Rodalben / Donsieders RHEINPFALZ Plus Artikel Streit um Schüsse: Frau fühlt sich von Jäger bedroht

Ein Jäger muss unbedingt sicherstellen, dass er niemanden gefährdet, bevor er einen Schuss abgibt.
Ein Jäger muss unbedingt sicherstellen, dass er niemanden gefährdet, bevor er einen Schuss abgibt.

Eine Bürgerin schritt ein, als sie zwei Männer auf einem Feld auf eine Zielscheibe schießen sah. Es kam zum Streit, und sie fühlte sich bedroht. Nun ermittelt die Polizei.

Wo und wie genau dürfen Jäger schießen? Diese Frage ist ebenso wichtig wie teilweise umstritten. Wer sich online durch die gängigen Jägerforen scrollt, entdeckt, dass die Experten auf ihrem Gebiet da auch nicht einig scheinen. Einiges scheint Interpretationssache. Doch mitten am Tag neben einem Spazierweg auf eine Zielscheibe zu schießen, die flach am Boden liegt, kann nicht rechtens sein, oder? Das fragte sich die Rodalberin Ayse Molla, die kurz vor Weihnachten auf einem Feld nahe des Monoliths, der bei Donsieders Spaziergänger anlockt, mit ihrem Hund unterwegs war und zwei Männer entdeckte, die genau das taten. „Das Gelände war offen und aus meiner Sicht nicht ausreichend gesichert.“ Ein Stein auf dem Boden hätte leicht zu einem gefährlichen Querschläger führen können, argumentiert die Rodalberin.

Molla sah deutliche Gefahr für Menschen und Hunde, die dort unterwegs waren, informierte die Polizei und sprach den Jäger sowie seinen Begleiter an. „Als ich die beiden Männer aufforderte, das Schießen einzustellen und mich nicht weiter zu bedrängen, gingen sie gezielt auf mich zu. Ich wich rückwärts aus und bat mehrfach darum, Abstand zu halten, da ich meinen Hund bei mir hatte, der aus Sicherheitsgründen Distanz benötigt. Diese Bitte wurde ignoriert. Erst nachdem mein Hund deutliches Stressverhalten zeigte und ich erneut sehr klar forderte, stehen zu bleiben, entfernte sich einer der beiden Männer. Der Jagdpächter hingegen ging weiter auf mich und meinen Hund zu und äußerte sinngemäß, dass er mich anzeigen würde, falls mein Hund ihn beißen sollte. Ich empfand dies als Einschüchterung und Bedrohung“, sagt die Rodalberin.

Spaziergänger und Kinder unterwegs

Molla erstattete später Anzeige. Inzwischen ermittelt die Polizei in der Sache wegen Nötigung, sagt Polizeisprecher Thomas Krämer. Doch es bleibt die Frage, was Jägern genau erlaubt ist. Laut Paragraf 13, Absatz 6, des Waffengesetzes dürfen Jäger „Jagdwaffen zur befugten Jagdausübung einschließlich des Ein- und Anschießens im Revier [...] ohne Erlaubnis führen und mit ihnen schießen“. Einschießen bedeutet, die Waffe präzise auf eine bestimmte Entfernung einzustellen, um einen waidgerechten Schuss zu gewährleisten. Es geht um die Justierung der Waffe und das Prüfen der Funktionsfähigkeit.

Das Gebiet zwischen Rodalben und Donsieders sei „hochfrequentiert“, es gebe dort viele Spaziergänger, sagt Molla. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das so erlaubt ist.“ Molla sieht zwar die Notwendigkeit des Einschießens, doch sie verweist auf Schützenhäuser, die viele Jäger dafür nutzten.

Behörde sieht keinen Fehler

Polizeisprecher Krämer will nicht beurteilen, ob sich der Jäger beim Schießen auf dem Feld gesetzmäßig verhalten hat und verweist auf die Untere Waffenbehörde bei der Kreisverwaltung. Die Behörde „erkennt anhand der Schilderungen kein Fehlverhalten“. Das Waffengesetz nenne keine Rahmenbedingungen, unter denen das Einschießen im Revier erlaubt ist. „Das bedeutet, dass grundsätzlich jeder Jäger selbst zu entscheiden hat, wie er wo schießt. Er trägt die Verantwortung“, erklärt Kreissprecherin Steffi Blinn. Der Jäger müsse Sicherheitsvorkehrungen treffen, um Menschen und auch fremdes Eigentum zu schützen. Vor allem müsse er aufpassen, dass sich niemand in dem Bereich aufhält, wo die Kugeln hinfliegen könnten.

Jäger trägt Verantwortung

Neben dem Waffengesetz müssten sich die Jäger „unbedingt“ an die Sicherheitsvorkehrungen und Empfehlungen der Unfallverhütungsvorschrift der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft halten, so die Waffenbehörde. Demnach darf ein Jäger erst einen Schuss abgeben, wenn er sicher ist, dass niemand gefährdet ist. „Das sind Grundsätze der Jagd, die jeder Jäger zu beachten hat“, sagt die Sprecherin. Dass im Revier auf Zielscheiben geschossen wird, finde die Untere Waffenbehörde des Landkreises in Ordnung.

„Die Szene war für mich nicht real. Das konnte ich nicht glauben.“ Auch im Nachhinein ist Ayse Molla fassungslos, wenn sie an ihre Entdeckung denkt, dass Jäger tagsüber auf offenem Feld in der Nähe von Spaziergängern geschossen haben. „Ich bin Umweltpädagogin und in diesem Gelände mit Schulklassen unterwegs. Bei diesem Gedanken wird mir flau.“

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