Busenberg
Weihnachtsmärkte: Die Hütten kommen aus Busenberg
Wer bei der Holzwerkstatt Hartmann über das Firmengelände läuft, bekommt direkt weihnachtliche Gefühle – trotz strahlendem Sonnenschein und Vogelgezwitscher. Denn auf dem Betriebsgelände in Busenberg stehen gleich mehrere Verkaufsstände, wie sie typischer für Weihnachtsmärkte nicht sein könnten.
Da gibt es ein etwas kleineres Modell, das an ein liebevoll dekoriertes Lebkuchenhaus erinnert. Nicht weit davon entfernt steht eine größere Variante, deren Dachschindeln in weihnachtlichem Rot erstrahlen. Gegenüber ist ein ganz großer Verkaufsstand in rustikaler Holzoptik aufgebaut, der gleich mehrere Fenster für den Verkauf bietet. Die Lichterketten sind auch schon montiert.
Seit 2010 auf Verkaufsstände spezialisiert
Das Familienunternehmen von Günther Hartmann ist fast 100 Jahre alt, erzählt er. Gegründet hat es sein Großvater, ein Köhler. Danach, 1968, habe sein Vater die Schreinerei übernommen, seit 1998 führt sie Günther Hartmann. Der 63-Jährige ist Schreinermeister und hat sich 2010 auf das Design und den Bau von Verkaufsständen spezialisiert. Kurz zuvor, während der Bankenkrise 2008/09, hätte er seinen Betrieb beinahe verloren, erinnert sich der 63-Jährige. Doch dann kam er auf die Idee mit den Verkaufsständen.
Heute finden sich diese überall, etwa auf dem Weihnachtsmarkt in Monaco vor dem fürstlichen Schloss, aber auch auf dem Jahrmarkt in Pirmasens und dem Cannstatter Wasen in Stuttgart. Seine Kunden stammten aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, den Benelux-Ländern, Dänemark und Frankreich.
Mitte Januar fürs Jahr ausgebucht
Der Schreinermeister beschäftigt zehn Mitarbeiter, die Auftragslage sei gut. „Wir waren schon Mitte Januar für das ganze Jahr ausgebucht“, erzählt er. Rund 100 Hütten entstehen jährlich in Busenberg. Die Modelle kosteten je nach Ausführung zwischen 15.000 und 25.000 Euro. Rund zwei Millionen Euro Umsatz mache er pro Jahr – wobei alleine eine Million Euro für das Material zu rechnen sei.
Auf dem Gelände werde an mehreren Verkaufsständen parallel gearbeitet, sodass sich auf dem Hof Modelle in unterschiedlichen Fertigungsstadien finden. Von der anfänglichen Holzkonstruktion bis zum verkleideten, gestrichenen und vollständig elektrifizierten Endprodukt. Bei der Optik kann Hartmann auf die Wünsche der Kunden eingehen: „Traditionelles Handwerk ist unwahrscheinlich flexibel.“
Konzentration aufs Kerngeschäft
Theoretisch sei es sogar möglich, die Hütten zu Tiny-Häusern umzubauen, Anfragen hierzu habe er bereits erhalten. Doch Hartmann konzentriert sich lieber auf sein Kerngeschäft. Für die Aussteller sei die Hütte wie eine Maschine – sie müsse gut aussehen, dazu aber sehr praktisch sein, damit sich in ihr arbeiten lässt. An Holz werde vor allem Fichte und Kiefer verarbeitet. Über eine Firma in Litauen biete er noch überdachte Sitzplätze an, das Hauptaugenmerk liege jedoch auf den Verkaufsständen.
Manche Verkaufsstände werden wie ein Wohnwagen mit Rädern konstruiert, andere müssen via Hänger transportiert werden. Seit 2010 habe er über 2000 Hütten gebaut, überschlägt Hartmann. Manchmal gehörten auch Vereine, Hotels oder Gaststätten zu seinen Kunden.
Größte Weihnachtspyramide der Welt
Natürlich gebe es Mitbewerber auf dem Markt, doch die böten meist größere Modelle mit Hydraulik an, die dann schnell einen sechsstelligen Betrag kosteten. „Die Schausteller verkaufen deswegen auch nicht mehr“, sieht es der Schreinermeister pragmatisch. In diese Größenordnung will er seinen Betrieb nicht entwickeln, zumal das wirtschaftlich riskant sein könne. Sollte so ein Großauftrag einmal nicht bezahlt werden, sei das für eine Firma schwer zu verkraften.
Zurück zum Thema Weihnachten: Eine ganz besondere Geschichte hat Hartmann 2015 erlebt. Damals baute er im Auftrag eines Kunden die größte Weihnachtspyramide der Welt. Rund 18 Tonnen schwer und 26,5 Meter hoch sei der Koloss gewesen. Die Struktur dafür gab ein Stahlgestell, das mit Holz verkleidet wurde. Die Pyramide ist ein „fliegender Bau“, sie ist transportabel und werde immer an unterschiedlichen Orten aufgestellt, erklärt Hartmann.
Einen Nachfolger aus der eigenen Familie gebe es nicht, doch Günther Hartmann ist zuversichtlich, dass er jemanden findet, der in den nächsten zehn Jahren das Geschäft übernimmt: „Dann bleibt Zeit, um die Person einzuarbeiten.“ Vom Potenzial der Verkaufsstände ist Hartmann überzeugt. Allein in Berlin gebe es 60 Weihnachtsmärkte, auf denen Hunderte Hütten stehen. Wenn er selbst auf Märkten unterwegs ist, sieht Hartmann die Verkaufsstände aus dem eigenen Haus sofort: „Die haben einen Wiedererkennungswert“, sagt er.