Hornbach RHEINPFALZ Plus Artikel Parkklinik steht drei Monate nach Eröffnung vor der Insolvenz

Für die Klinik wurde ein alter Hof am Ortsausgang von Hornbach komplett umgebaut und durch einen Neubau ergänzt.
Für die Klinik wurde ein alter Hof am Ortsausgang von Hornbach komplett umgebaut und durch einen Neubau ergänzt.

Die Hornbacher Parkklinik, die erst im Mai eröffnet hat, steht vor der Insolvenz. 90 Angestellte sind betroffen. Es besteht aber die Hoffnung, dass der Betrieb weitergeht.

Wäre alles nach Plan gelaufen, wäre die Hornbacher Parkklinik längst ausgebucht und würde Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen betreuen – etwa mit Depressionen, Burnout oder Essstörungen. Selbst die Verzögerungen in der Bauphase hätte die Klinik verkraftet. Doch dann kam das Pfingsthochwasser 2024 und richtete wenige Wochen vor der geplanten Eröffnung Schäden in Millionenhöhe an. Die Zerstörungen in und am Gebäude übernahm zwar die Versicherung, aber damit war es nicht getan. Denn die Klinik hatte bereits Ärzte und Pflegepersonal unter Vertrag, und stand nun vor der Wahl: Alle wieder gehen lassen oder gemeinsam mit ihnen die Durststrecke von einem Dreivierteljahr überwinden? Die Betreiber entschieden sich für die zweite Möglichkeit.

30 Millionen Euro hat das Projekt gekostet, davon 24 Millionen Euro reine Baukosten.
30 Millionen Euro hat das Projekt gekostet, davon 24 Millionen Euro reine Baukosten.

Thomas Schiwek, einer der Väter des 30-Millionen-Projekts – davon 24 Millionen Euro reine Baukosten –, hält das für die richtige Entscheidung. Er ist gemeinsam mit dem Zweibrücker Architekten Martin Grub Geschäftsführer der Klinotel Hornbach Errichtungs GmbH, die die Parkklinik gebaut hat. „Sie finden kaum Ärzte, sie finden kaum Schwestern, gute Leute“, sagt er. Es sei darum gegangen, das Personal zu sichern: „Das ist das Wertvollste.“ Er ergänzt: „Es stand jeder hinter der Entscheidung.“ Die Angestellten seien geblieben und in Kurzarbeit gegangen, auch damit die Klinik nicht die Konzession verliert. Das plus die laufenden Kosten habe aber zu Ausgaben von 1,8 bis 1,9 Millionen Euro geführt, ohne dass die Klinik Einnahmen hatte, sagt Schiwek. An diesem Betrag habe es nun gehangen. Ein Brief an den Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer mit der Bitte um Hilfe vom Land sei ohne Reaktion geblieben.

57 Zimmer, aber nur sechs Patienten

Zwar gebe es zum Beispiel Patienten aus Luxemburg, die für einen Tag in der Klinik 700 Euro zahlen, doch es sei nicht gelungen, die Klinik schnell genug richtig zum Laufen zu bringen. Am Ende seien sechs Patienten da gewesen. Die Klinik mit ihren 57 Zimmern könne 75 Patienten aufnehmen. Zum Start Anfang Mai hätten 46 Anfragen vorgelegen, das hätte gereicht. Doch die Anmeldungen seien ausgeblieben.

Die Klinik wurde im Mai 2024 vom Pfingsthochwasser stark getroffen.
Die Klinik wurde im Mai 2024 vom Pfingsthochwasser stark getroffen.

Die Parkklinik ist ein kleiner Konzern: Die Muttergesellschaft ist die Parkklinik GmbH & Co. KG. Die Klinotel Errichtungs GmbH hat die Parkklinik gebaut und versorgt sie laut Schiwek noch mit Energie. Um den Betrieb der Klinik kümmert sich die Parkklinik Hornbach Betriebs GmbH. Diese Betriebsgesellschaft hat Anfang der Woche beim Amtsgericht Zweibrücken den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Deren Geschäftsführerin Christina Fischer wollte sich am Mittwoch noch nicht äußern.

Insolvenzverwalter spricht mit den Angestellten

Das Zweibrücker Amtsgericht hat dem Antrag am Mittwochnachmittag stattgegeben und Olaf Spiekermann von der Mannheimer Kanzlei Brinkmann & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt. „Ein erfahrener Mann“, sagt Amtsgerichtsdirektor Klaus Biehl. Olaf Spiekermann sagte am Mittwochnachmittag im Gespräch mit der RHEINPFALZ, dass er von der Bestellung gerade erst erfahren habe und auf dem Weg nach Hornbach sei. Näheres könne er noch nicht sagen. Er werde am Donnerstag erneut vor Ort sein, um mit den knapp 90 Angestellten zu sprechen. Ihm obliegt nun, sich ein Bild von der Situation zu machen und zu entscheiden, wie es weitergeht. Dazu gehört auch die Frage, ob das Insolvenzverfahren tatsächlich eröffnet wird.

Klinotel-Geschäftsführer Thomas Schiwek bei der Grundsteinlegung im Juli 2022.
Klinotel-Geschäftsführer Thomas Schiwek bei der Grundsteinlegung im Juli 2022.

Thomas Schiwek geht davon aus, dass die Klinotel GmbH diese oder nächste Woche ebenfalls einen Insolvenzantrag stellt, wie es im Volksmund heißt. Er spricht von einem Dominoeffekt: „Nach der Klinotel kippt der Mutterkonzern.“ Das wiederum könne sich auf Schiweks Firma Image Select auswirken, die die Parkklinik als Projektentwickler und Kapitalgeber vor zehn Jahren auf den Weg gebracht hatte. Denn neben den knapp zwei Millionen Euro, die nun durch die fehlenden Einnahmen aufgelaufen sind, wurden Kredite in Millionenhöhe auch durch Bürgschaften abgesichert.

Klinikbetrieb könnte weitergehen

All das bedeutet aber nicht das Aus für die Klinik an sich. Die Klinotel hat das Gebäude zwar gebaut, es gehört aber mittlerweile zu einem Fonds der Immobiliengesellschaft Praemia Reim GmbH, der es an die Betreibergesellschaft vermietet. Dieser Fonds ist von der Insolvenz nicht betroffen. Schiwek geht deshalb davon aus, dass der Betrieb der Klinik weitergeht. Er rechnet damit, dass nun ein großer Konzern einsteigt: „Die mächtigen Betreiber haben schon Platz genommen“, ist er sicher. „Das Schmuckstückchen passt ja in jedes Portfolio. Um die Mitarbeiter mache ich mir keine Sorgen.“

Am Zweibrücker Fasanerieberg soll ein ähnliches Projekt entstehen.
Am Zweibrücker Fasanerieberg soll ein ähnliches Projekt entstehen.

Es komme nun darauf an, wie der Insolvenzverwalter vorgeht. Der könne bereits Kontakt zu einem neuen Betreiber aufnehmen und den Betrieb fortlaufen lassen – eben mit den jetzigen Angestellten. Schiwek spricht von einem Stammpersonal von 60 Leuten, dazu kämen 30 sogenannte Vordergrund-Ärzte, die die Schichten über Nacht abdecken. Den Angestellten stehe nun drei Monate Insolvenzausfallgeld zu, das sich am bisherigen Nettolohn orientiert und das die Arbeitsagentur zahlt. Dennoch sei die Stimmung auf dem Tiefpunkt, beschreibt Schiwek die Lage. „Wir haben im April geglaubt, die Betriebs GmbH schafft das.“ Aber nun sei es „ein verlorener Kampf“.

Mögliche Auswirkungen auf Zweibrücken

Die jetzige Insolvenz betrifft möglicherweise ähnliche Pläne für Zweibrücken. Ähnlich wie in Hornbach möchte hier die Herzog-Wolfgang-Stiftung gemeinsam mit dem Architekten Martin Grub eine psychosomatische Klinik auf den Weg bringen – und zwar auf dem Grundstück der ehemaligen Baumschule Winkler am Fasanerieberg. Im April hatte der Stadtrat dem Projekt geschlossen zugestimmt. Martin Grub, der in Hornbach gemeinsam mit Thomas Schiwek Geschäftsführer der Klinotel GmbH ist, ist an dem Zweibrücker Projekt bisher nur als Architekt beteiligt. Er hatte im April im Bauausschuss gesagt, eine Zweibrücker Klinik könnte frühestens in fünf Jahren den Betrieb aufnehmen. Ob die Entwicklung in Hornbach Auswirkungen auf Zweibrücken hat, wollte Grub am Mittwoch noch nicht abschätzen.

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