Waldfischbach-Burgalben / Steinalben RHEINPFALZ Plus Artikel Moosalbe-Renaturierung: Startschuss für ein Kleinod

Im Zuge von Verkehrssicherungsmaßnahmen an der Bahnstrecke wurden bereits einige Bäume entfernt. Jetzt starten größere Fällarbei
Im Zuge von Verkehrssicherungsmaßnahmen an der Bahnstrecke wurden bereits einige Bäume entfernt. Jetzt starten größere Fällarbeiten.

Ein Leuchtturmprojekt für die Region wird umgesetzt: die Renaturierung der Moosalbe auf einer Länge von 1,8 Kilometern inklusive Wiederherstellung des natürlichen Auenwaldes und dem Umbau des vorhandenen nicht standortgerechten und nicht klimaresistenten Nadelwaldes in einen Mischwald. Mit dem Einschlag und der Wiederaufforstung des Waldes starten die Arbeiten auf einer Teilfläche von 0,9 Hektar.

Die Renaturierung der Moosalbe sei nicht nur ein Leuchtturmprojekt für die Region, sondern für ganz Rheinland-Pfalz und ganz sicher auch bundesweit eine außergewöhnlich positive Geschichte, unterstrich Raimund Schüller vom Büro Auge (Auen- und Gewässerentwicklung) die Bedeutung. 1,7 Millionen Euro werden bis Anfang 2026 investiert, um die Moosalbe zwischen Steinalben und Waldfischbach-Burgalben zu dem ökologisch herausragenden Auengebiet umzubauen, das es einst war. Für Flora und Fauna – wozu auch der Mensch als Nutzer gehört – wird so ein unschätzbarer Beitrag geleistet.

Schüller und Andreas Durawa, deren Büros mit der Planung und Umsetzung dieser Renaturierungsmaßnahme beauftragt sind, stellten dem Verbandsgemeinderat die Vorplanung vor. Wie bedeutend das Projekt von allen beteiligten Behörden und Gremien eingeschätzt wird, zeigt sich auch am gewährten Zuschuss: 90 Prozent der Kosten für die Renaturierung der Moosalbe werden über die Aktion Blauplus finanziert. Darüber hinaus ist die Stiftung Natur und Umwelt (SNU) mit im Boot. Unter anderem als Zuschussgeber für die begleitenden naturschutzfachlichen Waldumbauarbeiten. 147.000 Euro wurde inklusive Flächenankauf an Kosten für diesen Bereich geschätzt. So viel Zuschuss wird es – falls erforderlich – für den Waldumbau geben. Es gibt noch Gespräche, erläuterte Anke Weiß von der Bauabteilung der Verbandsgemeinde, ob eine Förderung seitens der SNU auch für die Moosalbe-Renaturierung möglich ist. Unterm Strich sei es so, bilanzierte Verbandsbürgermeister Felix Leidecker: „Für einen Euro, den wir ausgeben, bekommen wir eine Leistung von zehn Euro.“ Finanziell würde man sich solche Projekte immer wünschen.

Fachleute überzeugt, dass ein Kleinod entsteht

Solche Projekte wünschen sich aber auch Ökologen, Biologen, Forstfachleute, die – inklusive der Fachbehörden – wissen, dass hier ein Kleinod entstehen wird. Auch wenn, darauf stimmte Schüller alle noch mal ein, es erst einmal nicht so aussehen werde. Es wird zunächst sicher wild und wenig schön aussehen. „Aber die Natur braucht ein bis zwei Vegetationsperioden, dann hat sie sich alles zurückgeholt“, sagte er unter anderem auf Renaturierungsmaßnahmen am Hornbach verweisend.

Nicht schön wird der Kahlschlag auf einer Fläche von 0,9 Hektar am Hang direkt am Radweg aussehen. Rund 18.000 Euro kostet die Maßnahme, die der Verbandsgemeinderat an die Firma Wagner aus Bexbach vergab. Bis Jahresende, sagte Revierleiter Christoph Wagner, sollen die Einschlagarbeiten beendet sein, denn man wolle sofort im Anschluss daran die neuen Bäume setzen. In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Südwestpfalz wird ein dreistufiger Mischwald mit Erle, Bergahorn, Berg-Ulme, Esche und Kirsche als Baumarten entstehen.

Die Waldumbaumaßnahme läuft in Kombination mit der Renaturierung der Moosalbe. Der stark begradigte Bach wird nach der Maßnahme wieder mäandrieren, was auch dem Hochwasserschutz sehr zugute kommt. Es wird ein Auenwald entstehen in den Zonen entlang des Gewässers, das für die Menschen erlebbar werde, sagte Planer Andreas Durawa. Die Verbandsgemeinde hatte das Projekt im Oktober vorgestellt.

Drei Jahre bis zum Abschluss des Projekts

Drei Jahre stehen zur Verfügung, um das Projekt umzusetzen. Während im Hangbereich der Wald in einem ersten Schritt umgebaut wird – wenn er entsprechend in die Höhe gebracht ist, soll er nach 15 Jahren als Waldrefugium sich selbst überlassen bleiben – laufen für die Gewässerrenaturierung die Genehmigungsprozesse weiter. Der Vorplanung stimmte der Rat zu. 2024 ist für den Genehmigungsprozess eingeplant. Im März 2025 soll die Ausschreibung erledigt sein und der Auftrag vergeben werden. Baustart ist geplant für Mitte 2025. Bis Frühjahr 2026 sollen die Gewässerrenaturierungsmaßnahmen abgeschlossen sein.

Finanziell der größte Brocken werden die zu erwartenden Erdbewegungen sein. Kalkuliert ist, dass 29.000 Kubikmeter Erdaushub anfallen. 5000 Kubikmeter werden wieder eingebaut, der Rest wird abtransportiert. Die Lage der Moosalbe und der geringe Höhenunterschied von ein bis maximal zwei Meter zwischen Sohle und Oberkante Ufer machen dieses Projekt erst möglich. An anderen Gewässern, wo Höhenunterschiede bis zu sechs Meter gegeben sind, wären diese Erdbewegungen nicht zu bezahlen, verdeutlichte Durawa.

Die jetzt startenden Fällarbeiten sind Teil eins des Waldumbaus. Teil zwei zieht sich stärker in den Bereich Richtung Gewässer. Weitere rund 0,9 Hektar werden im zweiten Schritt umgebaut. Verbandsbürgermeister Leidecker wies darauf hin, dass die Zu- und Abfahrt für die Arbeiten über den Radweg zwischen Waldfischbach-Burgalben und Steinalben erfolgen werde.

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