Driwwe un hiwwe
Pamina: Deutsch-französische Volkshochschule stellt sich vor
„Das Elsass ist eine Welt für sich. Ich lerne jeden Tag dazu“, sagt Irene Schäfer. Sie leitet seit Beginn des Jahres die „Up Pamina VHS“. Up steht dabei für Université populaire und VHS für Volkshochschule. Und so, wie bereits in der Bezeichnung deutsche und französische Anteile stecken, ist es auch bei den Projekten, die die Pamina auf die Beine stellt. Ein Ziel dabei ist es, Menschen von driwwe mit den Menschen von hiwwe in Kontakt zu bringen, sie gemeinsam etwas erleben zu lassen. Ein anderes Ziel ist die Vermittlung von Bildung.
Die Sprache sollte dabei nie eine Barriere sein, betont Schäfer. So sorgen Dolmetscher dafür, dass sich die Teilnehmer bei den Angeboten austauschen können. Besonders beliebt seien die teilweise mehrtägigen Exkursionen, die vor allem im Sommer stattfinden. „Es ist eine niederschwellige Möglichkeit, eine Verbindung zwischen den beiden Ländern zu schaffen“, sagt Schäfer.
Deutsch-französische Freundschaft
In Frankreich sei das Konzept der Volkshochschulen nicht so verbreitet wie in Deutschland, die Kombination der Up Pamina VHS sei etwas besonderes. Auch Schäfers Weg hat über eine deutsche VHS, in Karlsruhe, nach Weißenburg geführt. Nach dem Romanistik- und Geschichtsstudium habe sie lange in Orléans gearbeitet, eine ihrer Töchter lebe in Deutschland, die andere in Frankreich. Als sie die Ausschreibung der Stelle gesehen habe, sei ihr klar gewesen: „Das ist mein Arbeitsplatz.“ Seither pendle sie von Karlsruhe nach Weißenburg und lerne jeden Tag neue Dinge über das Elsass.
Das Einzugsgebiet der Teilnehmenden erstreckt sich über ein Gebiet von 6000 Quadratkilometer, in dem 1,6 Millionen Menschen leben. Das Wort Pamina setzt sich dabei aus den Anfangsbuchstaben der drei Regionen zusammen, die das Gebiet umfasst. Es reicht von der Südpfalz (Palatinat) über den Mittleren Oberrhein in Baden bis ins nördliche Elsass (Nord Alsace). Die Teilnehmenden stammten zu je einem Drittel aus den drei Regionen. Seit der Gründung vor 26 Jahren habe es 50.000 Teilnahmen gegeben, pro Jahr werden rund 100 Kurse angeboten.
Die Kurse finden nicht nur in Weißenburg statt, sondern auch in etlichen anderen Städten. Gemeinsam Ausflüge machen, Wandern, Kochkurse besuchen – all das trage dazu bei, Beziehungen zwischen den Menschen beider Länder zu schaffen. Natürlich gebe es auch klassische Sprachkurse, doch bei den meisten Veranstaltungen gehe es nicht hauptsächlich darum, die eigenen Sprachkenntnisse aufzubessern, sondern um das gemeinsame Erleben. „Es kann sein, dass dann einfach nur Deutsch gesprochen wird“, so Schäfer. Die Ausflüge führten in alle Teile des Pamina-Raumes und darüber hinaus.
Es gibt fünf Fachbereiche
Die Unternehmungen der VHS Pamina lassen sich in fünf Fachbereiche unterteilen, erklärt Schäfer: Kunst und Kultur; Essen und Trinken; Sprache und Landeskunde; Geschichte und Gesellschaft sowie Natur und Gesundheit.
Während die unterschiedliche Sprache kein Thema sei, sehe es bei der Demografie anders aus. Während der Badener-Raum städtisch geprägt sei, sei das Elsass dörflicher strukturiert. Das merke man daran, dass die Menschen andere Interessen haben und sich nicht zu den gleichen Ausflügen anmelden würden, so Schäfer.
Während sich die deutschen Teilnehmer gern bei den kulturellen Fahrten anmelden, weil sie das Elsass entdecken wollen, sehe das bei den Einheimischen manchmal anders aus. Hier Angebote zu finden, die beiden Zielgruppen gefallen und die Menschen miteinander in Kontakt zu bringen, sei eine der Herausforderungen. Was auf beiden Seiten gut angekommen sei, sei ein zweitägiger Malkurs gewesen, der im Oktober wiederholt werden soll. Das Angebot richte sich an alle Altersstufen, der Schwerpunkt der Anmeldungen liege meist jedoch ab 60 Jahre aufwärts.
Arbeit bekannt machen
Es sei nicht immer einfach, das Programm der Pamina bekannt zu machen, erzählt Schäfer. Seit der Corona-Pandemie habe die Pamina eine sehr gute Website. Seit rund einem Jahr habe sie den Eindruck, dass die Sichtbarkeit der VHS gestiegen sei. Das lasse sich auch an gestiegenen Anmeldezahlen erkennen.
Die Pamina gibt es seit 26 Jahren, sie wird von deutschen und französischen Förderern unterstützt, auf deutscher Seite sind das unter anderem die Länder Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sowie die Volkshochschulen der Region. Drei Personen kümmern sich um die Organisation der Angebote, neben Irene Schäfer, die aus Deutschland stammt, sind das die beiden Elsässer Elodie Fischer und Julien Lartigau. Hinzu kommen 30 bis 40 freiberufliche Dozenten. Einen Förderverein gibt es auch, der die Arbeit der Pamina bereits mit knapp 38.000 Euro unterstützt habe, schildert Vorsitzende Margret Meier-Wohlwend. Egal, ob es sich um eine einmalige Veranstaltung oder einen längeren Kurs handelt, eines sei allen gemeinsam: „Es ist mehr als Unterhaltungsprogramm“, betont Schäfer.