Wirtschaftsleben
Musterhäuser sollen zeigen: Wie es sich in einem Holzhaus lebt
„Die Idee entstand, weil es für unsere Produktion in Kaiserslautern notwendig ist, dass wir Musterhäuser haben, um unseren Kunden etwas zeigen zu können“, sagt Jürgen Gottschall. Der Holzbauer aus Überzeugung ist geschäftsführender Gesellschafter der CLTech und der Firma Gottschall. In Kaiserslautern bei CLTech werden die Bauteile gefertigt, die Mitarbeiter der Firma Gottschall montieren sie. Die Gruppe beschäftigt mehr als 100 Mitarbeiter, der Jahresumsatz wird auf jenseits der 20 Millionen Euro beziffert.
Die Produktion von CLTech in Kaiserslautern, wo große Wohn- ebenso wie Tinyhäuser vorgearbeitet werden, aber auch Schulen, Geschäfts- und sogar Parkhäuser, entspreche einem Äquivalent in Holzmenge von 100 Wohnhäusern pro Jahr, sagt Gottschall. Die Häuser werden europaweit gebaut. Unter anderem habe sich ein ehemaliger deutscher Fußballnationalspieler, der noch in der Bundesliga spielt, ein Haus auf Mallorca bauen lassen, berichtet der Holzbauer.
Gottschall bewohnt ein Haus selbst
Viele Menschen hätten keine Vorstellung davon, wie es sei, in einem Holzhaus zu leben. Deshalb soll dies vorgeführt werden. Bevor sich ein Kunde für ein solches Haus entscheide, „müssen die meisten es einfach auch mal selbst sehen, müssen fühlen können, wie es sich in einem solchen Haus lebt“, sagt Gottschall. Deshalb werden drei Musterhäuser in Thaleischweiler-Fröschen aufgebaut: in unterschiedlichen Größen und verschiedenen Stilen – mal klassisch, mal modern.
Ein Haus steht da bereits: Im größten Haus wohnt Gottschall mit seiner Familie. Er ist vierfacher Vater. Da braucht es Platz. Etwa 350 Quadratmeter Wohnfläche bietet das Haus. Er hat in dem Gebäude altes Eichenholz und neues Holz kombiniert. Das habe super funktioniert und werde durch einen Hochleistungsscanner der CLTech ermöglicht. Der scannt jedes Brett und zeigt an, welche Last es tragen kann. Das gelte für neue Bretter, „aber funktioniert auch bei den Brettern, die wir aus alten Eichenbalken haben aufschneiden lassen“, erzählt Gottschall. Altes Baumaterial wiederzuverwenden sei ein Riesenschritt in Sachen Nachhaltigkeit, der sich durch das Musterhausprojekt entwickelt habe: „Perfektes Recycling.“
Im Schnitt 400.000 Euro für ein Haus
Was von Kundenseite stark nachgefragt sei: kleinere Häuser. Etwa Menschen fortgeschritteneren Alters seien daran interessiert, altersgerecht auf kleinerem Raum zu leben. In diesem Segment werde ein Musterhaus mit 136 Quadratmetern Wohnfläche gebaut: kompakt und modern. Als familientauglich bezeichnet der Holzbauer jenes Gebäude mit 200 Quadratmetern Wohnfläche, das bereits aufgebaut und weiß verputzt ist. Es ist einstöckig gehalten, weil das die günstigste Bauweise sei.
Für ein kleines Haus beginnen die Preise im Bereich von 100.000 Euro. Da individuell gebaut werde, „gibt es nach oben keine Grenzen“, sagt Gottschall. Im Schnitt würden seine Kunden um die 400.000 Euro für ein Haus ausgeben.
Mehr Energie erzeugen als verbrauchen
„Wir haben hier alle Register gezogen und setzen auf energiesparende Technik“, erklärt Gottschall zu den Musterhäusern im Gewerbegebiet. In einer Halle ist die Energiezentrale untergebracht. Von dort aus werden alle drei Häuser mit Wärme versorgt. Geheizt wird mit Hackschnitzeln, die bei der Produktion in Kaiserslautern anfallen. „Es sind tatsächlich anfallende Reste, hier wird kein zusätzliches Holz gehäckselt“, unterstreicht der Geschäftsführer.
Am Standort von CLTech in Kaiserslautern werde durch Photovoltaik auf dem Dach und eine Hackschnitzelanlage bereits mehr Energie erzeugt, als das Unternehmen verbraucht. So soll es auch in Thaleischweiler-Fröschen sein.
Idee: Das komplette Gewerbegebiet versorgen
Energiesparen und Nachhaltigkeit beschäftigen ihn schon lange, berichtet Gottschall. Holz als nachwachsender Rohstoff ist für ihn daher das ideale Baumaterial. Als der Ukrainekrieg begann, „habe ich darüber nachgedacht, was ich als Einzelner tun kann, um ein bisschen zu helfen, um die Lage zu verbessern.“ Seine Idee: ein Nahwärmenetz. „Ich kann über die Heizzentrale hier alle Häuser mit Wärme versorgen und könnte sogar das komplette Gewerbegebiet versorgen.“ Er rechnete das durch, sprach mit den Eigentümern der umliegenden Betriebe und Betriebswohnungen, die überwiegend mit Flüssiggas heizen. „Ich könnte eine Preisgarantie für 25 Jahre bieten“, sagt Gottschall. Das Interesse sei sehr groß gewesen.
Doch es seien Fragen für das Vorhaben Nahwärmenetz beispielsweise zum Brandschutz bei einem Holzbau als große Heizzentrale von behördlicher Seite aufgeworfen worden, berichtet Gottschall. Er berichtet von bürokratischen Hürden. Und befürchtet, dass Fortschritt durch „unsere ganzen Vorgaben und Regularien systematisch verhindert wird“. Wie solle in einem solch starren Rahmen Neues ausprobiert werden, fragt er.
Kombiniert wird die Heizzentrale, in der Voraussetzungen für eine Vergrößerung geschaffen sind, nun mit einer Photovoltaikanlage auf dem Hallendach. Bilanziell seien die Musterhäuser bereits energieautark. „Wir wollen tatsächlich energieautark werden“, unterstreicht Gottschall. Deshalb werden die Energieverbräuche über einen bestimmten Zeitraum genau erfasst. „An den Bedarf angepasst werden wir einen Batteriespeicher installieren, um so auch tatsächlich energieautark zu werden“, sagt er. Denn es sei ihm wichtig, der kommenden Generation eine Welt zu hinterlassen, in der sie noch lange gut leben kann.
Info
Über die Entwicklung von CLTech im Kaiserslauterer Industriegebiet Nord: CLTech investiert 44 Millionen Euro – Start der Brettsperrholz-Produktion im Herbst