Hermersberg
Landfrauen bringen in Hermersberg Kindern das Kochen bei
„Wo ist der Knoblauch?“ – „Braucht noch jemand Zwiebeln?“ – „Nein, aber die Nudelmaschine wäre gut.“ Im Schulhaus in Hermersberg herrscht kreatives Chaos, und es duften die Gewürze. Auf dem Plan: Pasta und Saucen – beides Favoriten der jungen Köchinnen und Köche.
„Wer isst gerne Nudeln?“ Alle Hände gehen hoch. Kein Wunder: 21 Mädchen und drei Jungen haben sich für den Kochkurs der Hermersberger Landfrauen angemeldet. „Ruckzuck war der Kurs ausgebucht“, sagt Christine Bossert von den Landfrauen. Kurzfristig wurde deshalb auf 24 Plätze erhöht. „Mehr ging leider nicht“, so Bossert.
An vier Kochstationen wird in Sechsergruppen geschnippelt, gerührt, gepresst und gezogen. Die Teilnehmeninnen und Teilnehmer sind zwischen zehn und 16 Jahren alt und bringen unterschiedlich viel Kocherfahrung mit – Lust aufs Essen aber alle. Neben Pasta stehen auch Pizza und Burger hoch im Kurs.
Freude am Kochen
„Prima Pasta“ heißt der Kurs, den der Landfrauenverband für Nachwuchsköche anbietet. „Das hat uns sofort überzeugt“, sagt die Vorsitzende der Landfrauen, Christine Bernhard. Es gehe darum, jungen Menschen Freude am Kochen zu vermitteln – und zu zeigen, „was bei uns so passiert“, betont Bossert. Tatsächlich ist einiges los: Die Zahl der aktiven Landfrauen in Hermersberg ist deutlich gestiegen, die Marke von 100 Mitgliedern wurde überschritten.
Dann die Praxis: Perfekt geschnittene Zwiebeln wandern in den Topf. „Gemeinsam mit dem Hackfleisch oder getrennt anbraten?“ – die Frage spaltet Bolognese-Fans. Diesmal lautet die Antwort: alles zusammen in den Topf, dann kommen die Tomaten dazu. Parallel wird Nudelteig in eine Tortelliniform gedrückt, in zwölf Vertiefungen verteilt und gefüllt: Zwiebeln, Frischkäse, Gewürze – es lässt erahnen, wie gut das schmeckt. Deckel drauf, zuschneiden, fertig.
Kochunterricht zieht in de Mehrzweckhalle
„Die ganze Zwiebel da rein?“ Laut Rezept ja. Laura Breiling vom Landesverband der Landfrauen leitet den Kurs und wird um Rat gebeten. „Alles rein“, sagt sie und gibt gleich den nächsten Tipp fürs Pesto. Ein großer Spiegel über dem ersten Kochfeld zeigt allen, was an den Nachbartischen passiert. „Der Spiegel muss auf jeden Fall mit“, sagt Bossert.
Die Landfrauen müssen ihre Küche im Schulhaus künftig räumen, da der Raum für den Schulbetrieb benötigt wird, wenn ab Sommer 2026 der gesetzliche Ganztagsbetreuungsanspruch gilt. Eine Lösung steht bereit: Im früheren Gaststättenbereich der Mehrzweckhalle sollen Pasta und andere Gerichte – etwa für das Jubiläums-Schnapsgassenfest – gemeinsam zubereitet werden.
Zum Auftakt etwas Theorie. Breiling hatte den Nudelteig – klassisch und in Vollkorn – vorbereitet. Zeit sei ein entscheidender Faktor für guten Teig, lernen die Teilnehmenden. „Die haben wir hier nicht“, sagt Breiling und zitiert den TV-Küchenklassiker: „Ich hab da mal was vorbereitet.“ Die selbstgemachten Nudeln brauchen im heißen Wasser nur wenige Augenblicke, bis sie al dente sind. Gegessen wird an einer langen Tafel – wie in Italien. Also: Tisch decken. Auch in Sachen Lebensart lässt sich lernen: Gemeinsam essen macht mehr Spaß. Das Lob für das gelungene Essen „läuft runter wie Olio“. Zum Abschluss gibt es die Rezepte. Und klar: Prima Pasta gibt es in Tausenden Varianten.