Driwwe un Hiwwe RHEINPFALZ Plus Artikel Touristenbahn in Bitsch: Die Träume eines Eisenbahnfreundes

Sonny Sadler, Vorsitzender des Vereins Train Touristique Sarreguemines Bitche (T2SB) in einem der Personenwaggons aus dem Jahr 1
Sonny Sadler, Vorsitzender des Vereins Train Touristique Sarreguemines Bitche (T2SB) in einem der Personenwaggons aus dem Jahr 1932.

Ein rühriger Verein von Bahnfreunden arbeitet in Bitsch an der Vision einer Touristenbahn. Mit Draisinen fahren schon Ausflügler. Fünf historische Bahnwaggons und eine Diesellok sind inzwischen auch da. Und Politiker denken mittlerweile noch weiter.

Mit fünf Draisinen ist der Verein „Train Touristique Sarreguemines Bitche“, abgekürzt T2SB, vor wenigen Jahren gestartet. Inzwischen sind es elf Draisinen, die pro Fahrtag rund 200 Touristen auf der stillgelegten Bahnstrecke zwischen Bitsch und Mouterhouse befördern. Mit viel Arbeit wurde ganz neu die Strecke bis Lemberg/Moselle verlängert. „Wir mussten viele Bäume rausschneiden. Das waren 100 Ster Holz, die da auf den Gleisen lagen“, erzählt Président Sonny Sadler, der Vorsitzende von T2SB.

Über den vergangenen Winter habe rund ein dutzend der Mitglieder an der Strecke gearbeitet. Jetzt kann der Verein zwei Strecken anbieten. Die normale Variante mit einer einfachen Länge von 3,5 Kilometern bis Mouterhouse und die sportliche Version bis Lemberg mit einer Länge von acht Kilometern einfach und einer anspruchsvollen Steigung. „Das ist sehr sportiv“, meint Sadler lachend. Aber sehr schön sei der Streckenabschnitt mit vielen Felsen beiderseits der Gleise und ganz im Wald. „Das ist die schönste Strecke, einfach ein Erlebnis“, schwärmt der früher als Eisenbahner arbeitende Vereinschef.

Bundenthaler als Vorbild

1869 wurde der Bitscher Bahnhof erbaut. 150 Jahre später startete Sadlers Verein mit den Draisinen. Als Ziel hatte Sadler aber immer den Aufbau einer Touristenbahn mit Dampflok und historischen Waggons im Auge. Als Vorbild dient ihm der Bundenthaler von Hinterweidenthal nach Bundenthal. Oder die Waldeisenbahn von Abreschviller, die jedoch eine Schmalspurbahn ist und nur zehn Kilometer weit fährt. In Bitsch könnten reguläre Züge fahren. Seinem Ziel ist Sadler im Winter ein Stück näher gekommen. Fünf Waggons stehen seitdem im Bitscher Bahnhof. Aus dem Jahr 1932 stammen die Waggons und waren zuvor im Umland von Paris im Einsatz, bevor sie ausgemustert und eingemottet wurden. „Die stehen unter Denkmalschutz“, betont Sadler. Eine Kommission in Paris arbeite derzeit mit dem Verein an einem Plan zur Restaurierung. „Die sollen genau so wie damals wieder werden“, versichert er. Der französische Staat werde sich an der Restaurierung mit 50 Prozent beteiligen. Die Waggons sind noch komplett wie anno 1932 ausgestattet mit hübschen Lampen, Holzbänken und den Aufschriften von einst. Das Holz hat stellenweise gelitten und müsste ausgetauscht werden, der Lack blättert an einigen Stellen ab.

Mit den Waggons wäre der Verein schon fast am Ziel. Eine Diesellok zum Rangieren der Waggons hat der Verein auch noch aufgetrieben von einem anderen Verein. Sadler schwebt jedoch eine echte Dampflok vor. Die Waggons stammen von dem elsässischen Industriekonzern De Dietrich und wurden einst wohl in Niederbronn-les-Bains oder Lunéville hergestellt, wie Sadler recherchieren konnte. De Dietrich mit seiner Zentrale in Reichshoffen arbeite derzeit an der Beschaffung eines noch viel spektakuläreren Waggons. Der soll einst General Charles de Gaulle als Salonwagen gedient haben. Vielleicht käme der dann auch noch als Leihgabe nach Bitsch, wagt Sadler zu träumen.

Viel Unterstützung von Staat und EU

Viel Unterstützung erhält der Verein auch von staatlicher Seite. Aus EU-Mitteln flossen dieses Jahr 219.000 Euro für die Sanierung einer Lagerhalle am Bahnhof, die auch einen überdachten Stellplatz für die Lok bieten könnte und in der die Draisinen den Winter sicher überstehen würden. 222.000 Euro kostet die Sanierung insgesamt und ist fast schon fertig. In dem Betrag enthalten war auch die Sanierung eines Stücks Parkett in der Eingangshalle des Bahnhofsgebäudes. Das gehört offiziell immer noch der Staatsbahn SNCF, wurde aber dem Verein komplett und gratis überlassen. „Das war ein richtiger Dschungel hier. Alles zugewuchert“, beschreibt Sadler den Zustand. Und das Parkett sei ebenfalls sanierungsbedürftig gewesen. Der edle Bodenbelag wurde 1903 verlegt, um dem deutschen Kaiser bei seinem Besuch den passenden Boden zu bescheren.

Mittlerweile habe die Politik auch das Thema einer Revitalisierung der Bahnlinie entdeckt, erzählt Sadler. 2011 wurde die Bahnlinie für den Personenverkehr stillgelegt, nachdem es einen Erdrutsch auf der Strecke gab. Wenige Jahre lang fuhren noch Züge zum Militärcamp in Bitsch und transportierten Mannschaften sowie Gerät. Aber auch diese Züge sind längst eingestellt worden. Die Region Grand Est überlegt nun, die Strecke bis Niederbronn-les-Bains für den Bahnverkehr wieder zu öffnen. Leichte Triebwagen könnten hier problemlos fahren, schätzt Sadler. Bitsch wäre damit in einer Stunde und zehn Minuten per Bahn von Straßburg aus erreichbar, was sich für die ganze Region positiv auswirken könnte, glaubt der frühere Eisenbahner. Wann das passieren könnte, sei völlig offen. „Es wird aber mal wieder drüber geschwätzt. Das ist gut. Lange Zeit wollte kein Politiker davon was hören“, gibt sich Sadler hoffnungsvoll.

Das Bahnhofsgebäude aus dem 19. Jahrhundert wurde unter deutscher Besatzung erbaut, gehört der französischen Staatsbahn SNCF und
Das Bahnhofsgebäude aus dem 19. Jahrhundert wurde unter deutscher Besatzung erbaut, gehört der französischen Staatsbahn SNCF und wurde dem Verein gratis überlassen.
Der Verein besitzt inzwischen eine Diesellok und verwahrt historische Personenwaggons aus dem Jahr 1932, die restauriert werden
Der Verein besitzt inzwischen eine Diesellok und verwahrt historische Personenwaggons aus dem Jahr 1932, die restauriert werden müssen.
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