Vielfalt wird Tätigkeitsschwerpunkt bleiben. Auch Natursteinelemente zur Gestaltung des Außenbereiches (und Innenbereiches) gehören zum Angebot.

„Die Zusammenarbeit ist super. Ich lerne von ihm, er lernt von mir“, sagt Rainer Stucky zur Betriebsübergabe, die fließend verläuft. Rollentausch inklusive. Kreischer ist seit 1. Januar der Chef. Gudrun und Rainer Stucky sind weiter im Unternehmen tätig. Mit reduziertem Arbeitsumfang geht es Richtung angestrebtem Ruhestand. Die Herausforderung Betriebsübergabe im Handwerk haben der vormalige und der neue Eigentümer erfolgreich gestaltet.

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