Münchweiler Legendärer Hombrunnerhof: Vom Klostergut zum Abriss für den B10-Ausbau
Wer auf der B10 von Münchweiler nach Pirmasens unterwegs ist, ahnt kaum, dass rechts der Straße einst ein fast legendäres Gebäude stand. Groß prangte an der Ostfassade: Hotel-Hombrunnerhof – Café-Restaurant – Antiquitäten-Verkauf. Den Antiquitätenhandel nahmen Hilde und Johann König Anfang der 1960er-Jahre zusätzlich zum Hotel- und Restaurantbetrieb auf. Prominente Kundschaft reiste in das beschauliche Münchweiler, um besondere Stücke zu erwerben. Doch die Geschichte des Ortes reicht wesentlich weiter zurück – bis zu den Grafen von Zweibrücken.
Zwei Chronisten haben die Entstehung und Entwicklung des seit etwa 1700 so genannten Hombrunnerhofs untersucht. Der Pirmasenser Lehrer Lorenz Kampfmann legte ausführliche Recherchen vor. Darauf stützte sich später Werner Dillenkofer, der im Jahr 1990 eine Ortschronik veröffentlichte.
Der Gründer des Hombrunnerhofs
Dillenkofer schreibt in seinem Heimatbuch, der Hombrunnerhof sei vermutlich als Klostergut gegründet worden. Er zitiert Kampfmann: „Am oder beim heutigen Hombrunnerhof befand sich schon im frühen Mittelalter ein Dörflein nebst Mühle. Beide Siedlungen ,Hoinburnen das Dorf’ und die ,Mulin zu Hoinburnen’ werden nämlich erst- und letztmals 1290 genannt, als die Zweibrücker Grafen ihr Land teilten. Da diese Siedlung späterhin nicht mehr erwähnt wird, wohl aber im gleichen Bann ,Hanauisch Münchweiler’ auftaucht, muß wohl eine Umsiedlung stattgefunden haben.“
Weiter informiert der Chronist: „Erst zu Ende der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand an der einstigen Dorfstätte wieder ein Gehöft. Hombrunnerhof genannt.“ Im Jahr 1744 spielte der fürstliche Obristwachtmeister Wilhelm Grandfil mit dem Gedanken, im Münchweiler Tal einen Musterhof zu errichten. Er kaufte in Hanauisch Münchweiler zahlreiche Grundstücke im „Geierspiel“, an der „Hombrunner Fahrt“ und bei den „Drei Brunnen“.
Pachtauflagen: 100 Eier und zehn Pfund Butter pro Jahr
Die Flächen reichten ihm nicht, er erwarb weitere – verbunden mit Auflagen wie einem Mühlenzins von zehn Gulden und der Abgabe von Sägeholz. Grandfil ließ ein Tagelöhnerhaus errichten und verpachtete das Anwesen. In den Pachtbedingungen war unter anderem festgelegt, dass die Wachtmeisterin jährlich 100 Eier und zehn Pfund Butter in die Küche geliefert bekomme.
Für den Pächter erwies sich der Hof als unwirtliche Stätte, er kündigte. Nach Grandfils Tod im Januar 1766 wurde das Anwesen versteigert. Aus der Chronik ist zu entnehmen, dass im Jahr 1768 Martin Köhl gestattet wurde, ein Wohnhäuschen dort zu errichten – obwohl laut allerhöchster Verordnung niemand an abgelegene Plätze Dörfer bauen durfte. Es folgte eine sehr wechselvolle Zeit mit zahlreichen Eigentümern, Pächtern und Unterpächtern – was zum allmählichen Niedergang des Hofes beitrug, schreibt der Chronist.
Großes geplant, nichts davon umgesetzt
Bereits 1850 warb Gastwirt Ferdinand Heyd um Gäste auf dem Hombrunnerhof. In welcher Funktion Heyd eingebunden war, bleibt unklar. Jedoch ist festgehalten, dass Ferdinand Müller im Jahr 1885 erstmals bei der Gemeinde einen Antrag auf Betrieb einer Schankwirtschaft mit Ausschank stellte. Die Erlaubnis nahm Bezug darauf, „dass ein Gasthaus auf dem Hof ein Bedürfnis für die Fremden sei und außerdem dort sechs Familien mit 24 Seelen leben“.
Spätere Eigentümer planten Großes: ein Luftkurort oder eine Wasserheilanstalt. Verwirklicht wurde keine der Visionen. Im Jahr 1912 kauften die Bauersleute Valentin und Katharina Bentz aus Heßheim bei Frankenthal das Anwesen für 28.000 Mark. Erinnerungen der Tochter von Valentin Bentz sind in Dillenkofers Ortschronik festgehalten: 1903 war Elisabeth Elig geboren worden, die später auf dem Kreuzberg in Münchweiler wohnte.
Eine frühere Bewohnerin berichtet
Sie berichtete, dass beim Anbau von Getreide und Kartoffeln viele Leute aus dem Dorf halfen. Zur Mittagszeit läutete immer eine kleine Glocke, die die Arbeiter von den Feldern zum Essen rief. „Es ist die gleiche Glocke, die seit 1987 in dem kleinen Turm auf dem neuen Friedhof hängt,“ erzählte Elisabeth Bentz, geborene Elig, laut Dillenkofer.
Neben der Landwirtschaft wurde noch ein Wirtschaftsbetrieb unterhalten: „An den Wochenenden war mehr Betrieb. Viele Pirmasenser kamen aus der Stadt zu uns. Jenseits der Straße stand eine Halle, wo an den Sommerwochenenden viel los war“, wird sie in der Chronik zitiert.
Über dem Lamsbach stand zudem die „Haarfabrik“: In einem gemauerten Wasserbecken wurden Tierhaare gewaschen und an die Industrie geliefert. Nachdem der Betrieb aufgegeben wurde, nutzte die Dorfjugend das Becken als Schwimmbad. Die Besitzer wechselten weiter. Unter Eigentümer Helmut Balau wurde das Wohnhaus zum Gasthaus und Hotel ausgebaut.
Gemeinde erschließt ein Industriegelände
Im 1967 kam die nächste Zäsur: Die Gemeinde kaufte die 22 Hektar große landwirtschaftliche Fläche samt Scheune und Stallungen für 220.000 DM. Das Areal wurde als Industriegelände erschlossen.
Letzte Besitzer des Hombrunnerhofs waren Johann und Hilde König aus Pirmasens. Sie hatten in Berlin gelebt und wollten in die Heimat zurückkehren. Anfang der 1960er-Jahre erwarben sie den Hof und eröffneten Hotel und Gastwirtschaft erneut. Zusätzlich boten sie Antiquitäten an.
Abriss im Jahr 2002 für den Ausbau der B10
Nach einigen Jahren wurde der Gastronomie- und Hotelbetrieb eingestellt. Die Kinder der Besitzer, Hans König und seine Schwester Luise, führten den Antiquitätenhandel weiter. In acht Räumen präsentierten sie Antiquitäten, Raritäten, Möbel, Gold, Silber, Uhren, Öllampen, Zinn, Jugendstil, Drehorgel, Gemälde und mehr. Auch alte Motorräder und Oldtimer standen zum Verkauf.
Die Kunden kamen weniger aus der Umgebung, sondern aus Kaiserslautern, Saarbrücken oder gar Berlin – interessierte, kaufstarke Kundschaft reiste extra an. Prominente Käufer wie Schauspieler Josef Meinrad, Dieter Thomas Heck, Katja Ebstein, Peter Kraus oder das Sängerduo Marianne und Michael gaben sich die Klinke in die Hand. „Es waren wahrscheinlich noch viele andere, deren Namen ich leider vergessen habe,“ sagte Hans König damals.
Im Jahr 1990 traf die Idylle ein harter Schlag: Der Ausbau der B10 wurde bekannt. König war klar, dass sein Anwesen betroffen sein könnte. Er musste verkaufen und empfand die Entschädigung als „miserabel“. Er erwarb in Waldfischbach das leerstehende Gebäude der Schuhfabrik Libelle. Der Hombrunnerhof wurde 2002 für den Ausbau der B10 abgerissen.
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