Kreis Südwestpfalz Viel Holz, kein Wein, kein Hugo
Die Wanderhütte „Fritz Claus“ zwischen Martinshöhe und Bruchmühlbach wurde Ende der 90er Jahre als massives Blockhaus erbaut. Pächterin Miranda Jühnichen und ihr Team laden dort nicht nur Wanderer zur Rast ein, sondern auch Gesellschaften zum Feiern und Gruppen zum Tagen. Auf Hüttenflair legt die Wirtin großen Wert.
Sucht man in der Westpfalz die Fritz-Claus-Hütte, so wird man dreimal fündig: in Brücken, Münchweiler und Martinshöhe. „Manchmal liegt sie auch in Bruchmühlbach“, sagt Jühnichen. Die Hütte steht genau auf der Grenze zwischen den beiden Orten. „Im Herzen gehört sie eher zu Martinshöhe, schon wegen des Pfälzerwald-Vereins (PWV) und Fritz Claus“, fährt sie fort. Die Ortsgruppe Martinshöhe des PWV ist Erbauer und Eigentümer. Jedes Jahr feiert sie am Vatertag dort ihr Waldfest. Fritz Claus sei in Martinshöhe unter dem Namen Johann Martin Jäger im Geburtsregister eingetragen, so Jühnichen. Der „Sänger des Pfälzerwaldes“, Mundartdichter und Pfarrer in Zweibrücken, habe den PWV mitgegründet. Daher der gleiche Name für die drei PWV-Hütten. Zur Unterscheidung wird die Martinshöher Hütte auch „Blockhaus Martinshöhe“ genannt. Jühnichen ist seit April 2012 in der nach kanadischem Muster mit dicken Baumstämmen erbauten Hütte aktiv. „Als Teenager hatte ich schon den Wunsch, in die Gastronomie zu gehen“, erzählt die Quereinsteigerin. „Ohne die Unterstützung meines Mannes, der Küchenleiter auf Schernau ist, wäre das nicht möglich gewesen.“ Montag und Dienstag sind zwar Ruhetage, aber sie hat dennoch genug zu tun. Am Wochenanfang schreibt sie den Speiseplan, den sie ins Internet setzt. Am Dienstag kauft sie ein. Am Mittwoch geht’s dann richtig los. „Das ist der typische Wandertag. Donnerstag und Freitag sind eher lahm“, sagt die Wirtin. Wochentags helfen ihr zwei Mitarbeiterinnen, sonntags vier und ein Mann. Eine der Helferinnen ist Monika Schilk, eine passionierte Freizeitreiterin. Für Pferde gäbe es einen Pferde-Parkplatz, sagt sie. Mit einem stabilen Balken zum Festbinden. „Scheut ein Roß, keine Panik. Der Baum hält“, weiß Schilk. Für Hunde gibt es einen Wandereimer. Das sei ein Eimer mit Wasser, der dorthin wandert, wo sich die Hunde gerade aufhalten. „Jeder Hund bekommt ein Leckerli.“ Manche Leute könnten mit dem Begriff „Hüttenflair“ nur wenig anfangen. Die Enttäuschung, wenn sie keine Weinkarte bekämen, könne man direkt sehen. „Wir haben auch kein Cola mit Eiswürfeln und Zitronenscheiben. Geschweige denn Schickeria-Getränke wie Hugo“, stellt Jühnichen klar. Die meisten Besucher haben Hunger und Durst. Sie wollen einfach satt werden und etwas trinken. Und das darf nicht die Welt kosten. Jeden dritten Mittwoch im Monat lädt Jühnichen zum Seniorennachmittag mit Live-Musik ein. Ab und zu greifen Wanderer auch spontan zu Gitarre oder Akkordeon. Gelegentlich kommt Hans Abel aus St. Ingbert mit einer Wandergruppe vorbei. Dann werden schöne Wanderlieder gesungen. „Bei uns herrscht keine Kneipenatmosphäre“, betont die Wirtin. Sie habe nichts gegen die „Kerle mit einer Flasche Schnaps in der Jacke“. Da man aber mit Alkohol im Blut nicht allzu weit laufen kann, fehlen die Gröhler. Positiv habe sich die Eröffnung des Prädikatswegs „Sagenhafter Waldpfad“ Ende August ausgewirkt. Auch „Schlapphutweg“ und „Jakobsweg“ führen an der Hütte vorbei. Manchmal übernachten auch Jakobswanderer. Die meisten Übernachtungen buchen jedoch Gruppen, deren Mitglieder sich kennen. „Man möchte gemeinsam einen schönen Abend oder ein schönes Wochenende verbringen“, sagt die Wirtin. Wie kürzlich die fünf Geschwister aus Kusel. 13 Betten in drei Mehrbettzimmern, zwei Duschen, eine Küche für Selbstversorger und einen Aufenthaltsraum befinden sich in der Hütte. Die 53-Jährige: „Die Zimmer werden aber nicht oft in Anspruch genommen.“ In der Hütte sind 110 Sitzplätze, außen 50. Parkplätze gibt es genug. Abgeschirmt lässt sich auch gut tagen. Jühnichen: „Unser Tagungsraum ist mit Flipchart, Beamer und Leinwand ausgerüstet.“ Für gemütliche Grillabende gibt es eine kleine Grillhütte, für Kinder einen Spielplatz. Was Jühnichen ärgert, sind Diebe: „Es gibt Leute, die können alles gebrauchen. Seien es Handtücher oder die Weihnachtsdekoration.“ Kaum war die Außenanlage neu angelegt, wurden die Blumen gestohlen. „Traurig hat uns gestimmt, dass von den 16 großen Kakteen 14 kaputt geschlagen wurden“, sagt Schilk. Auch mit der Kontrollbehörde sei es nicht einfach. So habe sie einmal beanstandet, dass eine Raupe auf einem Tisch außerhalb der Hütte in Nähe des Suppentellers krabbelte. Doch zu einem Wald gehörten nun einmal Schmetterlinge in allen Stadien. 2014 haben ein Dompfaff und Waldameisen an der Hütte Nester gebaut. Es gibt auch Bienen und Fledermäuse, die in den Balken schlafen. Manche Kinder hätten gemeint, sie müssten unbedingt Eidechsen im angrenzenden Steinbruch fangen. „Nun laufen die Tiere ohne Schwanz herum“, so Jühnichen, „dem Nachwuchs ist die Natur fremd.“ Info Internet: www.fritz-claus-huette.de Telefon 06372/994383, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr