Waldfischbach-Burgalben
Warum „Eine Stunde Zeit“ für die Menschen in Waldfischbach-Burgalben viel bewirken kann
„Neue Nachbarschaften – engagiert zusammen leben“ heißt eine Initiative des Landes, die es seit 2015 gibt. Bei einer in diesem Zusammenhang stattfindenden Tagung lernte Waldfischbach-Burgalbens Ortsbeigeordnete Justyna vom Hagen (BWB) das Projekt „Eine Stunde Zeit“ kennen, das Bewohner der Ortsgemeinde Winnweiler (Donnersbergkreis) ehrenamtlich umsetzen. „Eine sehr erfolgreiche Bürgerinitiative“, erläutert vom Hagen, die mit der Idee in den Ausschuss für Jugend, Familien und Senioren ging. Die Mitglieder waren gleichfalls begeistert, „auch weil es ein sehr einfach gehaltenes Konzept, ein niedrigschwelliges Angebot ist“, skizziert vom Hagen die Vorteile. So wurden Kontakte nach Winnweiler geknüpft – von dort gab es Erfahrungswerte und das Angebot der Verantwortlichen, eine solche Initiative mit Know-how zu unterstützen, sollte sie auf Waldfischbach-Burgalben übertragen werden.
„Wir möchten das Projekt gerne starten“, sagt vom Hagen. Mit Beate Grünewald hat sich bereits eine Ehrenamtliche gefunden, die das Projekt federführend koordinieren würde. Die Initiatoren stellen sich vor, dass ein Bürger einem Mitbürger, der seine Hilfe braucht, eine Stunde Zeit schenkt. Eine Stunde tue schließlich niemandem weh. Wobei das mit der Stunde nicht zwingend wörtlich zu nehmen sei. Es gehe vielmehr darum – so wie es auch die Landesinitiative vorsieht – die Nachbarschaft, das Miteinanderleben zu stärken. Zum Beispiel durch gemeinsames Lesen, Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, Unterstützung beim Einkauf, gemeinsame Spaziergänge, Einsatz für die Umwelt, Hausaufgabenhilfe und anderes mehr. „Vieles ist denkbar“, sagt Justyna vom Hagen. Das entwickele sich ohnehin im Verlauf des Projekts. In Winnweiler öffne beispielsweise einer der Mitstreiter seine Garage und helfe bei Fahrradreparaturen.
Keine Konkurrenz zu Unternehmen und bestehenden Angeboten
Wichtig sei, dass es sich um freiwilliges und unentgeltliches Engagement handele. Unternehmen dürfe mit dem Angebot keine Konkurrenz gemacht werden. Gleiches gelte für den ebenfalls ehrenamtlich getragenen Bürgerbus der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben. Auch dieser sei ein gutes Beispiel für ein gelungenes Projekt, bei dem die Helfer ihren Mitmenschen Zeit schenkten.
Ferner wollen vom Hagen und Co. auf diesem Weg Menschen in ihrer Gemeinde erreichen, die alleine und einsam sind, die sich bislang nicht durch vorhandene Angebote wie das Seniorencafé aktivieren ließen. Sie sollen wieder stärker in das gesellschaftliche Leben zurückgeholt werden. Dabei helfe möglicherweise die Ansprache über ein Projekt wie „Eine Stunde Zeit“, das eine Ergänzung zu den bereits bestehenden Aktivitäten darstellen soll – „eine Nachbarschaftshilfe, die die Lebensqualität der Menschen erhöht“, wie vom Hagen bei der Vorstellung im Gemeinderat sagte.
Versicherung und eigenes Mobiltelefon für Helfer
Weiterhin sei von Bedeutung, dass die Initiative zwar ehrenamtlich getragen werde, aber dennoch an die Gemeinde angedockt sei. Denn nur die zentrale Koordination bringe Menschen zusammen, die einerseits helfen, andererseits Hilfe brauchen. Eigens für diese Steuerung werde ein Mobiltelefon angeschafft. Zudem schließt die Ortsgemeinde eine Versicherung zum Schutz der Ehrenamtlichen ab. Den Investitionen – etwa 600 Euro jährlich für die Versicherung und einmalig 200 Euro für das Mobilgerät – stimmte der Rat zu. Beides unter der Voraussetzung, dass der Nachtragshaushalt genehmigt wird. Angesichts der Vorgabe zu sparen und den Haushalt zu konsolidieren, könne das durchaus herausfordernd sein, gab Ortsbürgermeister Michael Oestreicher zu bedenken.
Die Gruppe um vom Hagen geht davon aus, dass die notwendigen Investitionen für den Projektstart genehmigt werden – auch deshalb, weil das Vorhaben bei der Landesinitiative „Neue Nachbarschaften“ angesiedelt sein soll. Von deren Erfahrungen wolle man profitieren und bekomme zudem aufgezeigt, wie die Realisierung von Ideen gefördert werden kann. Zusätzliche Kosten seien dann nicht zu erwarten.