Schindhard RHEINPFALZ Plus Artikel Wie die Schindharder Fußballer Dorfleben gestalten

Friedrich Herder arbeitet seit 40 Jahren mit vielen Kameraden an der Weiterentwicklung des Fußballvereins im 500 Einwohner zähle
Friedrich Herder arbeitet seit 40 Jahren mit vielen Kameraden an der Weiterentwicklung des Fußballvereins im 500 Einwohner zählenden Schindhard. Nun zeichnete ihn das Land für sein Engagement aus.

Der Schindharder Fußballverein ist im dörflichen Leben verankert und geht ungewöhnliche Wege. Der Vorsitzende Friedrich Herder wurde nun ausgezeichnet.

15 Jahre lang hat Friedrich Herder im Gemeinderat von Schindhard mitgearbeitet. Noch bekannter ist er als Vorsitzender des FC Schindhard. Mit kurzer Unterbrechung steht er den Fußballern seit 1984 vor – und dem Verein gehört seine Leidenschaft. 20 Jahre habe er als Aktiver dort gespielt, 15 Jahre bei den Alten Herren. Die aktive Mannschaft wurde inzwischen abgemeldet, weil sich kaum noch Spieler aus dem Ort fanden. „Das ist nicht schlimm“, findet der Vorsitzende. Dennoch ist der Verein rege.

Während der Corona-Pandemie baute der Verein sein großes Sportheim – zum größten Teil in Eigenleistung.
Während der Corona-Pandemie baute der Verein sein großes Sportheim – zum größten Teil in Eigenleistung.

Herders jahrzehntelanges Engagement für sein Dorf wurde nun mit der Landesehrennadel ausgezeichnet. Für den Schindharder ist wichtig, dass der Club fest im dörflichen Leben verankert ist. Dafür wurde viel getan. Das Sportheim ist heute über die Grenzen des Wasgaus hinaus bekannt, und im Verein seien auch Männer aus Erfweiler, Busenberg und Dahn aktiv. „Bei uns findet sehr viel Dorfleben statt“, erklärt er.

Der große Wurf

Herder habe den Verein in den 80er Jahren mit großen Schulden übernommen, die durch die Erschließung des Geländes entstanden seien. Nachdem die Fußballer ihre Schulden abbezahlt hatten, bauten sie 1992 ein kleines Sportheim. 2010 wurde aus dem Hart- ein Rasenplatz, „alles in Eigenleistung und mit eigenem Geld“, abgesehen von einer Förderung durch die Daniel-Theysohn-Stiftung. Und 2021„kam der große Wurf. Wir haben alles wieder abgerissen und neu aufgebaut zu einer Almhütte, einem Eventhaus“. Die Lockdowns während der Corona-Pandemie hätten den Vereinsmitgliedern Zeit gegeben, „diesen herrlichen Stadl“ auszubauen, sagt Herder.

Der Felsen über dem Sportheim ist Teil des Vereinslogos.
Der Felsen über dem Sportheim ist Teil des Vereinslogos.

Neben der Eigennutzung werde das Haus heute vermietet für Firmenfeiern, Hochzeiten und Geburtstage. Im Sommer bewirten die Fußballer freitagnachmittags Gäste mit Getränken und kleinen Gerichten. Es gibt einen Biergarten, eine Außenküche und einen fest installierten Ausschankwagen.

Maibockfeste ziehen Tausende an

Herder ist gebürtiger Dahner, seine Frau holte ihn nach Schindhard. All die Arbeit für den Verein „konnten wir nur machen, weil alle Frauen mitgezogen haben“, berichtet er. „Ohne die Frauen wäre das weder in der Vergangenheit möglich gewesen noch heute.“ Auf dem Spielfeld sind die Frauen indes nicht zu finden. Jedoch gab es in den 2000er Jahren ein einziges Spiel der Schindharder Damen gegen den FSV Schifferstadt, für das die Frauen, wie Herder berichtet, drei Monate Fußball trainierten. Aus dem Nichts hätten sie sich mithilfe ihrer Männer als Trainern zu einer „funktionierenden Mannschaft mit taktischer Aufstellung“ entwickelt. Das sei erstaunlich schnell gegangen, meint Herder im Rückblick. „Vielleicht sind sie nicht so begriffsstutzig wie Männer“, sagt er und lacht. Die Schindharder Frauen gewannen das Spiel gegen Schifferstadt 3:1.

Überdachter Außenbereich, Innen- und Außenküche, Sitzplätze im Inneren auf zwei Ebenen, Getränkestand, Spülstraße– für den FC Sc
Überdachter Außenbereich, Innen- und Außenküche, Sitzplätze im Inneren auf zwei Ebenen, Getränkestand, Spülstraße– für den FC Schindhard war das neue Sportheim der große Wurf, sagt Friedrich Herder.

Als Ankerfest bezeichnet der 72-Jährige den Maibock, der seit 36 Jahren immer weiter ausgebaut wird. „Das dürfte heute das größte Volksfest sein im Wasgau und der Umgebung.“ 2500 bis 3000 Gäste ziehe das Maibockfest jährlich an. Die Einnahmen, die dort generiert werden, seien maßgeblich dafür, dass der Verein trotz der vielen Bauarbeiten heute schuldenfrei sei. Die etwa 85 Mitglieder des Fußballvereins seien beim Maibock fast alle im Einsatz. Im Gespräch betont Friedrich Herder immer wieder, wie viel die Vereinsmitglieder leisten, um ihren Club voranzubringen. Deshalb habe er die Auszeichnung mit der Landesehrennadel stellvertretend angenommen für alle, die ehrenamtlich aktiv sind. „Die Begleitung von vielen Kameraden war all die Jahre essenziell“, erklärt der Vorsitzende.

Die Landesehrennadel nehme er stellvertretend für viele Aktive an, sagt Herder.
Die Landesehrennadel nehme er stellvertretend für viele Aktive an, sagt Herder.

Die nächsten Projekte stehen fest

Heute hat der Verein eine Freizeitmannschaft, die Freundschaftsspiele bestreitet. Über 30 Spieler von 15 bis 55 Jahren machen mit, erzählt der Vorsitzende. „Sie gestalten das Vereinsleben sehr rege. Es gibt viele junge Männer mit Migrationshintergrund, die gerne bei uns spielen.“ Obwohl Schindhard in keiner Liga antritt, sei die Lage „aus sportlicher Sicht sehr zufriedenstellend“.

Der Sportplatz wird auch von befreundeten Vereinen, Schulklassen und Jugendlagern genutzt. „Auf unseren Platz darf jeder drauf. Deshalb haben wir einen Riesenzulauf“, sagt Herder.

Die Pläne für die nahe Zukunft stehen: eine kleine Flutlichtanlage, ein neuer Zaun für den Sportplatz, und nebenan soll ein Kinderspielplatz entstehen. In den Vorstand sollen Jüngere aufgenommen werden, um sie auf die Nachfolge vorzubereiten. Ein paar Jahre will Friedrich Herder aber noch weitermachen für seinen Verein.

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