Wallhalben / LAndstuhl
Schüler aus Landstuhl werden ihr Abitur in Wallhalben machen
Warum kommen die Landstuhler Schüler nach Wallhalben?
Das Sickingen-Gymnasium Landstuhl (SGL) wird saniert. Deshalb lagert es ab dem Schuljahr 2021/22 einige Klassen nach Wallhalben aus. Für zwei Jahre sollen dort rund 350 Schüler der Klassenstufen 10 bis 13 in der ehemaligen Realschule plus unterrichtet werden. Der Kreistag Kaiserslautern hatte im August einstimmig für eine Generalsanierung des Landstuhler Gymnasiums gestimmt. Der Landkreis und das Land Rheinland-Pfalz werden in den kommenden Jahren geschätzt 21,5 Millionen Euro in das Schulgebäude in der Philipp-Fauth-Straße, etwas südlich vom Bahnhof, investieren. Der Kreis zahlt knapp 12 Millionen Euro. Die Bauarbeiten sind auf vier Jahre angesetzt.
Andrea Meiswinkel, seit 2010 Schulleiterin, und das Lehrerkollegium – aktuell 63 Lehrer und sieben Referendare – freuen sich über die Entscheidung. Ein Neubau wäre um ein Drittel kleiner geworden. Außerdem bleibe „die Schule auf diese Weise in ihrer ruhigen Lage am Ende einer Sackgasse“.
Was wird in Landstuhl gebaut?
Im ersten Bauabschnitt von 2021 bis 2022 werden unter anderem das Erdgeschoss des Hauptgebäudes saniert und umgebaut, der naturwissenschaftliche Trakt und die Aula saniert sowie das Mitteltreppenhaus wegen der erforderlichen Barrierefreiheit neugebaut. Im zweiten Bauabschnitt von 2023 bis 2024 steht die Sanierung des Hauptgebäudes an. Zusätzlich werden der B-Bau und die Sporthalle auf Vordermann gebracht. „Wir haben eine Baugruppe ins Leben berufen. Das achtköpfige Team soll den Kontakt zum Architekten und zur Kreisverwaltung halten. Wenn notwendig holen wir die Fachbereichsleiter ins Boot“, berichtet Meiswinkel.
„Seitens des Schulträgers Landkreis Kaiserslautern gibt es die Zusage, alles zu tun, um die umfangreichen Baumaßnahmen auf ein verträgliches Maß zu reduzieren“, betont Meiswinkel. Bei den Unannehmlichkeiten solle man daran stets denken, dass nach vier Jahren eine barrierefreie Schule für 30 Jahre auf dem aktuellen Stand der Technik dastehen wird. Die Schulleiterin: „Wir sind dann mit einer super Mediathek/Bibliothek mit Lesegarten, mehr und größeren Klassenräumen sowie einem größeren Werkraum ausgestattet.“
Wie viele Schüler werden nach Wallhalben kommen?
Während des ersten Bauabschnitts werden rund 350 Schüler der 10. bis 13. Klasse im 15 Kilometer entfernten Wallhalben unterrichtet. „Die Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen“, sagt die Schulleiterin. Klar sei, „dass wir leider keine Entscheidung treffen können, die allen Beteiligten gerecht wird“. Wie es im zweitem Bauabschnitt weitergeht, müsse zu gegebener Zeit besprochen werden.
Wie kommen die Landstuhler Schüler nach Wallhalben?
Mit dem Bus. „Der Landkreis hat uns fest zugesagt, dass alle betroffenen Schüler in ihren Wohnorten abgeholt und ohne Mehrkosten direkt nach Wallhalben transportiert werden“, erinnert Schulleiterin Meiswinkel. Sie habe dem Kreis eine Liste der Wohnorte aller Schüler übergeben. Laut Rebecca Leis von der Pressestelle der Kreisverwaltung Kaiserslautern steht künftig „eine Busverbindung ab Landstuhl“ zur Verfügung. Es werde einen freigestellten Schülerverkehr geben. Darunter versteht man den geregelten Verkehr vom und zum Unterricht, bei dem die Kosten in vollem Umfang vom Schulträger übernommen werden. Die Schüler brauchen keine Fahrscheine zu erwerben. Die Schüler müssten längere Fahrzeiten einkalkulieren, so Leis. Fahrtkosten mit dem eigenen Auto würden nicht erstattet.
Wo kommen die Landstuhler Gymnasiasten her?
Das Gros der rund 850 Schüler kommt von südlich der Autobahn, aus Landstuhl und der Verbandsgemeinde Landstuhl, ein Teil auch von jenseits der A 6 – aus Hütschenhausen, Nanzdietschweiler oder Glan-Münchweiler. Selbst aus Kaiserslautern, Bechhofen und Bexbach seien Schüler da, informiert die Schulleiterin. Es könne sein, dass der ein oder andere die Schule wechseln wird. Dafür kämen möglicherweise andere neu dazu, sagt die Oberstudiendirektorin mit Blick auf das Gymnasium in Ramstein-Miesenbach sowie die Gymnasien in Kaiserslautern und Pirmasens.
Wer wird alles in Wallhalben arbeiten?
Personell sehe es so aus, dass Wallhalben einen eigenen Hausmeister bekommt. Die Vollzeit-Sekretärin in Landstuhl werde geteilt. Das Thema Reinigungskräfte müsse noch besprochen werden. Für die Lehrer sei die Auslagerung eine zusätzliche Belastung, da manche während den Unterrichtszeiten pendeln müssten. Die Schulleiterin hofft, dass ihr Stellvertreter, der die Stundenpläne aufstellt, die Fahrten auf ein Minimum bekommt. Einer der beiden Studiendirektoren werde ständig in Wallhalben präsent sein. Sie selbst werde sich zwischen den Standorten hin und her bewegen. Natürlich habe auch der Leiter der Oberstufe in Wallhalben seinen Platz.
Von wann bis wann ist Unterricht?
Unterrichtet wird am SGL von 7.55 Uhr bis 16.20 Uhr. „Die Unterrichtszeit können wir nicht einfach verkürzen. Das geht nicht. Der Lehrplan lässt dies nicht zu“, gibt Meiswinkel zu verstehen. Oft gehe der Unterricht allerdings nur bis zur siebten Stunde. Es sei denn, Sport stehe auf dem Lehrplan. Dazu Leis: „Änderungen der Unterrichtszeiten sind zurzeit nicht geplant.“
Details zu den AG-Angeboten müssten noch besprochen werden. Wie zum Beispiel probt künftig das Schulorchester? Was ist mit anderen Einrichtungen? Meiswinkel: „In Wallhalben wird es eine Teilbibliothek geben. Es wird ein Raum dafür hergerichtet, der auch für Recherchen genutzt werden kann.“ Es existiere ein Online-Bestellsystem. „Den Duden werden wir doppelt anschaffen“, versichert die Schulleiterin.
Woher bekommen die Schüler ihr Essen?
Da das SGL keine Ganztagsschule ist, müssten sich die Schüler selbst verpflegen, stellt Meiswinkel klar. Ob eine Cafeteria wie in Landstuhl eingerichtet wird, sei noch offen. Kreis-Sprecherin Leis: „Eine Versorgung im Rahmen eines Kiosks ist geplant.“ Schüler ab der 11. Klasse dürften das Schulgelände verlassen. Sie könnten sich in Wallhalben beispielsweise beim Bäcker versorgen.
Was sagen die Eltern?
Die Auslagerung der vier Klassenstufen in die leerstehende Schule in Wallhalben sei das Ergebnis einer demokratischen Meinungsfindung unter Beteiligung der Klassensprecherversammlung, des Schulelternbeirats und der Gesamtkonferenz, lobt Schulelternsprecherin Susanne Schohl die Schulleitung. Alle Eltern und Schüler seien hinsichtlich der Auslagerung befragt worden. Es habe unterschiedliche Ideen gegeben. Hauptargument für die letztendliche Lösung, die 10. Jahrgangsstufe wegen der mittleren Reife und die Oberstufe mit Zielrichtung Abitur in Wallhalben zu unterrichten, sei die notwendige Ruhe gewesen. Der Baulärm soll die Schüler nicht stören. Schohl selbst steht hinter der Sanierung des Gebäudekomplexes aus sechs Gebäuden: „Allein schon die schöne Sporthalle und das Lehrschwimmbecken sind schützenswert.“
„Back to the roots“ beschreibt Heike Blanz, stellvertretende Elternsprecherin, die Situation. Sie ging einst in Wallhalben zur Schule. Während ihrer Ausbildung zur Lehrerin hat sie dort ein Praktikum absolviert. Nun kehrt Sohn Philipp dorthin zurück. „Die Schule ist geeignet“, findet sie. Die Sportanlagen seien toll, sprich weitläufig. Die Sporthalle habe die gleiche Größe wie die Halle in Landstuhl. Beide seien Dreifelderhallen. Der Ausweichstandort sei tausendmal besser als eine ursprünglich angedachte Containerlösung. Blanz: „Kein Container kann einen Funktionsraum ersetzen.“ Schüler aus abgehängten Orten könnten Probleme haben nach Wallhalben zu kommen, nimmt sie an. Bei den höheren Klassen sei es anders. Manche älteren Schüler hätten einen Führerschein. Fahrgemeinschaften seien denkbar. „Sind eigentlich alle Lehrer motorisiert?“, fragt sie sich.
Was sagen die Bürgermeisterin und der Verbandsbürgermeister?
Christine Burkhard, Bürgermeisterin von Wallhalben, sagte auf Nachfrage, dass sie „die am schlechtesten Informierte“ sei. Erst aus Gesprächen und der Zeitung habe sie von der Teilauslagerung in ihren Ort erfahren. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben, Thomas Peifer, dagegen war über die Verhandlungen von Landrätin Susanne Ganster unterrichtet. „Es muss ja nicht immer alles gleich nach außen getragen werden“, sagt er. Er habe gegenüber dem Landkreis immer betont, dass sichergestellt sein müsse, dass die Vereine die Sporthalle abends und am Wochenende weiterhin nutzen können.
Peifer sieht die Auslagerung sehr positiv: „Für ein paar Jahre bleibt die Infrastruktur des Geländes erhalten. Es entsteht keine Ruine.“ Einige Schüler würden die Schönheit des Mühlentals sicherlich erstmals kennenlernen. Es sei denkbar, dass der ein oder andere später dann einmal dorthin ziehen möchte. Oder ein Lehrer eventuell dort jetzt eine Wohnung mietet. Der Verbandsbürgermeister: „Man muss die Entwicklung abwarten.“
Was ist noch zu erledigen?
Wie die Kreisverwaltung Südwestpfalz in Pirmasens der RHEINPFALZ mitteilte, ist bisher kein Mietvertrag abgeschlossen worden. Pressesprecher Thorsten Höh: „Noch laufen die Verhandlungen.“ Die Schule umfasse 44 Räume. Davon seien 22 Klassenräume. Schulleiterin Meiswinkel: „Gegebenenfalls notwendige Investitionen in das Gebäude wie IT-Ausstattung, WLAN-Versorgung und lehrplankonforme Fachsäle wurden uns von der Kreisverwaltung fest zugesagt.“ Die Renovierungsarbeiten hängen laut Höh vom Umfang der Nutzung ab. „Bei vollständiger Nutzung wäre beispielsweise der Anbau einer Fluchttreppe erforderlich“, so der Kreis-Sprecher. Auch ein Blitzschutz müsse her. Vorsorglich hat der Landkreis Südwestpfalz 150 000 Euro für Unterhaltungsarbeiten in das neue Schulbauprogramm aufgenommen. Wie diese Kosten aufgeteilt werden, wird im Mietvertrag geregelt. Angaben über die Renovierungs- Umbau- und Betriebskosten könnten erst im Frühjahr 2021 gemacht werden, schrieb Höhs Kaiserslauterer Kollegin Rebecca Leis auf Anfrage. Die Kreisverwaltung Kaiserslautern hat diese Woche der Kreisverwaltung Südwestpfalz ihr Nutzungskonzept geschickt. Das muss nun geprüft und abgestimmt werden.
Höh: „Nachdem in Wallhalben kein offizieller Schulbetrieb mehr stattfindet, wurde die Pflege des Gebäudes und des Areals auf ein Mindestmaß zurückgefahren.“ Als Verbrauchskosten seien 2019 59.000 für Wärme, 4000 Euro für Wasser und 20.000 Euro für Strom angefallen, weil die Sporthalle von Vereinen genutzt wird. Wie der Pressesprecher betont, ist die Kreisverwaltung nach wie vor an einer Anschlussnutzung oder dem Verkauf des Gebäudes interessiert. Nun werde dies jedoch vorerst zurückgestellt. Im Frühjahr hatte der Kreis in der Schule vorsorglich eine Corona-Ambulanz eingerichtet, die aber bisher nicht gebraucht wurde und laut Kreisverwaltung nicht aufrechterhalten wird.