Hornbach
Warum viele zum Tanken nach Hornbach kommen
Dieses Bild sorgte in den vergangenen Tagen in Hornbach für Aufsehen: Vor der einzigen Tankstelle vor Ort staute sich der Verkehr bis zur Zweibrücker Straße. Zeitweise war über das Osterwochenende sogar kein E10- und Super-Benzin mehr verfügbar. In den sozialen Medien verbreiteten sich daraufhin schnell Gerüchte, in Deutschland könnte es aufgrund der gegenwärtigen Energiekrise zu einem Engpass bei der Kraftstoffversorgung kommen und in Hornbach sei dieser womöglich bereits eingetreten. Tankstellenbetreiber Michael Backes weist diese Befürchtungen jedoch entschieden zurück.
Von einer generellen Spritknappheit könne keine Rede sein. Laut Backes hat die vorübergehende Nichtverfügbarkeit von Benzin vor allem mit den Osterfeiertagen zu tun gehabt. Aufgrund des gesetzlichen Fahrverbots für Lastwagen an Sonn- und Feiertagen sei eine geplante Kraftstofflieferung ausgefallen. Dadurch konnte die Tankstelle zeitweise nicht vollständig beliefert werden. Auch sei es schon mal vorgekommen, dass der Schiffsverkehr bei Niedrigwasser im Rhein eingestellt wurde und somit einen Lieferengpass zur Folge hatte. Backes: „Auch in normalen Zeiten ist die Belieferung mit Kraftstoff stets eine logistische Mammutaufgabe.“
Darum ist das Benzin in Hornbach günstiger
Ein weiterer Grund für das hohe Kundenaufkommen in Hornbach sei der vergleichsweise günstige Kraftstoffpreis. Backes betreibt die Station als freie Tankstelle unter der Marke ED (Erich Doetsch Mineralölhandels KG). Das in dritter Generation geführte Familienunternehmen mit Hauptsitz in Andernach verfüge über eine schlanke Verwaltungsstruktur und über eine straffe Unternehmensorganisation, was zu geringeren Betriebskosten führe. Als regionaler Händler profitiere ED zudem von kurzen Transportwegen zu seinem Tankstellennetz. Ein weiterer Vorteil für die Kunden bestehe darin, dass das Familienunternehmen bewusst auf kostenintensive Werbung, Motorsport-Sponsoring und umfangreiche Kundenbindungsprogramme verzichte. Diese Einsparungen könnten so direkt an die Kunden weitergegeben werden. „Auch schon vor der Energiekrise waren wir fast immer die günstigste Tankstelle“, erklärt Michael Backes. In der Vergangenheit seien beim Diesel Preisunterschiede von bis zu 28 Cent im Vergleich zu regionalen Mitbewerbern zu beobachten gewesen. Daher sei es kaum verwunderlich, dass viele Autofahrer aus Richtung Zweibrücken nach Hornbach zum Tanken kommen. „Aktuell sind es mehr als sonst, allerdings kommen weniger Kunden aus Frankreich – dort ist der Kraftstoff momentan etwas günstiger.“
Rund 500 Betankungen verzeichnet die Hornbacher Tankstelle durchschnittlich pro Tag. Viele Kunden nutzten Smartphone-Apps und Vergleichsdienste, sagt Backes. „Das spielt definitiv eine Rolle, denn wenige Minuten nach einer Preissenkung ist hier richtig viel los.“ Kritisch sieht der Tankstellenbetreiber die von der Bundesregierung eingeführte sogenannte Spritpreisbremse. „Das ist reine Augenwischerei“, sagt Backes. Kuriose Szenen habe er an den Zapfsäulen dennoch erlebt, insbesondere zur Mittagszeit. So habe eine Kundin kurz vor einer Preiserhöhung um 12 Uhr neben der Tankfüllung ihres Autos noch mehrere Benzinkanister befüllt. Währenddessen sei der Preis gestiegen, woraufhin der nächste Kunde in der Schlange, der bereits fast eine halbe Stunde gewartet habe, verärgert weggefahren sei, ohne zu tanken.