Bitsch RHEINPFALZ Plus Artikel Warum auch viele Südwestpfälzer in Bitsch golfen

Eine der spannendsten Stellen des Golfplatzes für Direktor Aurélien Koessler.
Eine der spannendsten Stellen des Golfplatzes für Direktor Aurélien Koessler.

Eine der Attraktionen von Bitsch ist der Golfplatz. Viele Südwestpfälzer sind Mitglied. Mit Footgolf will der Betreiber neue Spieler auf das Grün locken.

Der Golfplatz gehört der Stadt Bitsch, die auch Betreiber ist. 300 Mitglieder zählt der Golfclub und hat neben dem üblichen 18-Loch-Parcours noch eine Strecke mit neun Löchern für die Anfänger und älteren Spieler. Immerhin muss für die 18 Loch eine Distanz von fast sieben Kilometern gelaufen werden.

Die Hälfte der Mitglieder seien Deutsche, erzählt Direktor Aurélien Koessler, der selbst Golf spielt und einer der wenigen jüngeren Mitglieder des Clubs ist. Die meisten seien über 60 Jahre alt, sagt Koessler. Der Verein versuche, mehr jüngere Mitglieder zu gewinnen, weshalb auch Footgolf-Wettbewerbe ins Programm aufgenommen wurden. Dabei wird der Ball nicht mit dem Schläger, sondern mit dem Fuß in ein separat vom Grün, der Golfer sagt Green, aufgestelltes Loch zu treten. Gespielt wird mit normalen Fußbällen. Zum Test war der Profi-Fußball-Club Racing Strasbourg schon in Bitsch.

Auch bei Dauerregen bespielbar

Wer den Golfplatz betritt, ist zunächst von der absoluten Ruhe überrascht. Keine Musik, kein Verkehrslärm, nur Vogelgezwitscher ist zu hören. Die Anlage ist auch im Winter immer gepflegt. Selbst bei leichtem Nieselregen starten Golfer ihre Tour über den Platz. Beim Pressebesuch waren gerade Paare aus der Südwestpfalz am Spielen. Gespielt werden könne das ganze Jahr, außer wenn die Wege vereist seien, sagt Koessler und schwärmt von dem für Golf idealen Boden, der mit seiner sandigen Struktur selbst bei Dauerregen noch bespielbar bleibe. Andere Plätze mit lehmigen Böden hätten da mit Pfützen und Schlamm zu kämpfen.

Der Bitscher Platz sei einer der größten in der Region Grand Est, die von Reims bis Mulhouse reicht. In weiten Teilen ist der Platz recht flach, jedoch auch mit einer abschüssigen sowie anschließend ansteigenden Strecke versehen. Jeden Tag werde gemäht, versichert Koessler. Immerhin müssen gerade die Greens – die Bereiche, auf denen das Loch für den Ball ist – immer ganz saftiges und nur wenige Millimeter langes Gras haben. Für die Bewässerung sind laut Koessler Sensoren in den Böden, die mitteilen, wo Wasser gebraucht wird und wo es zu viel würde. Dementsprechend würden die Rasensprenger gesteuert. Rund 50.000 Kubikmeter Wasser verbrauche der 18-Loch-Parcours im Jahr. Das ist viel. Koessler verweist jedoch auf die Lecks in vielen kommunalen Wasserleitungen, in denen weit mehr Wasser pro Jahr verloren gehe.

Nur der Direktor spricht kein Deutsch

Vor dem Golfplatz waren die 70 Hektar Felder und Weiden. Die Stadt Bitsch hat den Platz mit Blumenbeeten und geschickt angepflanzten Bäumen strukturiert. Mehrere Teiche finden sich auf dem Gelände. Der Platz genüge professionellen Ansprüchen. Mehrmals im Jahr träfen sich ambitionierte Golfspieler für Wettbewerbe. In diesem Jahr finde in Bitsch wieder ein Wettbewerb auf der Ebene der Region Grand Est im Rahmen des französischen Golfbundes statt, freut sich der Direktor.

15 Mitarbeiter sind auf dem Platz und im Restaurant beschäftigt; alle zweisprachig, mit Ausnahme des Direktors. Immerhin kommen sehr viele deutsche Spieler und die stammen nicht nur aus der direkt angrenzenden Südwestpfalz sondern auch aus dem Badischen und Saarland. Die sind nicht unbedingt Mitglied im Bitscher Club. Mitglieder befreundeter Clubs wie dem Hitscherhof, Waldfischbach-Burgalben oder Ramstein erhalten ebenso Vergünstigungen wie Mitglieder baden-württembergischer Vereine. Für die Übernachtung der Spieler kooperiert der Golfclub mit Hotels der Südwestpfalz wie dem Winzler Hotel Kunz, dem Hornbacher Klosterhotel oder der Zweibrücker Fasanerie. Ein eigenes Hotel betreibt der Club auf dem Platz nicht, nur ein Restaurant mit 150 Sitzplätzen.

Wegen Promitod in den Schlagzeilen

Auch wenn der Bitscher Golfclub auf eine Aufnahmegebühr wie beispielsweise der Straßburger Club verzichtet, ist das Golfspielen kein günstiges Hobby. Für ein Spiel unter der Woche sind in der Hauptsaison 75 Euro fällig, am Wochenende 85 Euro. Das Jahresabo kommt auf 1845 Euro für die über 40-jährigen Spieler. Wer jünger ist, zahlt weniger. Die Altersgruppe der 21- bis 25-Jährigen kommt auf 545 Euro im Jahr.

Bei der Rundfahrt über den Platz im elektrisch betriebenen Golfkart fallen die kleinen Holzhäuschen auf, die als Trocken-WC für Bedürfnisse der Spieler beim Spiel dienen. Wie im Bitscherland üblich, finden sich natürlich auch auf dem Golfplatz Flächen, in denen frühere Bunker der Maginotlinie vergraben sind. Der ganze Platz ist mit einem Elektrozaun gegen Wildschweine gesichert, die den Greens in einer Nacht den Garaus machen könnten. Gelegentlich gelingt es trotzdem einem Tier, auf den Platz zu kommen, das sei aber sehr selten, versichert Koessler und verweist auf andere Plätze, die da größere Probleme mit Wild hätten. Eine größere Gefahr seien Pilzkrankheiten, die das saftige Grün schnell in eine braune Fläche verwandeln könnten. Auf dem Bitscher Golfplatz würden deshalb diverse Fungizide eingesetzt, die den Rasen vor Krankheiten schützen.

Prominente Mitglieder habe der Verein auch. Wegen deren Privatsphäre will Koessler aber keine Namen verraten. Nur einen: Heinrich Schiffer, der Vater des Models Claudia Schiffer habe immer gerne auf dem Bitscher Golfplatz gespielt. 2007 ist er auf dem Platz einem Herzinfarkt erlegen, was damals bundesweit durch die Presse ging.

Das Restaurant vom Bitscher Golfplatz hat 150 Sitzplätze. Die Terrasse bietet Blick auf den Golfplatz.
Das Restaurant vom Bitscher Golfplatz hat 150 Sitzplätze. Die Terrasse bietet Blick auf den Golfplatz.
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