Waldfischbach-Burgalben
Maria Rosenberg: Ehrenamtliche engagieren sich für bedrohte Tierrassen
Das Schild ist da. Die Freude war groß bei Irene Schwarz von der Gruppe „Schöpfung bewahren“ und Jürgen Edrich, der im Auftrag der „Stiftung zur Förderung der Kulturlandschaften Rheinland-Pfalz“ große Flächen auf Maria Rosenberg bewirtschaftet. Glan-Rinder, Brillenschafe, Tauernschecken-Ziegen und Sundheimer Hühner sind hier zu Hause. Alles gefährdete Nutztierrassen, die auf der Roten Liste stehen, um deren Erhalt sich gekümmert wird. Das erwartete Schild weist die Landwirtschaft am Rosenberg, die sich enorm gewandelt hat, nun als Arche-Hof aus.
Die Landwirtschaft war jahrzehntelang ein fester Bestandteil von Maria Rosenberg, dem Wallfahrtszentrum. Vor geraumer Zeit wurde sie, wie auch beispielsweise das frühere Mädchenheim auf Maria Rosenberg aufgegeben. Mit der Folge, dass die Landschaft – teilweise waren Flächen verpachtet – zugewachsen ist.
Ein Traum wird wahr
Das sollte sich wieder ändern. Einen kleinen Beitrag wollten ab 2015 die Mitglieder der franziskanischen Gemeinschaft leisten, die sich in der Gruppe „Schöpfung bewahren“ zusammenschlossen, um vom Aussterben bedrohte Nutztiere als Landschaftspfleger zu halten. „Von einem Arche-Hof habe ich immer mal geträumt“, sagt Irene Schwarz von der Gruppe, die Brillenschafe, Tauernschecken-Ziegen und Sundheimer Hühner auf den Rosenberg brachte.
Aber erst als die Stiftung zur Förderung der Kulturlandschaften Rheinland-Pfalz, hinter der unter anderem die Landwirtschaftskammer und der Gemeinde- und Städtebund stehen, die früher landwirtschaftlich genutzte Flächen von Maria Rosenberg in Besitz nahm und Jürgen Edrich im Auftrag der Stiftung seine Glanrinder, eine gleichfalls gefährdete Nutztierart, dort weiden ließ, nahm die Idee immer konkretere Züge an. Nun ist sie Wirklichkeit geworden. „Aus der ehemaligen Landwirtschaft von Maria Rosenberg ist ein Arche-Hof geworden“, freut sich Schwarz. Mit der Nummer 91 ist der Arche-Hof am Rosenberg versehen.
Auszeichnung an Kriterien geknüpft
1995 startete die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Rassen (GEH) das bundesweite Arche-Hof-Projekt. Ein Arche-Hof – ein Patent schützt diesen Begriff, der an viele Kriterien gebunden ist – ist eine Einrichtung, die das Ziel hat vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen aktiv zu erhalten und weiter zu züchten. Diese Rassen werden bewusst in das Betriebskonzept eingebunden. Landwirtschaftliche Produkte werden hergestellt. Interessierten Besuchern wird ein Einblick in die Geschichte der Rassen, ihrer gegenwärtigen Situation und ihrer Zukunftsperspektiven eröffnet.
Das Betriebskonzept des Archehofes am Rosenberg sieht vor, dass Zuchttiere erzeugt werden, die dafür sorgen, dass die bedrohten Rassen erhalten und Inzuchten vermieden werden. Hergestellt werden Wolldüngepellets, Filzprodukte aus der Wolle der Brillenschafe. Die Seife, die mit der gefilzten Wolle kombiniert wird, ist ein Renner.
Naturpädagogik darf nicht fehlen
Was auch wichtig ist für das Betriebskonzept des Arche-Hofes, ist die naturpädagogische Inklusion. Spaziergänge mit Ziegen – der nächste Termin ist an Pfingstmontag (15 Uhr), Ziegenführerscheine für Kinder, Interaktionen mit den Tieren – zum Beispiel für Menschen mit Beeinträchtigung – die Zusammenarbeit mit Therapeuten zu tiergestützten Interventionen werden angeboten. Auch eine Gästewohnung gehört mittlerweile zum Angebot.
Diese Angebote sind wichtig, um den Betrieb finanziell am Laufen zu erhalten. Gewinne will niemand erzielen. Ist auch nicht möglich. „Wir arbeiten alle ehrenamtlich“, sagt Irene Schwarz mit Blick auf ihre Schöpfung-bewahren-Mitstreiter Karlheinz Schwarz, Helga und Albrecht Ruf sowie Ulrike und Detlef Barbier. „Für mich ist es auch ein Hobby“, ergänzt der in Hermersberg beheimatete Jürgen Edrich. Daran zeigt sich ein Dilemma der Landwirtschaft: Notwendige Arbeiten sind wirtschaftlich auskömmlich oft nicht mehr leistbar. Ehrenamtliches Engagement unabdingbar. „Für uns wäre wichtig, dass wir noch ein paar Helfer hätten, die anpacken“, hofft Schwarz auf Mitstreiter, die Spaß an der Arbeit mit den gefährdeten Rassen haben.
Tiere halten Landschaft offen
Die Stiftung hat der Gruppe, die sich um Schafe, Ziegen und Hühnern und deren Erhalt kümmert, etwa drei Hektar überlassen. „Im Grunde sind wir Dienstleister. Die Tiere halten die Landschaft offen“, sagt Schwarz. Glanrinder, Ziegen und Schafe ergänzen sich bei der Offenhaltung der Landschaft sehr gut. In den vergangenen zwei Jahren, „haben die Tiere hier gut acht Hektar Fläche wieder freigelegt“, sagt Edrich. Die Kooperation hat den Arche-Hof möglich gemacht.
Die Ideen sind vielfältig. Touristisch kann der Arche-Hof ein Pfund werden, mit dem gewuchert werden kann. Ein Rundweg ermöglicht es, die Tiere und die Arbeit, die sie leisten, zu sehen. Dafür muss aber noch einiges getan werden. Aktuell müssen zum Beispiel die teils unübersehbaren Folgen des Gasnetzausbaus noch beseitigt werden.
Zaunbau in Eigenregie
Auch der Zaunbau erfolgt in Eigenregie. Edrich ist gelernter Holzbaufachmann. Das Holz, das er verwendet, stammt vom Rosenberg. Zum Beispiel von Balken des früheren Stalles. Er hat viele Ideen. Aber: „Es geht nur eines nach dem anderen“, sagt er.
Zu den Glanrindern kam er, „weil ich selbst auch Flächen habe und zu faul war, die zu mähen“, sagt er lachend. Mit drei Glanrindern fing er vor zwölf Jahren an. „Die haben mir das Gelände sauber gemacht. Um die Kulturlandschaft zu erhalten, sind die Glanrinder die besten Arbeiter“, freut er sich. Deutlich über 1000 Kilogramm schwer können seine Rinder werden, die er gerne als Kulturbanausen bezeichnet. „Die räumen alles ab“, sagt er lachend. Und produzieren Fleisch, das bei Kennern sehr beliebt ist. Ab und an wird ein Rind geschlachtet und das Fleisch vermarktet. Auch um den gesamten Betrieb mit finanzieren zu können.
Wie schwierig die Arbeit in der Landwirtschaft geworden ist, gerade auch, wenn einem zum Beispiel am Erhalt von Nutztierrassen gelegen ist, kann Edrich aus eigener Erfahrung schildern. Um Inzucht zu vermeiden, müssen Rinder an andere Züchter verkauft werden, um gesunde Herden zu erhalten. „Aber die Zahl der Menschen, die bereit sind, diese Arbeit zu übernehmen, sinkt“, bedauert er. Das wiederum gefährdet die alten Rassen.