Wallhalben
Sickinger Grumbeeremarkt: Wie eine Idee zur Erfolgsgeschichte wurde
Bevor der erste Sickinger Grumbeeremarkt 1991 in Wallhalben eröffnet werden konnte, waren mehrere Monate der Vorbereitung nötig. Vor 35 Jahren wurden Ideen für eine heimatverbundene Veranstaltung mit Marktidylle und Gaumenfreuden gesammelt. Dem Touristiker der Verbandsgemeinde Wallhalben schwebte vor, das Marktgeschehen mit dem Symbol der „Sickinger Oma“ um drei Besonderheiten zu ergänzen, wie seine Aufzeichnungen zeigen: um einen Sickinger Mundartdichter-Wettstreit, die Wahl und Krönung der Gräfin Sickinger Land sowie um einen Bauern- und Handwerkermarkt mit historischer Bulldog-Ausstellung. Ein Blick in die Vergangenheit der Sickinger Höhe um den Reichsritter Franz von Sickingen, die Herrschaftszeit der Zweibrücker Herzöge und die einstige Marktgemeinde Wallhalben boten wertvolle Bausteine für den Markt.
Der Grumbeeremarkt weckte weit über den Kreis hinaus Interesse, da seine Wurzeln in der Heimatgeschichte lagen und die Veranstaltung Erlebniswert versprach. Das Flair des Marktes löste sofort Bereitschaft aus, teilzunehmen. Die Landfrauen waren beim Probebruzzeln, Köcheln und Backen rund um die Grumbeere in ihrem Element. An beiden Markttagen lag ein schöner Geruch über der Gemeinde. Die Vereinsgemeinschaften übertrafen sich selbst mit ihren Kreationen aus dem Kochtopf.
Krönungsbier und Preisgeld
Das „Gold der Sickinger Höhe“, die Grumbeere, sowie das bäuerliche Leben und die Handwerkskunst in den Mittelpunkt zu stellen, lockte schon vor dem Markttreiben den SWR-Rundfunk und später das Fernsehen ins Wallhalbtal. Ein Höhepunkt am Eröffnungstag sollte die Wahl und Krönung der „Gräfin Sickinger Land“ sein. Landrat Hans Jörg Duppré hatte sich entschieden, die Wahl und Krönung der Gräfin und die Herausgabe des ersten Werbeprospektes zu unterstützen. Die Parkbrauerei Zweibrücken-Pirmasens stiftete das Krönungsbier und die Sparkassen Zweibrücken und Pirmasens die Preisgelder für die Sieger des Mundartdichter-Wettstreits.
Mit Unterstützung der Kreistourismusstelle fand man in Pirmasens den kreativen Werbegrafiker Kober & Partner, der einen Prospekt für eine Marktidylle entwerfen sollte. Er wollte Grumbeere-Spezialitäten in der Mundartsprache bezeichnen, wie sie ihm aus dem Wallhalbtal in überlieferter Sorgfalt vorgelegt wurden. Für die Titelseite des Prospektes wollte er noch einige Tage Überlegungszeit haben. Hans Höh aus Rieschweiler-Mühlbach, zuständig für den Tourismus im Landkreis, drängte auf einen schnellen Druck, um frühzeitig auf Werbetour gehen zu können.
Bereits nach gut einer Woche war die „Schaufenster-Seite“ des Prospektes gefunden, sodass der kleine Werbeflyer in Umlauf gehen konnte. Max und Moritz mit der Sickinger Oma, schnuppernd an der dampfenden Bratpfanne, wurden zum Symbol der Marktidee. Nervenaufreibend war, dass niemand wusste, wie viele Gäste zu erwarten waren. Die Aufteilung mit vier Festplätzen auf dem Dorfplatz Wallhalben, dem Busbahnhof beim Kindergarten, im Ritterhof bei der Bäckerei und rund um die Dorfkirche erwies sich rückblickend als gute Lösung, da der Besucheransturm bei einer anderen Aufteilung nicht zu bewältigen gewesen wäre.
Mundart auf der großen Bühne
Trotz des schlechten Wetters am Samstag lockte die Wahl der ersten Gräfin Sickinger Land mit drei Bewerberinnen – Birgit Fuhrmann aus Biedershausen, Ulrike Ehrhardt aus Konradsmühle, Herschberg, und Christine Brenner aus Kneispermühle, Maßweiler – viele Besucher an. Erste Gräfin wurde Ulrike Ehrhardt. Die Einwohnerzahl Wallhalbens war einen Tag später, am Sonntag, von 800 auf etwa 15.000 bis 17.000 angewachsen. Rund um die Vereinsstände, Bühnenvorführungen und im Ritterhof, wo der Bauernmarkt und die historische Bulldog-Ausstellung von Hans Schäfer und seinen Freunden zu bestaunen waren, drängten sich die Besucher Schulter an Schulter. Bereits vor 17 Uhr meldeten fast alle Vereine, dass die Vorräte aufgebraucht seien.
Guido Defland aus Brücken, einer der Preisträger des Mundartdichter-Wettstreits, erklärte sich bereit, am Sonntag auf der Hauptbühne einige seiner preisgekrönten Mundartgedichte vorzutragen. Er verspätete sich jedoch, da er sein Auto in Schmitshausen abstellen und zu Fuß nach Wallhalben kommen musste. Unmittelbar nach dem Marktwochenende wurde entschieden, den Sickinger Grumbeeremarkt nur alle zwei Jahre durchzuführen.