Höheinöd RHEINPFALZ Plus Artikel Spektakulärer Abriss: Das erste von drei Windrädern in Höheinöd ist gesprengt

Drei, zwei, eins, Zündung: Nicht mal zehn Skunden dauerte es, bis der 90 Meter hohe Turm des Windrades gesprengt war und wie gep
Drei, zwei, eins, Zündung: Nicht mal zehn Skunden dauerte es, bis der 90 Meter hohe Turm des Windrades gesprengt war und wie geplant im vorbereiteten Fallbett landete.

Drei Windräder sollen in Höheinöd gesprengt werden. Der erste 90 Meter hohe Betonturm ist Geschichte. So laufen die Vorbereitungen für die nächste Sprengung.

Kurze Töne sind zu hören. Das Signal, dass die Sprengung unmittelbar bevorsteht. Es folgt das Kommando: „Drei, zwei, eins – Zündung.“ Ein Knall, als ob ein Jet die Schallmauer durchbricht. Dann fällt der 90 Meter hohe Betonturm in weniger als zehn Sekunden. Das erste von drei Windrädern bei Höheinöd ist gesprengt.

Noch stehen drei 90 Meter hohe Betontürme im Nebel in Höheinöd auf der Sickinger Höhe. Kurz vor neun Uhr werden die Sprengladung
Noch stehen drei 90 Meter hohe Betontürme im Nebel in Höheinöd auf der Sickinger Höhe. Kurz vor neun Uhr werden die Sprengladungen gezündet und der linke Turm wird gesprengt.

Früher als geplant – bereits kurz vor 9 Uhr morgens am Donnerstag – fällt der Turm. „Das war es“, stellt Höheinöds Ortsbürgermeister Mike Mangold (SPD) fest. Aus 700 Metern Entfernung hat er gemeinsam mit Polizei, Ordnungsamt und einigen Interessierten die Sprengung des ersten Windradturmes verfolgt. „War interessant“, sagt Max, der sich für Fotografie und Technik interessiert und gemeinsam mit Papa Marc die von Nebel begleitete Sprengung im Bild festgehalten hat.

Zwei neue Windräder sollen kommen – größer und stärker

Zwei weitere Windräder werden kommende Woche gesprengt. Vorgesehen ist dafür der Mittwoch – aber das hänge unter anderem vom Wetter ab, ist vor Ort zu erfahren. Es wird Platz geschaffen für zwei neue, deutlich größere und leistungsstärkere Windkraftanlagen. „Ein neues Windrad wird ziemlich genau an der Stelle stehen, an der wird den Turm heute gesprengt haben“, sagt Torsten Höllwarth von Wiwi Consult. Wiwi wird das „Re-Powering“ übernehmen, wie das Unternehmen den Austausch von älteren Anlagen durch leistungsfähigere Einheiten bezeichnet.

„Hat gut funktioniert“, freut sich Höllwarth über die erste Sprengung in Höheinöd. Für ihn sind diese Sprengungen nichts Neues. „Wir haben schon einige Anlagen zurückgebaut“, sagt er zur Arbeit mit den Projektpartnern von Krämer Bau und den Spezialisten der Thüringer Sprenggesellschaft. Auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde funktioniere reibungslos, freut er sich.

Die Löcher, um die Sprengladung anzubringen, sind bereits gebohrt. Rechts liegen noch abgebaute Stahlteile des Windrades, das ko
Die Löcher, um die Sprengladung anzubringen, sind bereits gebohrt. Rechts liegen noch abgebaute Stahlteile des Windrades, das kommende Woche gesprengt wird.

Die drei Anlagen des Typs Enercon E-70, die im Windpark Höheinöd 2006 in Betrieb gingen, werden ersetzt durch zwei Anlagen des Typs Enercon E-175. Die Zahl, erläutert Projektleiterin Stefanie Junk von Wiwi, stehe für den Rotordurchmesser: Bisher betrug dieser 70 Meter, künftig werden es 175 Meter sein. Die neue Dimension lässt sich an einem alten Rotorblatt erahnen, dass auf dem Boden liegt und noch kleingeschnitten und abtransportiert werden muss. 35 Meter lang ist das Blatt aus glasfaserverstärktem Material.

Alles sorgfältig demontiert vor der Sprengung

Bevor gesprengt werden konnte, mussten an allen drei Anlagen jeweils die Rotoren, Gondeln und das aus Stahl bestehende obere Turmsegment demontiert werden. Für den Spezialkran mussten erst einmal Aufstellflächen hergerichtet werden. Nach der Sprengung werden die letzten Kranteile von der gut bewachten Baustelle abtransportiert. Wo der Kran zuletzt stand, wird in den nächsten Tagen ein sogenanntes Fallbett angelegt. In diesen Bereich sollen die beiden verbliebenen Türme nach ihren Sprengungen stürzen. Der erste Turm hatte ein eigenes Bett. Im unteren Bereich der beiden Türme sind bereits Löcher für die Sprengladungen gebohrt.

Die bisherigen Anlagen hatten die Rotorachsen auf 113,5 Metern Höhe, Nabenhöhe genannt. „Wenn ich aus dem Fenster geschaut habe, habe ich immer die Spitze gesehen“, sagt Günther Kafitz aus Höheinöd, der die Arbeiten seit Wochen verfolgt. Zukünftig wird er mehr sehen: Die neuen Windräder, die im Herbst in Betrieb gehen sollen, haben jeweils eine Nabenhöhe von 162 Metern. Addiert man die Länge der Rotorblätter dazu, kommt man auf 249 Meter vom Boden bis zur Spitze des Rotors. „Wir verringern die Anzahl der Windräder und produzieren mehr als doppelt so viel Strom“, verdeutlichen Junk und Höllwarth. Bisher hatte der Windpark Höheinöd eine Gesamtleistung von sechs Megawatt.

Der technische Fortschritt spiegelt sich in der Leistung und im Anlagenbau wider. „Man hat natürlich viel dazugelernt in den vergangenen Jahren“, sagt Höllwarth. Die neuen Anlagen werden als sogenannte Hybrid-Stahltürme errichtet, die sich auch mal leichter demontieren lassen. Wichtig ist – soweit möglich – die Wiederverwertung der anfallenden Abbauprodukte. Der verbaute Stahl, erläutert Höllwarth, werde zu 100 Prozent recycelt. Die Rotorblätter wurden und werden in Sechs-Meter-Stücke geschnitten, um leicht abtransportiert werden zu können. Ebenso die alten Kabel. Die darin enthaltenen Materialien werden wiederverwertet. Pro Turm, skizziert Höllwarth, fallen 1000 bis 1200 Tonnen Recyclingmaterial an.

Für den zweiten Sprengtag wird die Autobahn gesperrt

Der Beton selbst wird zerkleinert, bleibt vor Ort. Das gilt für die gesprengten Türme und die vorhandenen Betonfundamente. Mit Hilfe großer Meißel werden diese in den nächsten Wochen in kleine Stücke zerlegt. Der zerkleinerte Beton wird an der Baustelle wieder verwendet. Spart Transporte, Rohstoffe und Energie, aber auch Zeit und Geld. Die deutlich höheren Windkraftanlagen benötigen größere Fundamente, die aus 700 Kubikmeter Beton hergestellt werden.

Bevor der Meißel die Arbeit aufnehmen wird, sind die Sprengmeister noch mal gefragt. Die beiden im westlichen Bereich stehenden Betontürme werden kommende Woche in kurzer Abfolge gesprengt. Die fast zeitgleiche Sprengung ist notwendig, erläutert Höllwarth, da die L474 zwischen Höheinöd und Hermersberg gesperrt werden muss. Die Straße liegt innerhalb der zwingend einzuhaltenden 300-Meter-Sperrzone. Das Tempo auf der benachbarten A62 wird während der Arbeiten gedrosselt– und während der Sprengung wird der Verkehr komplett angehalten. „Das wird eine etwas aufwendigere Sprengung“, sagt Höllwarth. Aber nach der Sprengung sei vor der Sprengung.

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