Meisenthal
Mit dieser Idee sichern Bürger die Nahversorgung in ihrer Gemeinde
Vor drei Jahren mit mäßigem Zuspruch gestartet, finden sich heute jeden Donnerstag von 17 bis 19 Uhr viele Einwohner zum Einkaufen und für einen Schwatz im Hof des Künstlerkollektivs Artopie in der Rue de la Poste im französischen Meisenthal ein. Wo früher Bestecke vergoldet wurden, wird seit fast 25 Jahren Theater gespielt. Es gibt Konzerte und Ausstellungen sowie Ateliers, und schon immer hatten die Gründer, Annabelle Senger und ihr damaliger Mann Stephan Balkenhol, Wert auf die soziale Komponente gelegt. Deshalb war bei Artopie schon länger die Idee einer eigenen Nahversorgung diskutiert worden. Der Bäcker im Dorf buk nur, wenn er Lust hatte, was trotz hoher Qualität nicht optimal war. Inzwischen ist die Bäckerei ganz geschlossen. Wer einkaufen wollte, musste sich ins Auto setzen, um in Wingen-sur-Moder oder Lemberg/Moselle den nächstgelegenen Supermarkt zu erreichen.
Konditor von Anfang an mit dabei
In Christophe Freno fand sich ein in der Lebensmittelbranche und vor allem den Vorschriften bewanderter Aktivist. Der legt auch selbst Hand an, wenn Stände aufgebaut werden oder einer der Händler niemanden gefunden hat, der den Stand betreuen könnte. So auch an einem Donnerstag im Dezember, an dem es richtig kalt und dunkel ist und auch noch regnet. Ob da viele Besucher kommen werden?
Gegen 16.30 Uhr trudelt der Bäcker aus Wingen-sur-Moder ein und breitet seine Brote, Croissants und Kuchen in einer früheren Garage der Vergolderfabrik aus. Pierre Roth ist seit dem Start des Projekts vor drei Jahren mit von der Partie. Der junge Patissier, also Konditor, sei von Artopie angefragt worden und habe damals sofort zugesagt, erzählt Roth. Das Projekt sei anfangs etwas zögerlich angenommen worden, aber inzwischen gut frequentiert. Was sich an dem Donnerstag im Dezember auch zeigt. Noch vor 17 Uhr kommen die ersten Meisenthaler mit Einkaufskörben und decken sich mit Brot ein. Elsässische Christstollen sind an dem Tag der Renner. Speziell für den Markt hat Roth ein Sauerteigbrot gebacken, das sich mehrere Tage hält. Er kommt ja nur einmal die Woche.
Mit Grillstand und Cafeteria
Unter Partyzelten bauen derweil immer mehr Händler ihre Waren auf. Eine Käserei aus Volmunster ist alle zwei Wochen dabei. Ein Bio-Landwirt aus Busswiller und ein Eierproduzent kommen jede Woche. Und aus der Nähe von Saargemünd rollt das Verkaufsmobil einer Metzgerei wöchentlich an. Der Metzger kommt kaum dazu, die Warenauslage zu öffnen, da bildet sich schon eine Menschenschlange.
Einer der ehrenamtlichen Helfer füllt eine Feuerschale, damit sich die Besucher aufwärmen können. Es soll ja nicht nur eingekauft werden. „Der Markt ist ein wichtiger Moment in der Woche für die Menschen hier. Da kann man auch Leute treffen“, erzählt Christophe Freno, der in Meisenthal wohnt. Deshalb gebe es bei gutem Wetter immer auch einen Grillstand und in der Cafeteria von Artopie eine kleine Bar. Der Wochenmarkt ist Nachrichtenbörse und für das Künstlerkollektiv auch immer Werbeplattform für die eigenen Veranstaltungen.
Keinerlei behördliche Auflagen
Trotz des wenig einladenden Wetters kommen an dem Donnerstag im Dezember richtig viele Kunden. Das sei am Anfang nicht so gewesen, räumt Freno ein. Mit der Zeit habe es sich aber rumgesprochen, dass es beim „Petit Marché de Meisenthal“, dem kleinen Markt von Meisenthal, nicht nur gute Wurst und Brot gebe, sondern die Meisenthaler sich auch treffen könnten. „Im Frühjahr müsst ihr wiederkommen. Dann ist es hier richtig voll“, sagt Freno.
Die behördlichen Auflagen, die ein solcher Markt im öffentlichen Raum hätte, erübrigen sich hier. Es ist Privatgelände. An die Gemeinde habe der Verein nur eine Deklaration abgeben müssen, dass ein Markt gemacht werden soll – und das war es, erzählt Freno.