Merzalben Was Bernhard Emanuel in 46 Arbeitsjahren bei Dockers by Gerli erlebt hat

Die Gerli-Familie verabschiedet Bernhard Emanuel (Dritter von rechts): Links stehen Marc, Ralph und Simone Grossmann, um den Jun
Die Gerli-Familie verabschiedet Bernhard Emanuel (Dritter von rechts): Links stehen Marc, Ralph und Simone Grossmann, um den Jungrentner Sven und Moniqué Andersson sowie Nick Grossmann.

„Eine Legende geht in Rente“: Bernhard Emanuel hat 46 Jahre lang bei Dockers by Gerli in Merzalben gearbeitet. Er hat einen Großbrand und einen kuriosen Schuhtransport erlebt.

Wenn Bernhard Emanuel nach 46 Jahren die Tür hinter sich schließt, die lange Zeit sein täglicher Eingang zur Arbeit war, verlässt der dienstälteste Mitarbeiter von Dockers by Gerli das Merzalber Großunternehmen. Der gebürtige Merzalber steht im 68. Lebensjahr. Er kann sich gut an einige interessante Ereignisse und Veränderungen in mehr als vier Jahrzehnten bei der ehemaligen Firma Gerli erinnern.

„Eine Legende geht in Rente“, würdigte Personalchefin Simone Grossmann die Treue von Bernhard Emanuel. Sie nannte ihn einen „Kollegen der ersten Stunde“, der seinen ersten Arbeitstag bei Gerli hatte, als die meisten der heutige bei Dockers by Gerli Beschäftigten noch nicht geboren waren. Ihm sei nichts – „aber auch gar nichts“ – zu viel gewesen. Grossmann betonte, Emanuels Berufserfahrung, Gelassenheit und Menschlichkeit würden dem Unternehmen fehlen. „Wir können uns eine große Scheibe von dir abschneiden und sind sehr stolz auf deine Zeit in unserem Team. Du hast dir den Ruhestand mehr als verdient“, sagte die Personalchefin.

Erinnerungen an Zeiten mit Steno und Telex

Emanuel kam mit 22 Jahren zu Schuh-Import und -Export Gerli, nachdem er eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei der ehemaligen Schuhfabrik KKS, Arthur Frick, absolviert hatte. Als er die Eingangstür des 1973 gegründeten Betriebs erstmals aufstieß, arbeiteten dort sieben Personen. Chefs waren die Gründer Gösta Andersson und Bruno Heim, die beide verstorben sind. Vom einzigen Lageristen führte ihn die Karriereleiter ins Büro und zur EDV, in die digitale Arbeitswelt.

Er erinnert sich: Anfangs war die Versandabwicklung noch mühsame Handarbeit, teils nur mit mechanischer Schreibmaschine als Hilfsmittel. Telexe, Fernschreiben, kamen ebenso zum Einsatz wie die Stenografie. Handys und Alarmanlagen waren weit weg: „Man schloss mit dem Schlüssel ab und drehte zweimal um. Fertig“, sagt Emanuel schmunzelnd. Heute könne man auf dem Handy alle Räume sehen und überwachen. Positiv sei die Einführung der Gleitzeit gewesen, sagt Emanuel.

Als an Rosenmontag ein Hänger umkippt

Er kann sich an den Großbrand in der Firma im Jahr 1987 erinnern und erzählt eine Anekdote vom Rosenmontag 1989: Eine Schuhlieferung aus Spanien kam an – verladen auf einem Anhänger, auf dem auch noch Fliesen geladen waren – „ganz oben drauf unsere Schuhe“. Der Lasterfahrer kannte das Firmengelände nicht und fand die Rampe nicht. Beim Rückwärtsfahren geschah es: Der Anhänger kippte wie in Zeitlupe um. „Die Folge war eine halbseitige Sperrung der Straße, wobei beim Abladen auch die Polizeibeamten halfen“, erzählt Emanuel. Das umgekippte Fahrzeug musste letztendlich mit einem Autokran wieder aufgerichtet werden.

Der Jungrentner erinnert sich, dass zu Beginn seiner Tätigkeit bei Gerli Westernstyle-Schuhe gefragt waren. Heute, mehr als 40 Jahre später, bietet Dockers by Gerli eine breite Palette an Schuhen für Damen, Herren und Kinder an. Und Bernhard Emanuel verlässt das Unternehmen. „Ich werde die Tür hinter mir leise schließen; mich auf Haus, Grund und Gartenarbeit konzentrieren und meinen Un-Ruhestand genießen,“ sagt er.

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