Südwestpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Warum es dem Wanderfalken in der Südwestpfalz nicht gut geht

Der Kastellfels zwischen Schönau und Rumbach bietet einen guten Einblick an die Bruthöhle, die an dem weißen Schmelz (dem Kot) z
Der Kastellfels zwischen Schönau und Rumbach bietet einen guten Einblick an die Bruthöhle, die an dem weißen Schmelz (dem Kot) zu erkennen ist. Hier brütete der Wanderfalke 2021 und ein Jungvogel wurde großgezogen.

Während es dem Kolkraben richtig gut zu gehen scheint, ist der Wanderfalke in der Südwestpfalz weiter auf dem Rückzug. Immer häufiger geben Falkenpaare ihre Brut auf.

Gerade mal elf Wanderfalken wurden im vergangenen Jahr in der Südwestpfalz und Südpfalz ausgebrütet und erfolgreich bis zum Ausflug gebracht. Das vermeldet der Arbeitskreis Wanderfalkenschutz in seinem Jahresbericht. Im Vorjahr waren es 13 Jungvögel – in richtig guten Jahren bis zu 50, in normalen Jahren rund 30. Seit der Uhu in der Region immer häufiger brütet, war bereits ein Rückgang zu verzeichnen. Der Uhu vergreift sich gerne an Wanderfalkenküken. Seit dem vergangenen Jahr wird noch ein weiterer Fressfeind häufiger an den Felsen beobachtet: der Waschbär.

Ein Wanderfalke.
Ein Wanderfalke.

An der Freischbachwand bei Wilgartswiesen hat der Waschbär ein verlassenes Kolkrabennest als Schlafplatz bezogen und auch am Schönauer Hirtsfels bei Hirschthal wurde er nachgewiesen. In einem Steinbruch bei Lambrecht, der als sicherer Wanderfalkenbrutplatz galt, wurden mit einer Wildkamera neben dem Uhu noch Marder und Waschbären dokumentiert. Das ist dem Falken zu viel, er will dort nicht mehr brüten. Der Waschbär ist dabei nicht nur ein Problem für Wanderfalken und Kolkraben. Der Kleinbär frisst auch Uhu-Jungvögel.

Parasiten und Uhus

Wie in jedem Jahr waren 2025 wieder 50 ehrenamtliche Helfer für den Arbeitskreis Wanderfalkenschutz an den Felsen der Region im Einsatz, um die Tiere zu beobachten und vor Störungen zu bewahren. Dabei wurde beispielsweise am Dingentalturm bei Rinnthal ein erfolgreicher Brutversuch beobachtet. Später lag jedoch das Falkenweibchen tot neben zwei seiner Jungvögel. In Zusammenarbeit mit einem Kletterer wurden die Tiere geborgen und zur Untersuchung geschickt, um eine Vergiftungsaktion ausschließen zu können. Das Weibchen scheint von Parasiten getötet worden zu sein. Der Terzel, der männliche Falke, schaffte es alleine nicht, die Jungvögel durchzubringen.

Über Reste gerupfter Falkenjungen konnte am Krappenfels bei Eußerthal und am Lämmerfels bei Dahn der Uhu als Täter identifiziert werden. Am Lämmerfels war ein Pärchen, vielleicht wegen der Nähe zum Uhu, besonders diskret bei der Aufzucht seiner drei Jungvögel. So diskret zumindest, dass es die Falkenschützer beinahe nicht bemerkt hätten. Der Uhu holte sich die drei Kleinen dennoch. Ein weiterer Verlust durch einen Fressfeind wurde von der Rotzollwand bei Hilst vermeldet. Der Täter ist in diesem Fall unklar.

Gutes Jahr für den Kolkraben

Laut Hans Schächl vom Arbeitskreis Wanderfalkenschutz gibt es in der Region ein weiteres Problem: viele Falkenpaare sind sehr jung. Diese könnten teilweise noch nicht geschlechtsreif sein oder zu ungeübt bei der Paarung und im Umgang mit den Eiern, was ebenfalls ein Grund für den Abbruch einer Brut gewesen sein könnte. Insgesamt vermeldet der Arbeitskreis den Abbruch an zehn Felsen. Erfolgreich waren die Falken nur am Asselstein bei Annweiler mit drei Jungvögeln, Burghaldefels bei Hauenstein mit drei Jungvögeln und Rappenwand bei Erfweiler ebenfalls mit drei Jungvögeln. Am Ruppertstein bei Ruppertsweiler konnten 2025 zwei Jungvögel erfolgreich großgezogen werden. Auch die Vogelgrippe könnte 2024 für die Dezimierung der Falkenpopulation gesorgt haben.

Ein gutes Jahr war es hingegen für den Kolkraben. Der große Rabenvogel schaffte es, seine Population 2025 um 28 Jungvögel zu erweitern. An sechs Felsen musste aber auch der Kolkrabe seine Brut aufgeben. Die erfolgreichsten Pärchen brüteten mit je vier Jungvögeln am Pfaffenfels bei Schönau und Rödelstein bei Vorderweidenthal. 2024 waren es 17 Jungvögel, die von Kolkraben in der Region großgezogen wurden.

Der Uhu blieb mit sechs Jungvögeln in der Region weniger erfolgreich als 2024, als noch zehn Jungvögel durchgebracht werden konnten. Er hat nur in einem Fall seine Brut abgebrochen. Erfolgreich waren die Uhus am Kapellenfels bei Schindhard, Münzfels bei Leinsweiler, Backelstein bei Hauenstein sowie am Lebersteine bei Waldhambach.

Seminar

Der Arbeitskreis Wanderfalkenschutz bietet ein Seminar für Bewacher von Brutfelsen vom 27. bis 29. März in Dahn an. Anmeldungen und weitere Infos unter info@wanderfalkenschutz-rlp.de.

Info

Ab dem 1. Februar werden voraussichtlich folgende Felsen für Kletterer und Wanderer gesperrt:
Asselstein (Südseite und Gipfel), Annweiler
Backelstein (rechter Bereich), Hauenstein
Bavaria (Südseite und Gipfel), Wilgartswiesen
Bruchweiler Geierstein, Bruchweiler
Buchholzfels, Sarnstall
Buhlsteinpfeiler, Busenberg
Bundenthaler Turm, Bundenthal
Burghaldefels (Ostseite, Haupt- und Südgipfel), Hauenstein
Dingentalturm, Rinnthal
Dimbergpfeiler, Gossersweiler-Stein
Drei Felsen, Rinnthal
Dürrensteine, Reinighof
Has (Münzfels), Annweiler
Haselstein, Darstein
Hundsfels, Waldhambach
Kapellenfels (rechter Wandbereich), Schindhard
Kastellfels, Rumbach
Kippkopf-Nordmassiv, Leimen
Krähenstein, Petersbächel
Krappenfelsen, Eußerthal
Kumbtfelsgrat, Erfweiler
Lämmerfelsen (Bockturm), Dahn
Lattenteichfelsen, Glashütte
Lebersteine, Waldhambach
Luger Friedrich (Südwand), Lug
Pfaffenfels, Schönau
Pferchfeldmassiv (Massiv ohne Turm), Schindhard
Rabensteine (Falk), Dahn
Rappenfels, Lauterschwan
Rappenwand, Erfweiler
Retschel (Nordwand), Bruchweiler-Bärenbach
Rödelstein (Nordwand und Gipfel), Vorderweidenthal
Rotzollwand, Eppenbrunn
Ruppertstein, Ruppertsweiler
Schönauer Hirtsfels, Hirschthal
Steiner Nadel, Stein
Stephanstürme, Hauenstein
Wöllmersberg, Bruchweiler-Bärenbach
Steinbruch Frankenstein
Steinbruch Haardt
Steinbruch Hardenburg
Steinbruch Lambrecht
Steinbruch Rockenhausen
Steinbruch Stenzelberg, Neustadt
Steinbruch Waldhambach
Steinbruch Weidenthal
Burg Spangenberg (ab 1. Januar), Erfenstein

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