Kreis Südwestpfalz Sorge um Schönheit der Pfalz

Der B-10-Ausbau bei Hinterweidenthal stellt für die Interessengemeinschaft einen zu großen Eingriff in das Landschaftsbild dar.
Der B-10-Ausbau bei Hinterweidenthal stellt für die Interessengemeinschaft einen zu großen Eingriff in das Landschaftsbild dar.

In der Region gibt es eine neue Bürgerinitiative, die sich den Schutz der Landschaft zum Ziel gesetzt hat. Die Interessengemeinschaft Landschaft Südwest, abgekürzt IGLSW, will sich von normalen Naturschützern durch den auf das Landschaftsbild erweiterten Schutzbegriff abheben und sieht sich als Ergänzung. Die größte Gefahr für das Landschaftsbild der Region sieht die IGLSW im Moment im Ausbau der B 10, der in seiner jetzigen Form einen zu massiven Eingriff darstelle.

Rudolf Ahrens-Botzong aus Ludwigswinkel und Walter Stutterich aus Pirmasens sind die beiden Vorsitzenden des Vereins. Gegründet wurde die Gruppe im November auf dem Bremerhof bei Kaiserslautern. Viele der aktuell 30 Mitglieder sind identisch mit der Interessengemeinschaft Pro Pfälzerwald, die sich erfolgreich gegen Windräder im Pfälzerwald zur Wehr gesetzt hatte. Als Organisationsform hat sich die IGLSW den nicht eingetragenen Verein ausgesucht. „Das braucht keinen großen Apparat“, begründet Ahrens-Botzong den Verzicht auf die Vereinseintragung. Eine weitere Schnittmenge ergibt sich mit Ex-Mitgliedern des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND), die aus Protest gegen die Haltung des BUND zur Windkraft ausgetreten sind. Den Schutz der Landschaft versteht Ahrens-Botzong als ökologisch-naturwissenschaftliches Anliegen, das zudem eine psychosoziale Komponente habe. „Naturschutz hat sich in den vergangenen Jahren auf Rote-Liste-Arten verengt“, meint Botzong. Zudem werde hauptsächlich juristisch argumentiert. „Die Landschaft hat auch einen ästhetischen Wert“, erklärt der Ludwigswinkler und verweist auf die Philosophie des deutschen Denkers Ernst Cassirer. In Europa sei ein immenser Landschaftsverbrauch im Gange, der das naturnahe, harmonische Bild zerstöre. Ein Aspekt sei hier die Windkraft. Eine andere Form der Landschaftszerstörung sieht Stutterich in den überall entstehenden Gewerbegebieten, die oft eine Art billigen Baulands für Gewerbetreibende darstellten, die sich neben einer kleinen Werkhalle einen großen Bungalow errichten lassen, wie beispielsweise in Gewerbegebieten bei Dahn. Die größte Gefahr für den Pfälzerwald erkennen Ahrens-Botzong und Stutterich jedoch im B-10-Ausbau. „Das ganze Queichtal wird später so aussehen wie die B 10 bei Hinterweidenthal“, warnt Stutterich. Die IGLSW verweist auf die Qualität des Biosphärenreservats für den Tourismus, der eine wichtige Einnahmequelle der Region darstelle. „Als Ersatz nördlich und südlich des Queichtals nun Erlebnisanlagen zu implantieren wäre nicht annehmbar“, sagt Ahrens-Botzong. Eine Hängeseilbrücke wie im Hunsrück oder das problembeladene Biosphärenhaus könne nicht als Ersatz für die derzeit noch ansprechende Landschaft im nicht ausgebauten Teil des Queichtals dienen. Als widersinnig sieht Ahrens-Botzong hier die Bemühungen Wilgartswiesens für einen Landschaftsweiher in der Nähe der B10. „Wer will denn da hin?“ Grundsätzlich müsse die Interessengemeinschaft den B-10-Ausbau ablehnen. Stattdessen fordere sie eine „Transitlenkung“ und einen Ausbau des Schienenverkehrs. „Die Queichtalbahn war mal viel bedeutender“, verweist Stutterich auf die früher hier verkehrenden D-Züge mit Direktanbindung nach München. „Es wird eine Verkehrswende kommen und dann waren die Investitionen in die B 10 totes Kapital“, glaubt Ahrens-Botzong. Die von ihm geforderte Sperre für den Transit-Schwerverkehr sei rechtlich durchaus machbar, meint Ahrens-Botzong. Das Verkehrsministerium habe die europäischen Richtlinien dazu nicht richtig ausgelegt, so seine Ansicht. Neben der B 10 sieht die IGLSW im Ausbau der B 9 durch den Bienwald zwischen A 65 und Lauterburg eine weitere große Gefahr für das Landschaftsbild. Die Planungen für die so genannte Hagenbachkreuzung mit einem Kreisverkehrsplatz und vier Fahrspuren sei überdimensioniert, meint Ahrens-Botzong. Aktionen plant die Interessengemeinschaft aktuell nicht. Eine Veranstaltung im Sommer auf der Totenkopfhütte bei Neustadt sei in Planung. Dort will sich die IGLSW der Problematik des Kerosins annehmen, das über dem Pfälzerwald tonnenweise von Flugzeugen abgelassen wird. Kontakt Telefon 06331/44845 oder E-Mail arboribus@t-online.de

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