Weissenburg
„Twingo-Feschd“: Was beim etwas anderen Oldtimertreff geboten war
Auf die Idee zum „Twingo-Feschd“ war der Vorstand des Omnibus-Museums im Weißenburger Vorort Altenburg gekommen. Oldtimertreffs für sehr alte Autos gibt es viele, ebenso Feste für den 2CV – die Ente – oder den VW Käfer. Aber ein „Twingo-Feschd“ hat keiner. Das war laut Liliane Weber vom Vorstand des Museums die Überlegung hinter dem im vergangenen Jahr erstmals veranstalteten Fest. Mathias Bohl, der auch im Vereinsvorstand arbeitet und normalerweise an den alten Omnibussen rumschraubt, hat selbst keinen Twingo, nutzt aber gerne einen der drei Vereinstwingos. „Das ist ein Auto, dass viele in Frankreich gefahren sind“, erzählt Bohl und schwärmt von dem zuverlässigen Motor, der sehr einfachen Machart, die aber dennoch – oder gerade deshalb – so solide sei. Der Twingo sei in den 1990er Jahren als sehr preisgünstiges Auto konzipiert worden. Da sei an allen Ecken gespart worden, ohne auf Sicherheit zu verzichten. Der kleine Motor sei für heutige Verhältnisse gewöhnungsbedürftig. Die Abmessungen reichten aber selbst für große Menschen wie Bohl völlig aus. Vor allem auf den Rücksitzen sei eine gute Beinfreiheit möglich gewesen.
„Jeder kennt jemanden, der mal einen Twingo hatte oder immer noch fährt“, so Bohls Erfahrung, während am Samstag die ersten Twingos auf den Hof rollen. Familie Schmitt aus Saargemünd ist gleich mit zwei Twingos gekommen. Sohn Julien, 25 Jahre alt, schwört auf den Twingo und erzählt voller Begeisterung über seinen 20 Jahre alten Twingo, den er für weniger als 3000 Euro gekauft hatte und der mit 58.000 Kilometern auf dem Tacho immer noch einwandfrei laufe. Nur kleinere Reparaturen seien nötig. Ansonsten spare er mit seinem Twingo viel Geld. „Das ist das Auto meiner Kindheit. Ich wollte das gleiche Auto wie meine Eltern“, begründet Julien Schmitt die Entscheidung zu seinem Twingo.
Schlafen kann man auch drin
Mutter Valerie fährt bereits ihren dritten Twingo. Ihr Modell ist 19 Jahre alt und hat 132.000 Kilometer auf dem Tacho. „Ich liebe dieses Auto“, schwärmt die Mutter und nennt als einen Hauptgrund die große Zuverlässigkeit. Ihren Twingo habe sie in Deutschland gefunden. Dort seien mehr Modelle mit Faltdach zu kriegen als in Frankreich. Und mit Faltdach entfalte der Twingo erst richtig seine Fähigkeiten. „Da kann man drin schlafen“, meint Julien Schmitt, klappt die Vordersitze um und legt sich mit einem Freund gleich mal zum Probeliegen in das kleine Auto. Die Kleinsten sind die beiden nicht, passen aber gerade so rein. „Ich habe es schon probiert“, meint Julien Schmitt, der es aber nicht dauerhaft machen wollte. „Das ist eine Liebesgeschichte“, meint die Mutter, deren Mann mit Twingo-T-Shirt rumläuft und für einen anderen Twingo-Liebhaber die Motorhaube lüftet. Ein Fachgespräch über kleinere Probleme mit dem geliebten Blech auf vier Rädern folgt.
Kurze Zeit später rollt der wohl älteste Twingo mit belgischem Kennzeichen auf den Hof. Ein Ehepaar aus Belgien ist extra für das Twingo-Feschd angereist – mit ihrem 1994 gebauten Auto. Das Modell kam erst 1992 raus. Es muss also einer der ältesten noch fahrenden Twingos sein. Die Frau ist ebenso wie der Mann voll begeistert von dem Kleinwagen. Vor allem die Abmessungen seien in der Stadt perfekt, meint die Frau und gesteht: „Er ist sehr einfach zu parken. Besser als andere Autos.“
Nach dem ersten Treffen am Samstag folgte am Sonntagnachmittag die große gemeinsame Ausfahrt der rund 100 Fahrzeuge, die zu dem Treffen aus halb Europa angereist waren. Im kommenden Jahr soll das „Twingo-Feschd“ auf jeden Fall wiederholt werden, versichert Liliane Weber vom Vorstand des Museums.