Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel So profitiert Höheinöd vom Doppel-Wumms

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In Höheinöd ist der alte Windpark Geschichte. Der Dreifach-Sprengung folgt ein Neuaufbau. Weniger Windräder werden mehr Strom produzieren.

Schon vier Jahre dauert der russische Angriffskrieg auf die Ukraine an. Kurz nach seinem Beginn explodierten Energiekosten und Rohstoffpreise. Im Spätsommer 2022 verkündete der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), dass die Bundesregierung die steigenden Energiepreise mit einem 200 Milliarden Euro schweren Abwehrschirm bekämpfen wolle. Scholz nannte das den „Doppel-Wumms“. Diese Gas- und Strompreisbremse lief bis Ende 2023. 2020 hatte Scholz noch als Bundesfinanzminister in der Corona-Krise bereits die „Bazooka“ herausgeholt und ein 130-Milliarden-Euro-Konjunkturprogramm mit den Worten angekündigt: „Wir wollen mit Wumms aus der Krise kommen.“

Wumms und Doppel-Wumms, das beschreibt gut, was sich in den vergangenen Tagen zwischen Höheinöd und Hermersberg getan hat. Vor einer Woche gab es den ersten Wumms, am Mittwoch folgte der Doppel-Wumms: Drei Sprengungen legten die Reste der drei Windkraftanlagen im Windpark Höheinöd flach. Die 90 Meter hohen Türme landeten wie vorgesehen in ihren Fallbetten, wo die Stahlbetongebilde jetzt zerkleiner werden.

Kraftwerke statt Windräder

Derzeit kann man leicht den Eindruck gewinnen, dass Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am liebsten die energiepolitische Wende umkehren und Windkraftanlagen durch Gas- und Kohlekraftwerke ersetzen würde. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hält Windkraft für eine Übergangstechnologie und glaubte vor zwei Jahren noch, „dass wir, wenn wir was richtig machen, eines Tages die Windkrafträder wieder abbauen können, weil sie hässlich sind und weil sie nicht in die Landschaft passen“.

Die Höheinöder müssen nicht damit rechnen, dass plötzlich ein Gaskraftwerk vor den Toren des Dorfes gebaut wird. Schon im Sommer werden zwei neue, größere und leistungsstärkere Windkraftanlagen geliefert, die in diesem Jahr ans Netz gehen sollen. Statt sechs Megawatt Leistung bietet der Windpark dann zwölf Megawatt. Repowering wird das genannt.

Im Land der Windturbinen

Wer sich in der Südwestpfalz mit Verantwortlichen in den Dörfern unterhält, die von Windkraft- und Photovoltaikanlagen finanziell profitieren, erhält einen anderen Eindruck als Merz. Haben die Gemeinde und deren Bürger einen Nutzen von den Anlagen, steigt die Akzeptanz. Höheinöds Ortsbürgermeister Mike Mangold spricht es deutlich aus: Ohne die Einnahmen durch die neuen Windkraftanlagen würde es der Gemeinde ungleich schwerer fallen, die Kindergartenerweiterung zu finanzieren. Der Anteil an den Strompreiserlösen hilft, die finanziellen Sorgen zu mindern, die Bund und Land mit ihrer Sozialgesetzgebung und der Wumms-Verschuldung in die kommunalen Haushalte verursachten.

Vielleicht erweitert Kanzler Merz auf seiner China-Reise seinen sauerländischen Horizont. China ist das Land mit der größten installierten Windenergieleistung weltweit. Es ist auch der größte Produzent von Solartechnologie und dominiert die Photovoltaik-Produktion. Seit 2006 steht in China Ressourcenschonung und Umweltschutz sowie der Aufbau eines nachhaltigen Wirtschaftssystems im Fokus der Umwelt- und Energiepolitik. Dabei stehen die Nutzung und der Ausbau regenerativer Energien im Vordergrund. China ist auch der führende Markt für E-Mobilität, während hierzulande verzweifelt versucht wird, das Verbrennerauto am Leben zu erhalten.

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