Lembach
Strickwolle statt Schlachter: Wie die Ferme Attali mit ihrer Schafzucht in die Erfolgsspur fand
Wer die Lembacher Ferme Attali besucht, wähnt sich in einer Art Paradies: 80 Schafe grasen auf einer idyllisch gelegenen Anhöhe, ein Pony spielt mit den Schafen, der Hütehund mischt mit, und ein 32 Jahre altes Pferd genießt sein Gnadenbrot – dazu Vogelgezwitscher und Bienengesumme. Das dürften auch die Gründe für Catherine Attali und ihren Mann Philippe Gross gewesen sein, die Schafzucht der Eltern zu übernehmen. Allerdings unter anderen Vorzeichen: Die Tiere kommen nur noch selten zum Schlachter, haben fast alle einen Namen und dienen lediglich noch einem Zweck: Die Wolle wird restlos verwertet.
Am Dorfrand von Lembach steht der große Stall, in dem die Eltern von Catherine Attali die Schafzucht mehr als 40 Jahren lang auf dem drei Hektar großen Gelände bei Lembach betrieben haben. Auf den höher gelegenen Wiesen stehen Obstbäume mit Äpfeln, Mirabellen, Birnen und Aprikosen. Früher kamen die meisten Tiere zum Schlachter: Attalis Vater nutzte die Tiere zur Fleischproduktion. Die Wolle ging an einen Großhändler – bis der vor 15 Jahren einfach nicht mehr gekommen sei. Und zuvor habe er auch nur noch einen lächerlichen Betrag für die Abnahme der Rohwolle zahlen wollen, erzählt Philippe Gross. Andere Schafhalter in der Region werfen ihre Wolle weg, müssten teilweise Entsorgungsgebühren dafür bezahlen.
Weiterverarbeitung der Wolle in eigener Regie
Als das Paar vor zehn Jahren die Schafzucht übernahm, entschied es sich für einen neuen Weg: Catherine Attali begann, eine eigene Weiterverarbeitung der Wolle aufzubauen. 150 Kilogramm Rohwolle produzieren die Tiere der Ferme Attali – aktuell sind das rund 80 Schafe der Rassen Scottish Blackface und Texel. Die Herde besteht aus lauter weiblichen Tieren und nur einem Bock, der sich um alle Schafe zu kümmern hat. Im vergangenen Jahr seien es noch 112 Tiere gewesen. Dann habe die Blauzungenkrankheit zugeschlagen, die vielen Schafen das Leben kostete.
Nur einmal im Jahr – immer im Mai – ist der Tag der Schur. Attali und Gross sortieren die Rohwolle vor. Von dieser kommen 30 Prozent in den Gemüseanbau der Familie als Bodenverbesserer, der Feuchtigkeit im Boden halte und gleichzeitig dünge, erklärt Catherine Attali. Der Rest werde in eine spezielle Wäscherei und anschließend zu einer Spinnerei gebracht, die Wolle verarbeite. Dafür muss Attali bis ins Limousin im Zentrum Frankreichs fahren. Dort existiere noch eine sehr alte Firma, die Wolle zu Fäden spinnt und häkelbare Wolle produziert. Die komme anschließend wieder zurück zur Ferme Attali, wo sie verkauft wird. Darauf legt Catherine Attali großen Wert: Nur gesunde Schafe lieferten auch gute Wolle.
Goldmedaille beim Landwirtschaftswettbewerb
Das scheint beim Betrieb des Paares der Fall zu sein: Jedenfalls hat ihre als Bio zertifizierte Wolle 2020 in Paris beim allgemeinen Landwirtschaftswettbewerb eine Goldmedaille gewonnen. Außerdem ist der Hof als praktizierender agro-ökologischer Betrieb zertifiziert. Aus 2,5 Kilogramm Rohwolle lassen sich laut Attali rund 800 Gramm zum Verkauf geeignete Wolle machen. Ein großer Teil des Gewichts gehe beim Waschen verloren, da Schafwolle zu 40 Prozent aus Fett bestehe. Seit drei Jahren lässt die Familie einen Teil der Wolle noch färben. Dazu werden Pflanzenfarben verwendet, die teilweise direkt vor Ort in Lembach wachsen, betont Catherine Attali. Weißdorn sorgt für einen gelben Farbton. Aus Goldrute lasse sich eine rötlich-braune Wolle machen, und der gemeine Odermennig färbe ebenfalls in einem Gelbton. Die entsprechende Pflanze ist auf dem Wollknäuel vermerkt. Die zweite Wahl werde für Filzarbeiten verwertet. „Es wird nichts weggeworfen“, versichert Attali.
Ihre Mutter und sie selbst verarbeiten die Wolle in kleinen Mengen noch weiter zu Schals, Mützen und auch Westen. Das sei ursprünglich auch ein Grund für die eigene Wollproduktion gewesen. Bevor sie die Weiterverarbeitung aufbaute, habe sie die für ihre persönliche Strickleidenschaft benötigte Wolle aus dem Katalog bestellt – dabei standen die Schafe zuhause vor der Tür. Einen eigenen Hofladen betreibt die Familie noch nicht. Ein solcher soll später mal in einem Teil des Stalls neben der Weide entstehen, kündigt Philippe Gross an. Dort will er dann auch seinen eigenen Honig vermarkten. Aktuell verkauft die Familie ihre Produkte nur auf Märkten wie dem Straßburger Weihnachtsmarkt. Von 14. bis 16. März findet sich die Ferme Attali auf dem Kutzenhausener Spezialmarkt für Schäfer. „Printemps de Pelotes“ nennt sich der Markt, auf dem 60 Aussteller alles präsentieren, was Schafe, Ziegen und Lamas liefern.
Kontakt
Im Internet unter www.fermeattali.jimdo.com oder per E-Mail an fermeattali@laposte.net.