Wallhalben RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein Dorf seine Ortsmitte mit Märchen, Büchern und essbaren Pflanzen aufwertet

Der Schrank steht, die ersten Bücher sind eingeräumt. Sascha Als von der SKS-Stiftung, die den Bücherschrank geliefert hat, Tris
Der Schrank steht, die ersten Bücher sind eingeräumt. Sascha Als von der SKS-Stiftung, die den Bücherschrank geliefert hat, Tristan Burkhard von der Firma Grunder, die das Dach herstellen wird, Julia Chassein, die sich um den Bücherschrank kümmern wird, und Bürgermeister Peter Sprengard (von links) freuen sich über das neue ehrenamtliche Projekt, das durch einen Märchenweg ergänzt wird.

Vier Stunden lang Märchen hören, kostenlos Bücher tauschen und in Hochbeeten essbare Pflanzen ernten – das kann man in Wallhalben. Kulturelle Dorfmitte heißt die Idee.

Wer künftig Zeit im Ortszentrum von Wallhalben verbringt, kann dies kostenlos mit einem Kulturangebot für Groß und Klein verbinden. Am Dorfplatz wird aktuell der neue Bücherschrank installiert, der kleinen und großen Lesefreunden lustige Geschichten und spannende Abenteuer bieten soll. Wer am nahegelegenen Bach entlangläuft, der kann dabei künftig Märchen hören.

Die ersten Bücher sind schon da

Kulturelle Mitte heißt das Projekt, das die ehrenamtliche Arbeitsgruppe Dorfleben gemeinsam mit der Sport-, Kultur- und Sozial-Stiftung Südwest (SKS) umsetzt. Die SKS hat den Bücherschrank geliefert, der bereits mit den ersten Büchern bestückt ist, und hat die Tafeln für den Märchenweg installiert.

Es wird jetzt noch ein bisschen nachjustiert. „Das kriegen wir hin, da fällt uns etwas ein“, sagte Tristan Burkhard, Geschäftsführer der Grunder GmbH, als der Schrank am vorgesehenen Standort ausgepackt wurde. Der ortsansässige Dachdeckerbetrieb wird dem grauen Bücherschrank noch ein Dach verpassen, das den Schrank und seinen Inhalt vor Regen schützt. Solche Bücherschränke gibt es bereits in vielen Gemeinden, beispielsweise in ehemaligen Telefonzellen wie in Battweiler, Reifenberg, Walshausen und Pirmasens. Großsteinhausen nutzt schon seit 2014 eine alte Vitrine aus der Zweibrücker Fußgängerzone. Die SKS-Stiftung hat Schränke in Biedershausen, Dellfeld, Großbundenbach, Herschberg, Hornbach, Käshofen, Krähenberg und Schmitshausen aufgestellt.

„Wir freuen uns riesig, dass das jetzt klappt“, sagte Julia Chassein, als der Schrank geliefert wurde und die Schildermontage fast unbemerkt bereits angelaufen war. Chassein leitet mit großer Leidenschaft die benachbarte Katholische Öffentliche Bücherei im Ludwig-Katz-Haus und freut sich dort über zahlreiche Besucher, die nun auch 24 Stunden lang an sieben Tagen Bücher aus dem Schrank entleihen können. Den Bücherschrank betreut sie künftig mit. „Ein Buch raus, dafür ein anderes Buch rein“, sagt Sascha Als von der SKS-Stiftung zur Bücherschrankidee.

Vier Stunden lang Märchen der Brüder Grimm hören

Wer nicht lesen mag, sondern ein Märchen hören möchte, muss nun, wenn er von der Dorfmitte an der Wallhalbe entlang Richtung Eisdiele läuft, die Augen etwas nach oben richten. Dort sieht er 23 Tafeln, auf denen Märchentitel der Brüder Grimm stehen. Smartphone raus, den QR-Code scannen und schon lässt sich – kostenfrei – das jeweilige Märchen hören. Wer mag, kann vier Stunden auf dem Weg mit dem Anhören der Märchen verbringen. Oder jeden Tag ein anderes hören.

Die Idee von der kulturellen Wallhalber Dorfmitte gefiel auch den Mitgliedern der Lokalen Arbeitsgruppe der Leader-Region Pfälzerwald plus. Im Rahmen des Förderprogramms für ehrenamtliche Bürgerprojekte wurde die Idee mit 1500 Euro bezuschusst. „Bei allem ehrenamtlichen Engagement, ganz ohne Geld funktioniert es nicht“, freut sich Chassein mit ihren Mitstreitern Isabell Zimmermann, Tim Sprengard, Vanessa Abel und Melanie Reinhold über die Zuwendung, die dieses Projekt möglich macht.

Was im Hochbeet wächst, darf jeder essen

Unweit des Bücherschrankes ist der Erfolg eines weiteren ehrenamtlichen Projektes der Gruppe wieder am Wachsen: Im vergangenen Jahr waren Hochbeete gestellt worden, die regelmäßig bepflanzt werden. Essbar, heißt dieses Projekt. Was dort wächst, darf jeder essen.

Wenn es die Gruppe nicht gäbe, die sich aus der Aktion Dorfcheck heraus entwickelt hat, „müsste ich sie erfinden“, freut sich Wallhalbens Bürgermeister Peter Sprengard über das weitere gelungene Projekt. Für den Bücherschrank den richtigen Standort zu finden, ihn in Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Firma Grunder standsicher nutzbar zu machen, „das machen wir gerne. Dieses Engagement ist unbezahlbar“, freut er sich über die „Landmäd“ – die sich als Gruppe zusammengefunden haben und unter anderem Aktionen wie Wildkräuterwanderungen anbieten. Und über die Landmänner, die das Dorfleben mit ihren Ideen und ihrem Engagement beleben. Dazu gehören zum Beispiel umgesetzte Ideen wie die Spielzeugboxen an Spielplätzen.

Die Resonanz, die viele Ideen erfahren – auch die Adventsfensteraktion, deren Erlös einer Familie aus Wallhalben zugutekam, die einen Schicksalsschlag zu verkraften hatte – „ist schon toll“, freut sich Chassein. Sie ist sich sicher, dass der Bücherschrank und der Märchenweg die Menschen (und Besucher) im Ort begeistern werden. Alle Beteiligten hoffen, dass pfleglich mit den Dingen umgegangen wird, die dazu beitragen, ein nachhaltiges, generationenübergreifendes Angebot für alle zu schaffen.

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