Herschberg RHEINPFALZ Plus Artikel Pro und contra Klärschlammlager: Auch eine Frage des Geruchs

Wohin mit dem Klärschlamm? Der Errichtung eines Zwischenlagers in Herschberg stehen die Ratsmitglieder derzeit skeptisch gegenüb
Wohin mit dem Klärschlamm? Der Errichtung eines Zwischenlagers in Herschberg stehen die Ratsmitglieder derzeit skeptisch gegenüber – endgültig ablehnen wollten sie das Projekt aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

Die Entscheidung darüber, ob in Herschberg ein Klärschlammlager errichtet wird, hat der Gemeinderat nach längerer Diskussion vertagt. Was für und was gegen einen Bau spricht.

Vor einer Entscheidung über ein Klärschlammlager im Dorf wollten sich die Ratsmitglieder zwei Lager, die von der WVE GmbH aus Kaiserslautern unterhalten werden, anschauen. Gebaut werden soll ein Lagerplatz, um den Klärschlamm aus der Kläranlage Wallhalben bis zu einem Jahr zwischenlagern zu können. Im Jahr 2018 hatte die Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben die WVE damit beauftragt, ein Konzept für die Entsorgung des Klärschlamms aus der Kläranlage Wallhalben zu erstellen. Seit 2021 kümmert sich das Unternehmen aus Kaiserslautern dort um die Entwässerung des Klärschlamms. Dieser wird vor Ort gepresst, wodurch er bereits viel Flüssigkeit verliert. Anschließend wird er laut Hendrik Bayer von der WVE nach Kaiserslautern transportiert und dort zwischengelagert, bis er weiterverwendet wird.

In der Regel bedeutet dies aber, dass das Material von Kaiserslautern wieder zurück in die Region um Wallhalben gebracht wird. Denn Landwirte nutzen den Klärschlamm, der zum Beispiel Phosphat enthält, als Düngemittel. Das sei aktuell noch erlaubt, in manchen Ländern allerdings bereits eingeschränkt oder gar verboten, erläuterte Bayer. Werde die Verwendung noch restriktiver gehandhabt, müsse der Klärschlamm verbrannt werden. „Die Kapazitäten dafür sind allerdings beschränkt“, verwies Bayer darauf, dass eine Verbrennung momentan nur in Mainz möglich sei.

Lange Transportwege vermeiden

Dass der Klärschlamm zweimal über die Strecke nach und von Kaiserslautern transportiert werde, sei nicht zielführend und so auch nicht geplant gewesen. Ziel sei es gewesen, eine Fläche unweit der Kläranlage für die Zwischenlagerung zu nutzen, sagte Bayer. Alle diesbezüglichen Verhandlungen seien jedoch gescheitert – obwohl man zum Beispiel Verbesserungen in puncto Hochwasserschutz auf Kosten der WVE in Aussicht gestellt habe. Auch die Idee, den Klärschlamm vorübergehend bei der Biogasanlage in Wallhalben „zu parken“, habe sich nicht realisieren lassen.

Jetzt wird ein neuer Anlauf unternommen. Ratsmitglied Dirk Nagel, der in Herschberg eine Biogasanlage betreibt, bekundete, dass er bei diesem Projekt als Partner der WVE fungieren würde. Als Lagerplatz vorgesehen sei eine 550 Quadratmeter große, von der K18 erschlossene Fläche, etwa 350 Meter südlich der Herschberger Ortslage. Der Klärschlamm soll dort bis zu einer Höhe von 1,50 Meter gelagert, aber nicht deponiert werden, wies Bayer auf einen entscheidenden rechtlichen Unterschied hin. Denn Klärschlammdeponien seien verboten. Die in der Kläranlage Wallhalben anfallende Menge von etwa 760 Kubikmetern könnte dort für ein Jahr zwischengelagert werden. Theoretisch wäre es auch möglich, dort dann Klärschlamm von anderen Anlagen zwischenzulagern. „Das ist aber nicht der Plan“, betonte Bayer.

Ortschef Schneider will kein „Dorf-Depp“ sein

Die Anlage, die als Holzkonstruktion errichtet werden soll, ist laut Planung an drei Seiten geschlossen. Der befestigte Bereich für den Klärschlamm wird mit Steinen eingefasst. Das geplante Becken soll nicht das Wasser aus dem Klärschlamm auffangen, sondern das Niederschlagswasser, das sich auf dem Dach sammelt, ableiten und langsam versickern lassen. Sagt die Gemeinde ja zu dem Vorhaben, muss ein Bebauungsplan aufgestellt werden.

„Wenn wir dazu heute ja sagen, sind wir morgen die Deppen im Dorf“, verwies Herschbergs Ortsbürgermeister Andreas Schneider darauf, dass eine Genehmigung des Platzes durch den Gemeinderat bei den Bürgern auf wenig Gegenliebe stoßen würde. Denn das größte Problem wäre der permanente Geruch. Bayer stellte nicht in Abrede, dass Klärschlamm grundsätzlich rieche. Aber es gebe große Unterschiede. So betreibe die WVE zwei solcher Anlagen bei den Kläranlagen in Waldfischbach-Burgalben und in Meisenheim. Dabei gebe es beträchtliche Unterschiede: In Waldfischbach-Burgalben gelange durch eine Metzgerei mit Schlachtbetrieb ein hoher Fettanteil ins Abwasser und in den Klärschlamm. Solche Einträge gebe es in Wallhalben nicht. Der Klärschlamm dort sei mit dem in Meisenheim vergleichbar „und riecht erdig“, sagte Bayer.

Standort abgelehnt, das Projekt (noch) nicht

Unabhängig vom Geruch erteilten mehrere Ratsmitglieder einer solchen Anlage unweit der Wohnbebauung und der Kita eine kategorische Absage. Zumal der vorgesehene Standort bedeuten würde, dass der Klärschlamm zweimal pro Woche fast durch das gesamte Dorf von der Kläranlage zum Lagerplatz gefahren werden müsste. An der Biogasanlage, die aus Sicht vieler ein geeigneterer Platz wäre, sei wiederum eine Lagerung nicht möglich.

Dennoch wollte der Rat das Projekt zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht gänzlich ablehnen, weil noch viele Informationen fehlten. Entschieden wurde daher, einen Beschluss zu vertagen und sich in Meisenheim und Waldfischbach-Burgalben ein Bild von den dortigen Klärschlammlagerplätzen zu machen.

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