Nachruf RHEINPFALZ Plus Artikel Merzalben trauert um Jurist und Autor Stephan Neuberger

Stephan Neuberger wird voraussichtlich am 23.Dezember in Merzalben beerdigt (Foto:Teuscher)
Stephan Neuberger wird voraussichtlich am 23.Dezember in Merzalben beerdigt (Foto:Teuscher)

Der promovierte Jurist, Buchautor und Mitverfasser der Ortsgeschichte „750 Jahre Gräfensteiner Land“, Stephan Neuberger, ist am Mittwoch verstorben.

Neuberger hinterlässt seine Ehefrau Rita und zwei Söhne. Bürgermeister Michael Köhler würdigte den Verstorbenen: „In tiefer Verbundenheit und Trauer nimmt die Gemeinde Merzalben Abschied von einer Institution im Dorf.“ Auch wenn Neuberger schon lange nicht mehr in Merzalben gewohnt habe, sei er „Merzalber durch und durch“ gewesen, so Köhler. „Er war für viele der erste Ansprechpartner in rechtlichen Fragen.“ Verdient gemacht habe sich Neuberger auch um das Kulturgut der Merzalber Sprache, indem er zwei Ausgaben des „Merzalber Wörterbuchs“ verfasst hat. Auch an der Ortschronik anlässlich der 750-Jahrfeier habe er entscheidend mitgewirkt.

Neuberger wurde am 18. Februar 1946 in Merzalben geboren. Dem kleinen pfälzischen Dorf blieb er bis zu seinem Tod tief verbunden. Das zeigt sich auch darin, dass er in Merzalben, seiner Heimatgemeinde, seine letzte Ruhestätte findet – einen Ort, den er noch zu Lebzeiten selbst ausgewählt hat. „Ich bin ein 150-prozentiger Merzalwer“, sagte er einmal. Trotz seines Umzugs nach Lemberg im Jahr 1977 blieb sein Bekenntnis zur Heimat ungebrochen.

Ehefrau half in Kanzlei und bei Recherchen

Suche nach altem SprachgutIn Lemberg lebte er mit seiner Ehefrau Rita, geborene Antoni, die er 1974 heiratete. Sie unterstützte ihn sowohl in seiner Rechtsanwaltskanzlei als auch bei seinen Recherchen als Buchautor des „Gräfensteiner Wörterbuch“ in zwei Bänden. Als Mitautor wirkte der Verstorbene an den Werken zur Ortsgeschichte der Gemeinden im Gräfensteiner Land anlässlich der 750-Jahrfeier 1987 mit. Sein fundiertes Wissen aus eigener Erfahrung, aus familiären Überlieferungen und Erlebnissen hielt er in der Ortschronik für die Nachwelt fest. Auch für die Zeitung war Stephan Neuberger immer wieder eine wertvolle, kompetente und verlässliche Quelle bei Recherchen zur Merzalber Dorfgeschichte.

Zur Erstausgabe des „Gräfensteiner Wörterbuchs“ im Jahr 2005 berichtete Neuberger, er sei 16 Jahre lang begeistert auf der Suche nach altem Sprachgut gewesen. Im Vorwort zitierte er Johann Wolfgang von Goethe: „Jede Region liebt ihren Dialekt, sei er doch eigentlich das Element, in welchem diese Seele ihren Atem schöpfe.“ In der zweiten Ausgabe im Jahr 2015 betonte Neuberger, er fühle sich „ein wenig verpflichtet“, die Gräfensteiner Mundart zu bewahren und aufzuschreiben.

Gemeinsam mit seiner Frau war Neuberger ein gern gesehener Gast bei Veranstaltungen in seiner Heimatgemeinde. Oft traf man ihn in der Gräfensteinhütte des Pfälzerwald-Vereins. Neuberger galt als bodenständig, kontaktfreudig und sehr menschlich. In seiner Heimatgemeinde war er hoch angesehen und beliebt. Bei der Vorstellung seiner ersten Mundartsammlung sagte er: „Ich träm immer noch devu, mol widder in Merzalwe zu wohne.“

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