Südwestpfalz Luchs im Pfälzerwald: Neue Auswilderung soll Population sichern

Bald könnte – so wie hier Luchs Charlie in Sachsen – auch in Rheinland-Pfalz wieder ein Luchs freigelassen werden.
Bald könnte – so wie hier Luchs Charlie in Sachsen – auch in Rheinland-Pfalz wieder ein Luchs freigelassen werden.

Vor zehn Jahren wurden die ersten Luchse im Pfälzerwald freigelassen. Heute bereitet die zunehmende Inzucht Sorge: Geplante Auswilderungen sollen für frische Genetik sorgen.

Derzeit leben etwa 20 Luchse im Pfälzerwald, sagt Julian Sandrini vom Koordinationszentrum für Luchs und Wolf (Kluwo). Damit sei die Population „konstant stagnierend“, denn so viele Tiere wurden zwischen 2016 und 2021 im Pfälzerwald freigelassen. Die Luchse stammten aus freier Wildbahn in der Schweiz und der Slowakei.

Was den Lebensraum im Pfälzerwald und den angrenzenden Nordvogesen angehe, sei noch „Luft nach oben“. Dort seien bis zu 45 Tiere möglich. Wie schnell sich die Tiere ausbreiten, habe man allerdings nicht in der Hand, so Sandrini.

Neue Genetik für stabile Population

Das Projekt an sich sei ein Erfolg, resümiert Sandrini die vergangenen zehn Jahre. Doch die Anzahl der Luchse reiche womöglich nicht aus, um eine genetisch gesunde und damit langfristig stabile Population zu schaffen. So gebe es zu viele Inzuchtreproduktionen, der Luchs Filou beispielsweise habe vier Würfe mit seinen eigenen Töchtern gezeugt. Das habe vermutlich bei einem Teil des Nachwuchses zu Augenproblemen geführt: „Den Luchs Piro mussten wir leider einschläfern lassen“, sagt Sandrini.

Ein neues Projekt soll helfen, die Luchspopulation für die Zukunft sicher aufzustellen. In den kommenden fünf Jahren sollen pro Jahr ein bis zwei weitere Luchse, vorzugsweise Weibchen, im Pfälzerwald freigelassen werden, um die Genetik der Population zu verbessern. Nach fünf Jahren werde eine Evaluation stattfinden. Das Projekt „Bestandsstützung Luchs“ werde in Kooperation mit der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz umgesetzt.

Weitere Bundesländer wollen Luchse ansiedeln

Die Tiere werden vermutlich aus dem europäischen Erhaltungszuchtprogramm stammen, sagt Sandrini. Der Grund: Es fehlt die notwendige Logistik, um genügend Luchse für den Pfälzerwald und andere Projekte in freier Wildbahn zu entnehmen und umzusiedeln. Vor zehn Jahren sei das populationsverträglich möglich gewesen, doch mittlerweile gebe es noch drei weitere Bundesländer – Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg –, die den Luchs wieder ansiedeln wollen. Dieser erhöhte Bedarf könne derzeit nicht allein über die freie Wildbahn gedeckt werden.

Der Luchs hat sich im Pfälzerwald mittlerweile etabliert, die Akzeptanz in der Jägerschaft und in der Bevölkerung sei sehr hoch. In der Südwestpfalz gehören der Großraum Dahn und Rodalben zum Luchsgebiet. „Die Achsen funktionieren“, betont Sandrini, dass sich die Tiere in einem Korridor über den ganzen Pfälzerwald hinweg verteilt haben.

Es gebe immer wieder Übergriffe von Luchsen auf Herdentiere, dabei handele es sich meist um dasselbe Tier. Vor einigen Jahren sei dies Luchs Lucky gewesen, derzeit passiere das mit Luchs Alfi. Bisher habe man gute Erfahrungen mit Herdenschutzmaßnahmen gemacht, die entstandenen Schäden werden den Haltern ersetzt. Er habe großen Respekt dafür, wie die Tierhalter damit umgehen, betont Sandrini.

Wann genau der erste „neue“ Luchs im Pfälzerwald einzieht, ist noch nicht klar. Wenn möglich, könnte es schon dieses Jahr so weit sein.

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