Bitsch
Offene Kaserne in Bitsch: Wo Kinder mit Raketenwerfern rumballern
Die Besucher strömten gleich zur Öffnung der Kaserne am Samstagmorgen trotz hochsommerlicher Temperaturen in großer Zahl auf das Gelände des Bataillon de Chasseur à Pied, eine Infanterieeinheit der französischen Armee. Rund 1300 Soldaten umfasst die Einheit im Camp de Bitche, die das riesige Truppenübungsgelände zwischen Bitsch und der deutschen Grenze nutzen kann. Seit 2010 ist das Bataillon dort beheimatet, nachdem eine viel größere Artillerie-Einheit abgezogen worden war. Davor waren die Chasseur à Pied seit den 1960er Jahren in Neustadt und Saarburg stationiert, entsprechend häufig trafen Besucher auf ältere Soldaten, die Deutsch sprechen.
Die Tage der offenen Tür dienen hauptsächlich der Nachwuchsgewinnung und Imagepflege. Vertreter der Kommunen Bitsch und Saargemünd unterzeichneten in einem feierlichen Akt eine Patenschaftserklärung für das Bataillon. Eine junge Frau aus der Region wurde mit einer Schärpe zur Patin ernannt, die das Bataillon wie andernorts eine Weinkönigin repräsentieren wird.
Perfekt choreographiertes Kriegsspiel
Hauptsächlich die Familien der Soldaten nutzten die Gelegenheit für einen Besuch. Wann kann schließlich sonst mal geguckt werden, wo Papa und Mama arbeiten? Auf dem weitläufigen Gelände waren verschiedene Stationen einer Art Freizeitpark aufgebaut. Vor allem Kinder und Jugendliche waren die Zielgruppe. Es gab Kinderschminken der anderen Art, bei dem die Kleinen mit Tarnfarben angemalt wurden. Ein Parcours für Geländeübungen mit Kletternetz, Stacheldrahtverhau und Tarnzelten war aufgebaut. Dort konnten die Kinder unter Anleitung von Soldaten den Angriff auf vermeintliche Feinde üben. Besonders beliebt waren die Zielübungen mit einem Raketensystem zur Panzerabwehr und auch die Ausstellung der Waffensysteme, wo Soldaten Erwachsenen wie Kindern die Funktion von Mörser, Maschinengewehr und den immer stärker genutzten Drohnensystemen erklärten. Der größte Andrang herrschte jedoch beim ganz unmilitärischen Ponyreiten. Hier mussten die Kleinen sehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen.
Mehrmals am Tag zeigten die Soldaten des Bataillons, was sie im Ernstfall können. Ein fiktives Milizencamp musste bei der Vorführung eingenommen werden. Dazu radelten als Späher erstmal zwei Soldaten auf ihren Mountainbike-Pedelecs als wandelnde Büsche getarnt in Position – eine ganz kleine Kameradrohne immer zehn Meter über dem Kopf des radelnden Soldaten. Die Chasseur à Pied gehen schon länger nicht mehr nur zu Fuß. Dann kamen die eigentlichen Kampfgruppen in drei gepanzerten Truppentransportern, die neuerdings mit Drahtkäfigen über dem Panzerturm zur Drohnenabwehr ausgestattet sind. Ein Angriff solch einer Drohne wurde auch noch demonstriert, bevor die Infanteristen aus den Transportern strömten, um zum Angriff überzugehen. Jeder Schritt wurde über Lautsprecher kommentiert und mit Informationen zu den Waffensystemen ergänzt. Alles war perfekt choreographiert, mit viel Feuerwerk und Übungsmunition, was vom Publikum mit Applaus quittiert wurde.
Mit 100 Sachen im Truppentransporter
Über das Gelände verteilt, fanden sich mehrere Stationen für das Recrutement, also die Verpflichtung Interessierter für den Dienst im Bataillon der Chasseur à Pied oder anderen Waffengattungen der französischen Armee. Ein historischer Verein hatte eine Ausstellung zur Geschichte des Camp de Bitche aufgebaut. Und für die großen Besucher gab es Einblicke in das Innenleben der Panzer. Da durfte mal im Truppentransporter probegesessen werden oder freundliche Monteure erklärten die riesigen Motoren der gepanzerten Fahrzeuge, von denen einige sogar schwimmfähig sein sollen.
Ein bisschen Wartezeit war für die Rundfahrten im gepanzerten Truppentransporter nötig. Jeder Mitfahrer musste seine Haare in einem Netz verstauen, einen Helm anziehen und dann ging es in den Bauch eines dieser großen Truppentransporter, die mit bis zu acht Infanteristen und 100 Stundenkilometern schnell durch das Gelände brausen können; ein zwiespältiges Vergnügen, ganz ohne Fenster in einem mit Technik vollgestopften Gerät rumzufahren. Zum Abschluss gab es noch die Gelegenheit, sich selbst mal als Panzerfahrer im Turm zu zeigen, während die Gattin ein Foto vom sichtlich stolzen Mann schießen konnte.