Hinterweidenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Schmieden wie die Kelten: Wie in Hinterweidenthal ein Dolch hergestellt wird

Eine „eisige“ Atmosphäre im wahrsten Sinne des Wortes: In der Schmiede von Manfred Schary wird ein Keltendolch produziert.
Eine »eisige« Atmosphäre im wahrsten Sinne des Wortes: In der Schmiede von Manfred Schary wird ein Keltendolch produziert.

Wie innerhalb weniger Stunden ein Temperaturunterschied von 1300 Grad zustandekommt und was das mit der Herstellung eines Dolches zu tun hat, das erlebten ein halbes Dutzend Schmiedefreunde am Wochenende.

Ort des Geschehens ist die Schmiede von Metallbaumeister Manfred Schary „Im Handschuhteich“. Der 58-jährige Hinterweidenthaler ist bekannt für seine Schmiedekurse, in denen Teilnehmer selbst kleinere Metallgegenstände wie Messer herstellen können. Am Samstag hatten Schary und mehrere Interessierte sich vorgenommen, einen Dolch zu schmieden. Besser gesagt, das Rohmaterial herzustellen, das dafür benötigt wird: Roheisen. „Wir wollen das so machen, wie es die Kelten gemacht haben“, erklärt Schary.

Was muss dafür getan werden? Vor allem jede Menge Vorarbeit. Einen „Rennofen“ hat Schary selbst hergestellt. Darin soll Renneisen hergestellt werden. Er steht im Hof der Schmiede. Die Luke hat einen Durchmesser von zehn Zentimetern. Der Ofen selbst ist aus hitzebeständigen Materialien und Kacheln hergestellt, damit er den hohen Temperaturen standhält. Das Gebilde ähnelt einem kesselförmigen, überdimensionierten Grill und besitzt im unteren Bereich drei Luftzufuhrlöcher. Die sind wichtig, denn im Inneren des Ofens müssen 1300 Grad erreicht werden. „Erst bei dieser Temperatur kann Eisenerz gewonnen werden“, merkt Schary an.

Erz kommt aus Nothweiler

Früh am Morgen um 7 Uhr feuert er den Ofen an. Das Thermometer zeigt minus sechs Grad. Nach und nach treffen die interessierten Freunde und Bekannten ein. Es ist eine reine Männerrunde, die sich bis 9 Uhr eingefunden hat. Ständig wird Holzkohle geschichtet, aber alles nach Vorgabe. Eine Schicht Holzkohle Glut und darauf schließlich zwei Suppenkellen Eisenerz. Das ist die Rezeptur der Kelten.

Die Männergruppe hat Spaß dabei, aber es ist auch jede Menge Zeit, um am wärmenden Tisch in der Werkstatt darüber zu sinnieren, wie unsere Vorfahren das Prozedere in der Keltenzeit quasi erfunden haben. „Letztlich weiß es keiner von uns, wir können nur spekulieren“, merkt der Münchweilerer Werkzeugmacher Seibel an. Derweil heizt der Ofen im Außenbereich mächtig auf. Das Ganze ist eine rauchige Angelegenheit. Das Tagesziel ist klar definiert. Im Rennofen Renneisen herstellen als Grundlage für den noch zu fertigenden Dolch, wie ihn die Kelten benutzt haben. Das Erz kommt übrigens teilweise aus der Erzgrube Nothweiler. Der Nachhaltigkeitsgedanke spielt also eine Rolle.

Fünf Kilo Eisenerz am Nachmittag

Interessant ist auch die Idee dahinter. Schary klärt auf: „Meine Schlosserei im Handschuhteich befindet sich unterhalb der früheren Keltensiedlung ,Am Handschuhkopf’. Viele Fundstücke sind im Heimatmuseum Speyer ausgestellt.“ Dabei keimt die Idee auf, Führungen anzubieten. „Wir wollen Besuchern die Stellen zeigen, an denen unsere Vorfahren gelebt haben und Eisen geschmiedet haben“, sagt Pascal Biebel, der mit Schary zusammen die Idee entwickelt hat. Im Sommer soll es losgehen.

Heute läuft die Produktion vom Eisenerz auf Hochtouren. Pfiffig ist die Messmethode der Temperatur im Innenraum. Ein kleiner Eisenstab erfüllt die Funktion des Thermometers. Je nach Intensität des Glühens kann auf die Hitze rückgeschlossen werden. Über das Insiderwissen verfügen die „eisigen“ Kerle. Am Nachmittag wird’s dann heiß im wahrsten Sinne des Wortes. Die Männer hämmern ein Loch in die gemauerte Wand des Ofens im unteren Bereich. Andere rücken die Glut zurecht und das Objekt der Begierde kommt rot glühend zum Vorschein. Ein Klumpen Eisenerz von rund fünf Kilogramm Gewicht. Auf dem Amboss werden die Brocken verdichtet durch Hämmern. „Damit sich die Schlacke und Holzkohle vom Renneisen löst“, erklärt Schary. Je länger dieser Prozess dauert, umso reiner das Erz. Da lassen sich die Eisenmänner dann auch nicht lumpen. Es wird gehämmert bis zum Gehtnichtmehr. Am Ende leuchtet nicht nur ein Klumpen feinstes Renneisen, sondern es leuchten auch die Augen der Eisenerz-Macher. Mit einem Kaltgetränk stößt die Truppe auf den Tageserfolg an. Fortsetzung folgt im März, wenn aus dem fünf Kilogramm Eisenerzklumpen ein Dolch geformt wird.

Info

Messerschmiedekurs: Manfred Schary, Messerschmiede unterm Teufelstisch, Telefon 0175 2953895.

Manfred Schary (links) und Franz Stadler aus Harsberg (rechts) bearbeiten das Eisenerz.
Manfred Schary (links) und Franz Stadler aus Harsberg (rechts) bearbeiten das Eisenerz.
Sven Hoffmann aus Frankenthal ist nach Hinterweidenthal gefahren, um bei der Herstellung eines Keltendolches in der Schmiede von
Sven Hoffmann aus Frankenthal ist nach Hinterweidenthal gefahren, um bei der Herstellung eines Keltendolches in der Schmiede von Manfred Schary zu helfen.
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