Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Sirenenfreunde Südwestpfalz über Warnsignale aufklären

Die Bevölkerungswarnung im Notfall ist Florian Mikschy wichtig. Um die Bedeutung der Sirenen und ihrer Signale deutlich zu mache
Die Bevölkerungswarnung im Notfall ist Florian Mikschy wichtig. Um die Bedeutung der Sirenen und ihrer Signale deutlich zu machen, haben die Sirenenfreunde Südwestpfalz unter anderem den Sirenen-Fuchs kreiert. In einem neuen Projekt werden Grundschüler zu Sirenen-Lotsen.

Vorm landesweiten Warntag: ein Gespräch mit Florian Mikschy, Chef der Sirenenfreunde Südwestpfalz, über die Bedeutung der Sirenen, deren Signale und die neuen Sirenen-Lotsen.

Herr Mikschy, die Zahl der Sirenen steigt. Sind die Sirenenfreunde zufrieden mit der Entwicklung?
Ja, grundsätzlich sehen wir diese Entwicklung sehr positiv. Lange Zeit wurden Sirenen vielerorts zurückgebaut, weil man davon ausging, dass Apps oder andere digitale Warnmittel ausreichen. Inzwischen hat sich gezeigt, dass Sirenen ein unverzichtbarer Bestandteil der Warninfrastruktur sind. Vor allem wegen ihres unmittelbaren Weckeffekts. Sie erreichen Menschen direkt, auch wenn das Handy ausgeschaltet ist oder gerade nicht genutzt wird. Bei uns im Kreis gibt es eine positive Entwicklung. In den vergangenen Jahren haben besonders die Verbandsgemeinden Waldfischbach-Burgalben und Thaleischweiler-Wallhalben in ihr Warn- und Alarmierungsnetz investiert und neue Sirenen aufgebaut beziehungsweise bestehende Anlagen modernisiert. Andere Kommunen folgen diesem Beispiel und bauen ihre Systeme ebenfalls aus.

Sind die Sirenen in der Wahrnehmung der Bevölkerung wieder verankert?
Ja, auch in unserem Landkreis sind Sirenen bereits mehrfach zur Bevölkerungswarnung eingesetzt worden. Beispiele dafür sind etwa der Großbrand eines Lithium-Batterielagers in Höhfröschen oder verschiedene Hochwasserlagen. Solche Einsätze zeigen, dass Sirenen wieder ein wichtiger Bestandteil der Warninfrastruktur sind. Darüber hinaus können sie bei größeren Feuerwehreinsätzen zur Alarmierung zusätzlicher Einsatzkräfte genutzt werden, wenn Gefahr in Verzug ist. Wie beim Brand in Hermersberg. Es reicht nicht aus, Sirenen einfach nur zu errichten. Ebenso wichtig ist es, die Bevölkerung stärker darüber zu informieren, was die einzelnen Signale bedeuten und wie man sich im Ernstfall verhalten sollte. Dieses Wissen ist seit dem Ende des Kalten Krieges vielerorts in Vergessenheit geraten. Deshalb ist mehr Aufklärungsarbeit notwendig.

Entwickeln Sie deshalb die Aufklärungskampagne Sirenen-Lotse für Grundschüler mit, durch die sie die Sirenensignale kennen und verstehen lernen?
Ja, wir sind überzeugt, dass die dritte Klasse der Grundschule ein gutes Alter ist, um Kinder an das Thema Bevölkerungsschutz heranzuführen. Kinder sind neugierig, lernen schnell und tragen ihr Wissen oft in ihren Familien weiter. Wichtig ist, das Thema kindgerecht zu vermitteln und ihnen die Angst vor den lauten Sirenentönen zu nehmen. Hier setzt das Projekt Sirenen-Lotse an.

Die Kinder lernen spielerisch, warum es Sirenen gibt, welche Signale es gibt – etwa Warnung der Bevölkerung, Feueralarm oder Entwarnung – und wie man sich im Ernstfall richtig verhält. Am Ende erhalten sie ein Zertifikat sowie einen leuchtenden Turnbeutel, der sie als Sirenen-Lotsen auszeichnet und gleichzeitig für mehr Sichtbarkeit im Alltag sorgt. So werden die Kinder zu kleinen Multiplikatoren. Informationen gibt es online auf sirenen-lotse.de.

Diese moderne Sirenenanlage ist vor einigen Jahren auf dem Hauensteiner Bürgerhaus installiert worden.
Diese moderne Sirenenanlage ist vor einigen Jahren auf dem Hauensteiner Bürgerhaus installiert worden.

Mit dem Sirenen-Fuchs haben sie ein Maskottchen kreiert, das Kinder mögen. Auch in Feuerwehrfahrzeugen fährt der Sirenen-Fuchs bereits mit. Freut das die Sirenenfreunde?
Wir freuen uns natürlich sehr über das positive Feedback zum Sirenen-Fuchs. Uns war von Anfang an wichtig, ein Maskottchen zu schaffen, das sympathisch ist und besonders bei Kindern gut ankommt. In vielen Fabeln steht der Fuchs für Eigenschaften wie Klugheit, Aufmerksamkeit, Neugier und eine gewisse Gewitztheit. Das sind Eigenschaften, die gut zu unserem Thema passen: aufmerksam sein, Gefahren erkennen und richtig reagieren. Dass der Sirenen-Fuchs mittlerweile in vielen Feuerwehr- und Katastrophenschutzfahrzeugen als treuer Begleiter mitfährt, freut uns ganz besonders. Es ist schön zu sehen, wie sich die Idee verbreitet hat. Der Sirenen-Fuchs ist inzwischen schon weit gereist und hat unter anderem Grüße aus New York und aus Großbritannien geschickt. Das zeigt, wie viel Begeisterung hinter der Idee steckt, wie ein kleines Maskottchen Menschen verbinden kann.

Sie selbst erhielten kürzlich das goldene Ehrenzeichen für 25 Jahre Engagement bei der Jugendfeuerwehr. Viele Jahre lang waren sie Jugendfeuerwehrwart. Wie wichtig ist Jugendarbeit?
Die Jugendarbeit ist für die Feuerwehr von großer Bedeutung, weil hier die Grundlage für die Zukunft gelegt wird. Kinder und Jugendliche lernen früh, Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten und sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Gleichzeitig erleben sie Kameradschaft und Zusammenhalt – Werte, die weit über die Feuerwehr hinaus wichtig sind. Wichtig ist, dass es passende Angebote für verschiedene Altersgruppen gibt. In der Jugendfeuerwehr liegt das Eintrittsalter in der Regel bei zehn Jahren. Viele Kinder interessieren sich schon früher für die Feuerwehr. Deshalb habe ich mich dafür eingesetzt, in Höhfröschen eine Bambini-Wehr ins Leben zu rufen, um auch jüngeren Kindern einen altersgerechten Zugang zu ermöglichen.

Wie vermittelt man jungen Menschen, was Dienst in der Feuerwehr bedeutet?
Wichtig ist vor allem, jungen Menschen zu zeigen, dass Feuerwehr mehr ist als nur Einsätze. Gemeinschaft, spannende Erfahrungen und die Möglichkeit, sich persönlich weiterzuentwickeln, machen die Feuerwehr aus. Veranstaltungen wie Blaulichttage, Tage der offenen Tür oder Berufsfeuerwehr-Wochenenden geben Jugendlichen die Chance, den Feuerwehralltag aktiv zu erleben und selbst auszuprobieren, was Teamarbeit und Technik in der Praxis bedeuten. Solche Angebote erfordern zwar viel Planung und Engagement von den Betreuerinnen und Betreuern, sind aber eine wichtige Investition. Schließlich gewinnt die Feuerwehr einen Großteil ihres Nachwuchses aus der eigenen Jugend. Deshalb ist eine aktive und attraktive Jugendarbeit entscheidend für die Zukunft unserer Feuerwehren.

Zur Person

Florian Mikschy lebt in Höhfröschen. Er ist Mitbegründer der Interessengemeinschaft Sirenenfreunde Südwestpfalz, über deren Facebook-Seite (facebook.com/Sirenenfreunde) mehr als 35.000 Sirenenfreunde aus der ganzen Bundesrepublik vernetzt sind. Mikschy ist Mitglied im Fachausschuss Bevölkerungsschutz beim Landesfeuerwehrverband Rheinland-Pfalz. Als Feuerwehrmann ist er seit vielen Jahren in Höhfröschen aktiv. Der Brandmeister hat sich rund 25 Jahre lang besonders für die Nachwuchsarbeit engagiert und die Entwicklung der Jugendfeuerwehr vor Ort maßgeblich mitgeprägt.

Info

Am Donnerstag, 12. März, findet der zweite landesweite Warntag in Rheinland-Pfalz statt. Gegen 10 Uhr werden über verschiedene Kanäle Warnungen verschickt, um die Warnsysteme für Notfälle zu testen. Auch immer mehr moderne Sirenen sind zu hören. add

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