Petersbächel
So verwandelt Erwin Würth Natur in Kunst
Erwin Würth war schon immer von Holz fasziniert. „Ich bin der Handwerker-Typ“, sagt der 61-Jährige. Die unterschiedlichen Formen von Bäumen regen sofort seine Fantasie an. Mal ist es eine besondere Wuchsform, mal eine Wucherung oder eine spezielle Maserung, in der der Holzkünstler etwas erkennt, das er herausarbeiten möchte.
Sein bevorzugter Rohstoff geht dem Künstler so schnell nicht aus, meterhoch stapeln sich Äste und Stämme gegenüber seines Ateliers in Petersbächel. Erwin Würth liebt seine Arbeit mit Holz, er sprudelt über vor Ideen, was er alles machen könnte. „Da reicht mir die Zeit gar nicht“, sagt er lachend.
Manchmal stehe er bis abends um elf in der Werkstatt, der innere Antrieb ist hoch. In Sachen Werkzeug sei er mittlerweile sehr gut aufgestellt, früher habe er alles mit Hand gefertigt. Wobei: Trotz Einsatz von maschinellen Hilfsmitteln bleibe die Kunst immer Handarbeit. Meist arbeite er an mehreren Stücken parallel, eines sei aber immer gleich: „Ich will es perfekt haben.“
Vom Baum zum Kunstwerk
Regelmäßig bietet der 61-Jährige Führungen in Petersbächel an, bei denen er zeigt, wie aus einem Holzstamm ein Kunstwerk wird. Ein Abstecher zu seinem historischen Sägewerk gehört dazu. Die Interaktion mit den Besuchern macht ihm Spaß, es sei besonders schön, wenn es ihm gelinge, die Menschen zum Nachdenken zu bringen. Denn ein Teil seiner Kunst befasst sich mit zutiefst emotionalen Themen wie Trauer und Verlust – aber auch mit Hoffnung.
Erwin Würth ist fest im christlichen Glauben verwurzelt und drückt das immer wieder in seinen Kunstwerken aus. 1997 widmete er dem Thema Kreuzweg eine Ausstellung, in den frühen 2000er Jahren stellte er in Kirchen in ganz Deutschland aus.
Sehr persönlich und individuell sind die Urnen, die der 61-Jährige fertigt. Häufig ergäben sich darüber tiefe Gespräche mit den Menschen, die eine Urne für geliebte Angehörige kauften. Ein Stück weit sei das auch Trauerarbeit, erklärt Würth. Manche Besucher entschlössen sich hingegen ganz spontan, eine Urne für sich selbst zu kaufen. Wer wolle, könne auch einen eigenen Baum mitbringen, aus dem er dann eine Urne gestalte.
Kunst aus Licht
Doch auch andere Projekte faszinieren Würth, der als Betreuer in den Werkstätten der Heinrich-Kimmle-Stiftung in Pirmasens arbeitet. „Ich bin thematisch ganz offen“, sagt er. Seit Jahren entwirft Würth jedes Jahr Lichtskulpturen, die in der Weihnachtszeit in den Geschäften der Landauer Innenstadt ausgestellt werden. Im vergangenen Jahr haben ihn Musikinstrumente inspiriert. Lampen in verschiedenen Formen waren das Resultat.
Der Wunsch, zu gestalten, ist für Erwin Würth etwas Urmenschliches. Die Natur sei dabei ein sehr lebendiger Werkstoff. So faszinierend das Bearbeiten anderer Materialien, etwa Metall, auch sei – die Holzkunst liege ihm einfach mehr. „Da kann ich flexibler sein.“
Kunst gemeinsam mit seiner Frau
Genau so – spontan und flexibel – gestaltete sich sein Zugang zur Kunst. 1991, in einem Urlaub in Dänemark, begann er, aus Strandgut Kunstwerke zu legen. Diese Idee entwickelte Würth weiter und gestaltete 1993 seine erste Ausstellung. Bis heute habe er seine Werke auf 192 Ausstellungen von Hamburg bis ins französische Lyon gezeigt. „Ich kann stolz zurückblicken.“
Besonders freut es ihn, dass er seine künstlerische Begeisterung gemeinsam mit seiner Frau, Petra Würth, ausleben kann. Sie gestaltet Texte zu seinen Werken, gibt gedankliche Impulse. Und so spielt die Kreativität im Hause Würth eine prägende Rolle. Langweilig wird es dabei nie: „Man muss sich als Künstler immer wieder neu erfinden“, ist Würth überzeugt.
Tag der offenen Tür
Am Sonntag, 3. Mai, öffnet das Atelier in Petersbächel von elf bis 18 Uhr zum Tag der offenen Tür anlässlich des deutsch-französischen Radlertags. Neben Kunst ist an diesem Tag auch Kulinarik geboten.
Die Serie
In unserer Serie „Wir machen Kultur“ stellen wir in loser Folge Menschen vor, die das kulturelle Leben in Pirmasens und der Südwestpfalz gestalten – als Aktive auf der Bühne oder als Macher im Hintergrund.