Kreis Südwestpfalz Puppe ermutigt zum Neinsagen
2011 sah es schlecht aus für die fünf Puppenbühnen der Polizei im Land. Damals stand das Thema Schließung im Raum, was aber verworfen wurde. So spielt auch die Lauterer Puppenbühne in der Westpfalz weiter – dieselben beiden Stücke, mit etwas anderer Besetzung und ungebrochenem Elan.
2011 habe den Puppenbühnen das Aus gedroht. Aber schnell habe man erkannt, dass dies der falsche Weg wäre, sagt Alois Wirtz. Er ist der Urvater der Puppenbühne des Polizeipräsidiums Westpfalz, die er zusammen mit Klaus Dieter Brehm aufgebaut hat. Am 6. November 2006 war die erste Vorstellung. Heute ist Brehm nicht mehr dabei: Unterstützt wird Wirtz nun von Claudia Bauspieß, Yvonne Morzik und Melanie Paul. Die Bühne rekrutiert sich aus vier Leuten – zwei volle Stellen, zwei halbe –, das ist Pflicht. Laut Vorgabe vom Innenministerium muss jede Polizei-Puppenbühne drei Leute haben. Das sei auch notwendig, sagt Wirtz, da neben dem Spiel auch noch die technischen Abläufe zu bewerkstelligen seien. Die Puppenspieler sind im Lauterer Beratungszentrum der Polizei in der Parkstraße tätig, haben dort noch andere Aufgaben. Zweimal pro Woche gastieren die Spieler je zwei Tage in einer Schule. Am ersten Tag ist Aufbau und eine Vorstellung über Verkehrsprävention für Erstklässler und Kindergartenkinder der Umgebung. Am nächsten Tag folgt ein Stück für Dritt- und Viertklässler, das die Vorbeugung gegen sexuellen Missbrauch zum Inhalt hat. Die beiden Stücke sind seit neun Jahren gleich – allerdings würden sie ständig überarbeitet und verfeinert, sagt Wirtz. Für Vorschüler und erste Klassen wird „Peter und Rrrudi“ aufgeführt. Dabei geht es um verkehrspräventive Aspekte, etwa wie man richtig über die Straße geht. Für die dritten und vierten Klassen zeigt das Team „Peter sagt Nein“ – zur Vorbeugung vor sexuellem Missbrauch. Den Kindern wird hier auf spielerische Art und Weise verdeutlicht, dass sie Nein sagen dürfen und sollen, wenn ihnen Berührungen unangenehm sind oder ihnen jemand zu nahe kommt. Was Missbrauch angeht, sind nach Wirtz’ Worten Jungen wie Mädchen gefährdet – die Opfer seien etwa zwei Drittel Mädchen, ein Drittel Buben, wobei das relevante Alter zwischen sechs und 13 Jahren liegt. Wirtz betont: „Täterschaft beginnt beim Wegschauen. Die Ehefrau, die nicht sehen will, was ihr Mann macht, ist Mittäterin.“ Der Polizist verweist auf die Wirksamkeit der Puppenarbeit: So gebe es nach Aufführungen immer wieder Rückmeldungen von Eltern, deren Kind sich offenbart habe, dass bei ihm etwas vorgekommen sei. Die Puppenspieler stehen vor dem Vorhang an einer Tischbühne. Gestik und Mimik müssen ausgedrückt werden. Eine Hand führt die Puppe, die andere bewegt deren Gesicht, reißt den Mund auf und zu. Oder besser: das Maul, denn die Polizei-Puppen sind sogenannte Klappmaulfiguren. Die seien für die pädagogische Arbeit besser geeignet als Puppen mit Holzköpfen, so Wirtz. Und: Kinder könnten sich mit den Puppen identifizieren. Eine Studie der Uni Kiel beweise, dass Kinder, die ein Lehrstück im Puppenspiel verfolgt haben, sich nach einem Jahr noch an 90 Prozent des Inhalts erinnern. Bei anderen Lehrformen, etwa einem Vortrag, hätten die Kleinen nach acht Tagen nur noch zehn Prozent in Erinnerung. (dür)