Hornbach RHEINPFALZ Plus Artikel Welche Fähigkeiten Riesenschnauzer zu Stars im Hundesport machen

Markante Augenbrauen, markante Schnauze und ein großes Herz haben die beiden erfolgreichen Riesenschnauzer. Das schätzen Karina
Markante Augenbrauen, markante Schnauze und ein großes Herz haben die beiden erfolgreichen Riesenschnauzer. Das schätzen Karina Christmann und Heinrich Kindler an ihren erfolgreichen Vierbeinern Lilli und Bosse.

Karina Christmann und Heinrich Kindler feiern Erfolge im Hundesport. Ihre Riesenschnauzer Lilli und Bosse glänzen mit Disziplin, Nasenarbeit und Teamgeist.

Riesenschnauzer mit Riesenherz – so lassen sich Lilli und Bosse beschreiben. Die schwarzen Hunde mit markanten Augenbrauen und üppigen Schnauzbärten gelten als treu, arbeitsfreudig und eng auf ihre Menschen bezogen. Diese Eigenschaften schätzen Karina Christmann und Heinrich Kindler besonders. Zugleich sind ihre Vierbeiner echte Athleten: Zahlreiche Erfolge bei Meisterschaften stehen bereits zu Buche.

Ruhig liegen die neunjährige Lilli („Lilli vom Wasserschloß“) und Bosse („Bosse vom Lindelbrunn“), der vor sechs Jahren im pfälzischen Dimbach geboren wurde, in ihren Boxen. Sie ruhen sich aus für das Training auf dem Platz des Hundesportvereins Horbach, wo beide regelmäßig arbeiten.

„Die Hunde fühlen sich nur wohl, wenn sie richtig beschäftigt sind“, sagen die Geiselbergerin Christmann und der Weselberger Kindler. Kennengelernt haben sie sich im Reitsport, inzwischen verbindet sie die Freude am Hundesport und die Liebe zu Riesenschnauzern. Jüngst gewann Christmann mit Lilli die Landesmeisterschaft, Kindler und Bosse wurden Vize-Landesmeister – in Disziplinen der Internationalen Gebrauchshundeprüfung (IGP).

Die Hunde leben im Haus

Lilli ist Spezialistin in der Fährtenarbeit. Kämpft sie bei Meisterschaften um Punkte und Platzierungen, sind sie, ihre Nase, ihre Kondition und ihre Disziplin enorm gefordert. Auf einer Strecke, die mindestens 1800 Schritte lang ist, aus sieben Schenkeln und fünf rechten Winkeln besteht, werden von einem Fährtenleger sieben Gegenstände ausgelegt. Die muss Lilli finden.

Die Anforderungen sind hoch: Zwischen Legen und Absuchen müssen mindestens drei Stunden liegen. Zudem kreuzen zwei Fremdfährten die Spur, die Lilli ignorieren muss. Unterschiedliche Böden von lehmig bis sandig fordern sie zusätzlich. „Das ist enorme Kopfarbeit“, sagt Christmann, die mit Lilli und den Riesenschnauzerinnen Josie und Jill zusammenlebt. Wie bei Kindler gilt: „Die Hunde leben im Haus.“ Bei ihm leistet ein Cocker Spaniel dem Riesenschnauzer-Rüden Bosse Gesellschaft.

Bei den Hunden ist die Freude unübersehbar

Mit alten, harschen Erziehungsmethoden habe moderner Hundesport nichts mehr zu tun, betonen beide. Bosse und Lilli sind dafür die besten Beispiele. Prüfer wollen freundliche, ausgeglichene und soziale Hunde sehen. Wenn Lilli und Bosse auf den Platz dürfen, ist ihre Freude unübersehbar. Die Ausbildung nutzt die natürlichen Triebe und arbeitet mit positiver Bestärkung – Leckerlis und Spielzeug dienen als Belohnung.

Christmann fand über ihren Mann Arnd Ningelen, aktiver Hundesportler, zu den Riesenschnauzern. Auslöser war dessen Hündin Sunny. „Das war Liebe auf den ersten Blick“, erzählt sie lachend. Damit sie richtig mit einem Hund arbeiten konnte, schenkte ihr Ehemann ihr Lilli. „Eigentlich wollte ich nur in die Welpenschule“, verrät sie. Daraus wurde deutlich mehr.

Lilli ist sogar Weltmeisterin

2022 gewann Christmann mit Lilli erstmals die Landesmeisterschaft. Es folgte die erste Teilnahme an einer deutschen Meisterschaft, die Lilli mit Platz sieben abschloss. Danach holten beide weitere Landesmeistertitel, belegten im Jahr 2023 Rang drei bei der deutschen Meisterschaft und starteten erstmals bei einer Weltmeisterschaft. Lilli wurde Dritte in der Einzelwertung und mit der Mannschaft Weltmeisterin.

Diese WM-Erfolge verteidigten sie im Jahr darauf bei der Weltmeisterschaft in Italien. 2025 zeigte Lilli am zweiten Tag der deutschen Meisterschaften eine herausragende Fährtenarbeit. „Das werde ich nie vergessen“, sagt Christmann. 99 von 100 Punkten standen am Ende auf dem Wertungszettel.

Belohnung: Streicheleinheiten und Lieblingsspielzeug

Auch Bosse arbeitet gern für Belohnungen. „Er freut sich über ein Spielzeug“, berichtet Kindler. Im Training zeigt sich, wie viel Motivation das gibt: Nach konzentriertem Ablegen und Warten gibt es Streicheleinheiten und das Lieblingsspielzeug. In der Fährtenarbeit bewältigt Bosse mit Kindler Strecken von 600 Schritten, mit weniger Gegenständen und leichteren Winkeln als bei Lilli. Für Wettkämpfe absolviert er drei Prüfungsteile: Fährte, Unterordnung und Schutzdienst.

Kindler betrieb bereits als Jugendlicher Hundesport, legte dann wegen der Pferde eine Pause ein. 2011 kaufte er seinen ersten Riesenschnauzer und fand im Training mit seinem Hund zurück in sein Element.

Beide Teams wieder für die WM qualifiziert

Beide Hunde stammen aus Leistungslinien und bringen die entsprechenden Anlagen mit. „Diese Hunde müssen arbeiten. Als reine Familienhunde wären sie völlig unterfordert“, erläutern Christmann und Kindler. Sie hoffen, dass sich noch ein Ausrichter für die deutschen Meisterschaften findet. Die Weltmeisterschaften stehen fest: Sie werden im Herbst in der Schweiz ausgetragen. Beide Teams sind qualifiziert und planen die Teilnahme.

Langeweile kommt bei Kindler, Christmann, Bosse und Lilli nicht auf. Dafür sorgen Training, Wettkämpfe und die besondere Bindung zwischen Mensch und Hund – und nicht zuletzt die Freude, mit der die Riesenschnauzer ihre Aufgaben angehen.

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