Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel Was aus einer Contwiger Leseratte wird: Christopher Rebmann ist Thalia-Chef in Köln

Christopher Rebmann aus Contwig leitet die Thalia-Buchhandlung in Köln, eine der größten Filialen in Deutschland.
Christopher Rebmann aus Contwig leitet die Thalia-Buchhandlung in Köln, eine der größten Filialen in Deutschland.

Mit 20 verließ Christopher Rebmann Contwig, jetzt leitet er die Thalia-Filiale in Köln. Wie er schon früh seine Bücherliebe entdeckte und was ihn an seinem Beruf begeistert.

Immer mehr junge Leute lesen. Booktok und Influencer beeinflussen das Leseverhalten, wie Christopher Rebmann bemerkt. „Das Thema Klassiker ist so stark wie seit Jahren nicht mehr – besonders englischsprachige“, fällt ihm auf. Auch „Young Adult“ mit „junger Liebe und allen Untergenres“ sei sehr beliebt. Der 36-Jährige leitet die Thalia-Filiale in Köln, kommt allerdings ursprünglich aus Contwig.

Die Liebe zu Büchern begann auch bei ihm schon ganz früh: „Meine Mutter hat mir immer vorgelesen und sobald ich selbst konnte, hab ich gelesen. Auch an Nikolaus gab es dann immer Bücher. Die haben mich schon immer begeistert.“ In der sechsten Klasse wurde er von seiner Tante auf die Idee gebracht, ein Praktikum bei der Thalia-Filiale in Zweibrücken zu machen, da er auch den Kontakt mit Menschen sehr mag. „Seit dem Zeitpunkt wusste ich, dass ich das machen möchte“, erzählt Rebmann.

Kurzzeitig stand Werbetechniker als Beruf im Raum. Er wollte seine Kreativität ausleben. „Aber das kann man als Buchhändler auch: Von Tischpräsentationen bis zur Schaufenstergestaltung – überall ist Kreativität sehr gefordert.“ Seine Freunde hat Rebmanns Berufswahl wenig überrascht. „Wir sind immer zusammen in Bibliotheken gegangen, haben uns Buchempfehlungen gegeben. Bücher waren schon immer Thema. Und kommunikativ war ich auch sehr“, erinnert er sich.

Viele Stationen führen nach Köln

Thalia war seit dem Praktikum ein „Wegbegleiter“, weshalb er über eine Selbstständigkeit nicht wirklich nachgedacht habe. Wer plant, eine eigene Buchhandlung aufzumachen, dem empfiehlt er, sich zu spezialisieren. „In Frankfurt gibt es zum Beispiel eine reine Krimibuchhandlung, damit kann man echt punkten.“ Nach dem Praktikum wurde ihm die Ausbildung bei Thalia in Zweibrücken angeboten. Danach wurde er nach Frankfurt übernommen und anschließend wechselte er in die erste Führungsposition in Offenbach. Über Neuß und Wuppertal ging es dann 2022 in die Kölner Filiale. „Das war erst gar nicht das Ziel der Reise. Größer wird auch schwierig“, sagt er. Denn: Die Filiale in Köln eine der größten von Thalia.

Dass er in einer Großstadt leben möchte, sei aber eigentlich klar gewesen. Die Umstellung von Contwig zur Großstadt findet er spannend: „Es gibt unendliche Möglichkeiten. Man kann rund um die Uhr weggehen, egal was man machen möchte. Tanzen, Bars, Lanxess Arena – das war auf dem Dorf schon anders.“

An Contwig vermisst er die Gemütlichkeit. „Es ist grüner, man hat mehr Zeit zum Durchatmen. Als Kind war das super, als junger Erwachsener will man dann etwas anderes. Es braucht immer den passenden Ort für die passende Zeit“, findet er. Einige seiner Freunde ziehen mittlerweile aus Berlin zurück in die Heimat, aber er sieht sich momentan noch nicht zurück im Zweibrücker Land. „Vielleicht wenn ich mal in Rente bin, aber darüber hab ich noch nicht viel nachgedacht.“ Aber zu Weihnachten, Ostern und noch ein-, zweimal im Jahr besucht er seine Heimat.

Fokus auf der Kundenberatung

Besonders gut an dem Beruf des Buchhändlers gefällt Rebmann, dass man mit zahlreichen Menschen zu tun hat. „Man hat immer Abwechslung, weiß nie, welcher Kunde kommt und was der dann sucht. Man muss sich auf vieles neu einlassen – immer mit dem Ziel, das Beste für den Kunden zu tun“, schwärmt Christopher Rebmann. Allerdings sieht er auch Nachteile. „Man kann sich nicht vor den Kunden verstecken, wenn man mal einen schlechten Tag hat, das muss einem bewusst sein“, erklärt er und lacht. Auch die Öffnungszeiten des Einzelhandels seien für viele ein Nachteil, da man Spät-, Früh- und Samstagsschichten haben kann.

An einem typischen Tag als Buchhändler liegt der Hauptfokus auf der Kundenberatung. „Wir gehen aktiv auf die Kunden zu und begleiten sie zum passenden Buch“, beschreibt er. Auch die Warenverräumung und Reinigung von Büchern sei ein großer Teil der Arbeit. Außerdem könnten die Mitarbeiter ihre „Buchschätze“ herausstellen und mit einer Bewertung versehen, Thementische gestalten und Bücher inszenieren. „Lesen ist des Buchhändlers große Leidenschaft. Das ist extrem wichtig, da wir dem Kunden den Inhalt näherbringen wollen“, ergänzt Rebmann.

Das Lieblingsbuch des Buchhändlers

Sein Lieblingsbuch „Picknick auf dem Eis“ von Andrij Kurkow findet er sehr skurril: „Es geht um einen jungen Journalisten, der nicht wirklich Fuß fasst und dann als Nekrologe engagiert wird, um Nachrufe für Prominente zu schreiben, die aber alle noch leben. Und dann – auf mysteriöse Art und Weise – kommen die sehr zeitnah nach Abgabe der Anzeige ums Leben“, erklärt Rebmann begeistert. „Das macht richtig Spaß zu lesen.“

x