Weißenburg
Was auf dem Weihnachtsmarkt in Weißenburg geboten wird
Schon im Plakat wirbt die mit vielen historischen Gebäuden ausgestattete elsässische Stadt lieber mit Burg Berwartstein als ihren eigenen architektonischen Schmuckstücken. Der Berwartstein als Residenz von Hans von Trotha, der in Weißenburg nur Hans Trapp genannt wird, hatte um 1500 einen fürchterlichen Ruf als Raubritter. Die Weißenburger versprechen für den Weihnachtsmarkt, „die wahre Geschichte von Hans Trapp“ erzählen zu wollen. Ob Hans von Trotha wirklich so schlimm war, wie er heute dargestellt wird, ist nicht gesichert. Auf jeden Fall soll er einen handfesten Dauerstreit mit dem Kloster Weißenburg ausgefochten haben. Zu dessen Höhepunkt staute er bei Bobenthal die Lauter auf. Den Weißenburgern fehlte daraufhin das Wasser, und als sie sich beschwerten, soll er einfach den Damm aufgebrochen und damit Weißenburg mitsamt den Feldern überschwemmt haben. Sein Grab ist sich in der St. Anna-Kapelle bei Niederschlettenbach.
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Ein ausführlicher Artikel zu Hans von Trotha: Hans Trapp, treuer Freund des Kurfürsten und Schrecken der Weißenburger Mönche
Für den Weißenburger Weihnachtsmarktes sind 54 Buden im historischen Stadtzentrum aufgestellt worden. Ergänzend gibt es einen Markt in der früheren Zehntscheuer (Grange aux Dîmes). Dort wird in der ersten Etage ausgewähltes Kunsthandwerk mit lokalem Bezug geboten, wie der Veranstalter verspricht. Auf dem Freigelände gibt es im Zentrum des Marktes noch ein „Feuer der Solidarität“, an dem sich die Besucher aufwärmen können. Im Hof des Museums Westerkamp mit seinem schönen Park findet sich das Café des Christkindels. Dieses ist die zweite wichtige Figur für die Weißenburger Weihnachtszeit. Das Christkindel steht für das Gute, es ist praktisch der Gegenspieler des von Trotha.
Schaukämpfe und Feuershows
Für die Macher der Weißenburger Weihnacht sind Spektakel und historische Rekonstruktionen wesentlich im Rahmenprogramm. Im Hof des Museums bietet der Verein „Historische Kriege“ (Association Guerres Historiques) an jedem Samstag bis Weihnachten von 11.30 bis 19.30 Uhr Geschichte zum Anfassen. 5000 Jahre elsässische Geschichte werden von den Vereinsmitgliedern rekonstruiert. Mit großem Aufwand wurden 19 Bekleidungen verschiedener Epochen angefertigt. Start ist am 29. November mit der Zeit von der Antike bis zum Mittelalter. Das Hochmittelalter mit den Karolingern und Ottonen sowie mit Wikingern wird am 6. Dezember inszeniert. Für den 13. Dezember ist allgemein das Mittelalter mit seinen Kunsthandwerkern als Thema vorgesehen. Als Abschluss gibt es am 20. Dezember alle unterschiedlichen elsässischen Bekleidungsstile aus den 5000 Jahre Geschichte zu sehen. Dazwischen werden immer wieder Kampfvorführungen geboten.
An den Adventssonntagen kommen die Weißenburger immer gegen 17 Uhr zu Hans Trapp und seiner feurigen Geschichte. In drei Episoden sollen die Geschehnisse aus der Zeit von 1485 bis 1503 erzählt werden. „Zwischen Realität und Fiktion“ werde sich das Schauspiel bewegen, das von der elsässischen Liedermacherin Isabelle Grussenmeyer in drei Sprachen aufgeführt werden soll: Französisch, Deutsch und Elsässisch. Da es zu der Uhrzeit schon recht dunkel ist, kommen die Feuerkünstler der Compagnie Acroballes im Park des Museums bestens zur Geltung. Grussenmeyers Erzählungen werden von den Künstlern aus Bouxwiller mit einer aufwendigen Feuershow ergänzt.
Höhepunkt: Festumzug am vierten Advent
Sonderaktionen gibt es am 6. Dezember, wenn Saint Nicolas, also der Nikolaus, gegen 17 Uhr mit seinem echten Esel kommt, um die Kinder zu bescheren. Außerdem werden samstags und sonntags im Kulturzentrum „La Nef“ von 14 bis 18 Uhr alte Spiele aus Holz für jedes Alter geboten. Dort ist auch gut geheizt. Wer es luftiger mag, kann an allen geöffneten Tagen zu einer Kutschfahrt durch die Stadt aufbrechen. Start ist am Platz der Republik (Place de la République).
Absoluter Höhepunkt der Markttage ist der große Festumzug am Sonntag, 21. Dezember, bei dem die Stadt mit Touristen brechend voll sein wird. Hans Trapp eröffnet gegen 17 Uhr den Umzug mit seinen Banditen, Trommlern und Feuerspuckern. Das Christkindel folgt ihm als feenhafte Erscheinung mit hell erleuchtetem Wagen. Der Festzug startet in der Rue Stanislas und führt über den Place du Marché aux Choux bis zum Quai Anselmann. Zum Abschluss wird noch ein Feuerwerk serviert.
Zum Rahmenprogramm des Weihnachtsmarktes gehören auch Ausstellungen: In der früheren Abtei werden 200 Krippen ausgestellt, die aus Papier, Holz, Schokolade, Keramik oder Glas gefertigt wurden. Diese Ausstellung ist jeden Tag bis 2. Februar von 9 bis 18 Uhr zu sehen. Im Kulturzentrum „La Nef“ präsentieren sich vom 12. bis 14. Dezember, jeweils 10 bis 18 Uhr, Kunsthandwerker aus dem Himalaya mit Schwerpunkt auf Tibet und Nepal.
Info
Der Weihnachtsmarkt von Weißenburg ist vom 28. November bis 21. Dezember jeden Freitag von 17 bis 21 Uhr und samstags sowie sonntags von 11.30 bis 19.30 Uhr geöffnet.