Südwestpfalz/Saarpfalz Starkregen lässt Bäche über die Ufer treten und Talauen volllaufen

Natürliche Seen auf Zeit, wie hier zwischen Kirschbacherhof und Birkwieserhof, bieten Lebensraum für Tiere bis in den Frühling.
Natürliche Seen auf Zeit, wie hier zwischen Kirschbacherhof und Birkwieserhof, bieten Lebensraum für Tiere bis in den Frühling.

Vom goldenen Oktober wurden Südwestpfalz und Saarpfalz lange verwöhnt. Mit den Herbstferien kam dann ungewohnt kräftiger Regen. In den letzten zehn Oktobertagen des gab es einen Rekord mit teilweise 160 Litern auf den Quadratmeter.

Die Altweibersommer genannte Übergangszeit vom Sommer zum Herbstanfang war für die Bauern ein Glücksfall: Sie ernteten noch mal vorzügliches Futter für Grummet und Grünfutter für Silage. Der Regen im August und die danach folgenden Sonnentage waren ideal fürs Grünland. Gleichzeitig bekam der Mais noch einmal einen Schub, sodass die Bauern mit Menge und Qualität zufrieden waren. „In diesem Jahr müsste jeder genug Futtervorrat für den Winter haben,“ sagt Jörg Klein aus Winterbach.

Die Bauern haben auch ihre Stoppelfelder mit Gülle gedüngt und für die Einsaat hergerichtet. Beim Säen des Getreides habe es noch gewaltig gestaubt, erzählt Landwirt Andreas Veith aus Battweiler. Nur noch einen Acker wollte er mit Wintergetreide einsäen, da habe ihn der Dauerregen überrascht. Der sei dringend nötig gewesen für die eingesäten Felder und das Grünland. Nur hätte der Regen nach einer Woche aufhören können, um wieder Feldarbeit möglich zu machen, findet Veith. Nun ist der Boden tief durchweicht, sodass es dauert, bis die Felder wieder befahren werden können.

Das wie ein Schwamm aufgeweichte Erdreich führte dazu, dass die Bäume keinen wirklichen Halt mehr durch ihr Wurzelwerk haben, warnen Forstleute. Vor allem Bäume, die schon länger schräg hängen und möglicherweise an steilen Waldhängen stehen, stürzten leicht um, vor allem bei Wind. Auf Waldwegen, Fahrrad- und Wanderwegen in Waldnähe sei deshalb höchste Vorsicht geboten.

Im Mittel aller Messstationen der Pfalz habe es weit über 100 Liter Regen gegeben, berichtete ein Radio-Wettermann am Reformationstag. Das Oktober-Mittel vergangener Jahre habe bei 63 Litern gelegen. In verschiedenen Regionen der Pfalz sei die sonst übliche Regenmenge um 90 Prozent übertroffen worden.

Übergelaufene Bäche: Talauen und Radwege geflutet

Das mit Tümpeln übersäte Feuchtbiotop im Bliesgau bei Beeden hatte vorm letzten Oktober-Wochenende noch viele Inseln und Uferbereiche, wo sich Wasservögel wohlfühlten. Am Montag danach war alles überflutet, der Wasserspiegel um über 50 Zentimeter angestiegen. Vögel und sonstige Bewohner des Sumpfes mussten in höhere Randbereiche oder in die Talwiesen umziehen. Rast- und Futterplätze waren in wenigen Stunden verschwunden. Es wird dauern – wenn es aufhört zu regnen –, bis die Tierwelt wieder ihr Biotop besiedeln kann.

Die Wassermassen haben auch die Blies an vielen Stellen übers Ufer treten lassen. Es sind Auwälder entstanden, wo nicht mehr zu erkennen ist, wo sich das Bachbett befindet. Der Bliestalradweg ist an vielen Stellen überflutet. Das Weidevieh in den Talwiesen musste teilweise auf höher gelegenem Grünland in Sicherheit gebracht werden. Es gibt noch ausreichend Gras in den Talauen, aber der heftige Regen ist keine Freude für die Rinder.

Vollgelaufene Talwiesen auch im Hornbach- und Schwarzbachtal

Zwischen dem Kirschbacherhof, Dietrichingen und Mauschbach hat der bis in den Oktober wasserarme Bachlauf sich so schnell gefüllt oder in den Seitengräben zurückgestaut, dass er an manchen Stellen sein Bachbett verlassen hat oder über die Gräbenkanten gelaufen ist. Die Enten, Gänse, Grau- und Silberreiher fühlten sich auf den kleinen Seen und Tümpeln in ihrem Element. Sie nutzten die Gelegenheit zur Futtersuche. Noch größere Überschwemmungen blieben am Schwarzbach, Hornbach und der Wallhalb nur aus, weil die Gewässer zuvor Tiefststand erreicht hatten. Kleinere Zuflüsse der Bäche und Klammen waren seit Wochen völlig ausgetrocknet, sodass hier zuerst die Nässe wieder aufgebaut wurde.

In Contwig, am Stauwehr der Mühle, schoss das Wasser mit gewaltiger Kraft, aufschäumend und tosend, ins von Sandsteinen eingefasste Bachbett. Die aufwirbelnde Gischt überschlug sich, bis sich das Durcheinander der Wasserwirbel unter der Brücke der Bahnhofstraße hindurchzwängte und wieder in den natürlichen Bachlauf strömte.

Der Bliestalradweg ist wegen des Dauerregens an mehreren Stellen stark überflutet.
Der Bliestalradweg ist wegen des Dauerregens an mehreren Stellen stark überflutet.
Wild schäumt die Gischt auf am Wehr der Contwiger Mühle.
Wild schäumt die Gischt auf am Wehr der Contwiger Mühle.
 Die Nutrias im Bliesgau sind durch die Überflutung vorübergehend obdachlos geworden.
Die Nutrias im Bliesgau sind durch die Überflutung vorübergehend obdachlos geworden.
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