Weißenburg
Warum immer weniger Frauen in Weißenburg entbinden
Frauen, die in der Südwestpfalz ein Kind erwarten, gehen in Krankenhäuser in Pirmasens, Zweibrücken oder über die Grenze nach Weißenburg. Seit zwei Jahren ist die Entbindung im Elsass problemlos möglich, könnte aber schon bald wieder enden. Mit Stefan Ackermann arbeitet dort ein Deutscher als Chef der Geburtshilfeabteilung.
Das Weißenburger Krankenhaus wurde 1973 in dem Neubau am Ortseingang aus Richtung Dahn gebaut und hat 105 Betten im reinen Krankenhaus-Teil. Dazu kommen eine Rehaklinik und ein Seniorenheim. Bis zum 12. Juli 2023 waren Geburten für Frauen aus der deutschen Grenzregion nur im Notfall möglich – wobei der Begriff sehr kulant definiert wurde. Bis zur offiziellen Freigabe der Geburtshilfe auch für deutsche Frauen waren viele bürokratische Hürden zu überwinden. Die deutschen Krankenkassen waren dabei noch das kleinere Problem. Die Genehmigung der französischen Gesundheitsbehörde Agence régionale de Santé (ARS) war da schon schwieriger zu bekommen. Schließlich ist dies aber auch gelungen.
Noch 300 Entbindungen pro Jahr
Bis zur offiziellen Freigabe seien es rund 30 deutsche Frauen pro Jahr gewesen, die in Weißenburg entbunden hatten, erläuterte Ackermann. Das sind nun nach der Freigabe jedoch weniger geworden. 15 bis 25 Geburten seien es pro Jahr von deutschen Frauen, teilt Ackermann nun mit. Die Ursache liege ganz einfach in der generell sinkenden Geburtenzahl. „Die sinkt rasant“, beklagt der Gynäkologe. Viele Frauen bekämen erst mit mehr als 30 Jahren ihr erstes Kind. Und mit der schon länger sinkenden Geburtenzahl fehle es zunehmend an jungen Frauen.
In der ganzen Klinik in Weißenburg seien früher rund 600 Geburten betreut worden. Heute seien es weniger als 300, sagt Ackermann. Die Patientinnen seien von der Klinik angetan. Viele kämen gerne auch zur Entbindung des zweiten und dritten Kindes wieder. „Unsere Eins-zu-eins-Betreuung kommt gut an“, nennt Ackermann einen Grund. Das gelte alles auch für die deutschen Patientinnen, zumal die Kooperation mit den Gynäkologen auf deutscher Seite gut funktioniere. Die Sprache sei kein Problem.
Keine Sprachbarriere – auch nicht beim Anruf
Tatsächlich wird jeder Anrufer zuerst gefragt, ob er auf Deutsch oder Französisch weitersprechen wolle. Das Staatsbürgerschaftsrecht sei auch vereinfacht worden. Früher galt jeder, der auf französischem Boden zur Welt kommt, automatisch als Franzose. Heute gilt dies nicht mehr. Und woher kommen die Frauen vorrangig, die aus Deutschland nach Weißenburg gehen? Aus der Südwestpfalz direkt kämen von den deutschen Patientinnen die wenigsten, berichtet Ackermann. Die meisten stammten aus dem Raum Bad Bergzabern.
Ein großes Problem für die Geburtshilfe in Weißenburg sei der aber inzwischen der Ärztemangel. „Wir haben eine Stelle frei“, wirbt Ackermann um Kollegen. Derzeit seien noch zwei Ärzte im Dienst, was auf Dauer zu wenig sei. Wegen der unbesetzten Stelle und der rückläufigen Geburtenzahl rechnet Ackermann sogar mit der Schließung der Geburtshilfe, was vielleicht schon im kommenden Jahr der Fall sein könnte. „Es fehlt einfach an jungen Frauen und jungen Ärzten“, so Ackermann.