Kreis Südwestpfalz Nicht von hinten alles besser wissen

„Ich finde das furchtbar, von hinten alles besser zu wissen.“ Das sagt Barbara Schommer, bis vor einem Dreivierteljahr Bürgermeisterin von Martinshöhe. Deshalb wird sie auch bei den Kommunalwahlen im Mai nicht für den Ortsgemeinderat kandidieren. Sie war im April wegen eines Krankheitsfalls in der Familie zurückgetreten. Mittlerweile ist sie erleichtert: Die Medikamente zeigen Wirkung, der ganzen Familie gehe es nun besser.

„Das wird uns noch lange begleiten“, sagt sie, spricht aber von einer großen Erleichterung. Anfangs hätten die Medikamente nicht angeschlagen, und die Nerven seien angespannt gewesen. Für das Amt der Ortsbürgermeisterin brauche man aber viel Zeit und gute Nerven: „Die Ansprüche werden ja nicht zurückgeschraubt.“ Die Zeit habe gefehlt, und man werde in einer solchen Situation auch dünnhäutiger. Das Ortsbürgermeisteramt war ein Ehrenamt neben ihrer Arbeit als Architektin, die sie weiter ausübt. Deshalb hält sie ihre Entscheidung auch im Rückblick für richtig, auch wenn sie mit sich gehadert habe: „Wenn man’s nicht richtig macht, lässt man’s lieber.“ Sie habe danach noch ihrer Stellvertreterin Jutta Theis und später ihrem Nachfolger Hartwig Schneider ihre Unterstützung angeboten, aber ansonsten nichts mehr in der Gemeinde gemacht. Das soll auf politischer Ebene auch so bleiben, denn sie möchte weder dem neu gewählten Rat noch dem neuen Bürgermeister in ihre Arbeit hineinreden. „Ich bin aber immer noch an allem interessiert“, sagt sie, und für Martinshöhe einsetzen möchte sie sich auch künftig auf Verbandsgemeinde-Ebene. Sie ist seit 2009 Beigeordnete und damit eine Stellvertreterin des Bürgermeisters, und sie stünde für dieses Amt auch nach der Wahl zur Verfügung. Das sei vom Aufwand her weit weniger als das Amt der Ortsbürgermeisterin, da sie als zweite Beigeordnete nur dann zum Einsatz kommt, wenn sowohl der Bürgermeister als auch der erste Beigeordnete ausfallen. Für den Verbandsgemeinderat kandidiert sie erneut. Auf der Liste der SPD steht sie auf dem sicheren Platz zwei. Auch für den Kreistag kandidiert sie, dort allerdings erst in der Mitte der Liste, was einen Einzug schwer macht. Dass sich die Suche nach einem Nachfolger recht lange hinzog, dazu sagt Schommer: „Ich fand’s schon ein bisschen traurig.“ Dass ihre Stellvertreterin Jutta Theis nicht ihre Nachfolgerin werden wollte, habe sie gewusst. Offen blieb aber lange, wer das Amt übernimmt. Zunächst fand sich kein Kandidat, dann sollte der Rat Anfang August einen Nachfolger wählen, und Matthias Berberich stellte sich zur Verfügung. Weil er sich in der Sitzung nicht vorstellen konnte, verschon der Rat die Wahl um zwei Wochen, plötzlich gab es vier Kandidaten, und Hartwig Schneider machte das Rennen. Wer Barbara Schommer eine E-Mail an die alte Bürgermeister-Adresse obm.schommer@martinshoehe.de schreibt, bekommt übrigens eine Fehlermeldung zurück: „Die Verbandsgemeinde hat da ganz schnell reagiert“, sagt Schommer. Nach dem Rücktritt habe die Adresse noch vier Wochen existiert, dann sei sie abgeschaltet worden.

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