Südwestpfalz
Nach Tollwut-Fall in der Vorderpfalz: Was die Kreisverwaltung Südwestpfalz sagt
„Der letzte bestätigte Tollwutfall bei einem Haustier in der Südwestpfalz liegt deutlich mehr als 20 Jahre zurück“, schreibt Samantha Lang von der Kreisverwaltung Südwestpfalz auf Anfrage. Seit 2008 gilt Tollwut in Deutschland als ausgerottet. Doch nun wurde bei einem Ende Januar in Hochdorf-Assenheim (Rhein-Pfalz-Kreis) gestorbenen Hund das Virus nachgewiesen. Das Tier stammte aus Russland, zeigte Verhaltensauffälligkeiten und kam in Quarantäne, bevor es starb.
Sorgen, dass sich die tödliche Krankheit in die Südwestpfalz ausbreitet, gibt es beim Landkreis derzeit nicht. Lang erklärt: „Bei dem aktuellen in Rheinland-Pfalz aufgetretenen Fall der Haustiertollwut bei einem Hund handelt es sich um ein Tier, das aus einem Drittland nach Deutschland eingeführt wurde. Da es sich im Moment um einen Einzelfall handelt, ist von keiner flächenhaften Verbreitung auszugehen.“
Der Mensch infiziert sich meist durch einen Biss
Tollwut ist laut Lang gegenüber dem Gesundheitsamt meldepflichtig. „Das bedeutet, dass ein Erregerverdacht, eine Erkrankung oder der Tod eines Menschen durch Tollwut, ein Nachweis durch Labore, eine Verletzung eines Menschen durch ein tollwutkrankes, -verdächtiges oder -ansteckungsverdächtiges Tier sowie die Berührung eines solchen Tieres zu melden sind.“
Die Krankheit ist nicht nur für Tiere tödlich. Auch Menschen sterben fast immer daran, sobald Symptome ausgebrochen sind. Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) erfolgt die Übertragung vom Tier auf den Menschen in der Regel durch einen Biss. Allerdings ist eine Übertragung von Tollwutviren auch möglich, wenn der Speichel infizierter Tiere auf oberflächliche Hautverletzungen oder Schleimhaut kommt. Die Inkubationszeit – also die Dauer zwischen Infektion und Ausbruch der Symptome – ist sehr unterschiedlich lang und reicht laut RKI von fünf Tagen bis zu mehreren Jahren. Meist dauert sie jedoch zwei bis drei Monate.
Krankheit nahezu immer tödlich
Tollwut verläuft laut RKI in mehreren Stadien. Anfangs treten Kopf- und Muskelschmerzen, Appetitlosigkeit und gelegentlich Fieber auf. Zudem sind Veränderungen an der Bissstelle zu erkennen. Darauf folgt im zweiten Stadium die akute neurologische Phase. In etwa 80 Prozent der Fälle kommt es zu einer ausgeprägten Hydrophobie, also einer Angst vor Wasser beziehungsweise vor dem Trinken, sowie zu Unruhe und Krampfanfällen. Typisch ist ein vermehrter Speichelfluss. In rund 20 Prozent der Krankheitsverläufe treten Veränderungen an Rückenmarks- und peripheren Nerven auf, verbunden mit Muskelschwäche und Lähmungen.
Das dritte Stadium ist das Koma. Sieben bis zehn Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome sterben die Patienten in der Regel an Atemlähmung oder einer Lähmung der Herzmuskulatur. Eine Therapie nach Ausbruch der Symptome gibt es laut RKI nicht. Allerdings kann nach einem Biss durch ein potenziell infiziertes Tier umgehend eine Impfung erfolgen, die den Ausbruch der Krankheit verhindern kann.
Enge Zusammenarbeit von Gesundheits- und Veterinäramt
Landkreis-Sprecherin Lang betont, dass für die Einfuhr von Tieren in die EU verbindliche Regeln hinsichtlich einer gültigen Tollwutimpfung gelten. „Aufgrund des aktuellen Falles ist nicht von einer Verschärfung der rechtlichen Vorgaben auszugehen. Vielmehr sollte ein Bewusstsein dafür entstehen, dass bei Importen aus Ländern, in denen die Tollwut noch vorkommt, insbesondere durch illegale Tierimporte stets das Risiko einer Einschleppung des Erregers besteht.“
Sollte es dennoch zu einem Tollwutausbruch kommen, ermittele und berate das Gesundheitsamt – wie bei allen meldepflichtigen Krankheiten, betont Lang. „Auch erfolgt in einem solchen Fall eine enge Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt.“