Driwwe un hiwwe RHEINPFALZ Plus Artikel Kunst ohne Ecken: Wie ein Ehepaar sich einen Museumstraum im „Großen Garten“ erfüllte

Es gibt keine Ecken an den Wänden im Haus. Hier sind die Arbeiten von Jozef Pyrz und Shimizu Shin zu sehen.
Es gibt keine Ecken an den Wänden im Haus. Hier sind die Arbeiten von Jozef Pyrz und Shimizu Shin zu sehen.

Ein lothringisches Kunstsammlerpaar hat sich 2013 im 500 Einwohner zählenden Schorbach den Traum eines eigenen Kunstmuseums erfüllt. Allein die Architektur eines aus Rundungen bestehenden Stelzenbaus ist sehenswert und lockt Architektengruppen aus halb Europa an. Das Fundament für die Sammlung war eine Kette von Möbelhäusern.

Das kleine Dorf Schorbach ist überregional bekannt für sein Ossuaire, ein Beinhaus, in dem die Knochen vieler hundert Menschen liegen. Das Dorf soll eines der ersten in der Region mit einer eigenen Kirche gewesen sein, weshalb die Menschen von weither kamen, um hier beerdigt zu werden. Der sehr lange christliche Hintergrund des Dorfes gab den Ausschlag für Jacqueline und Claude Reslinger, um dort ihren Traum eines eigenen Kunstmuseums zu realisieren. Das Paar hatte zu dem Zeitpunkt schon eine Kunstsammlung und suchte noch den passenden Ort. Unterstützt wurde das Paar von dem polnischen Künstler Jozef Pyrz, der zu der Zeit immer zwischen Paris und Warschau pendelte, dabei immer gerne im Bitscherland bei den Reslingers Station machte.

Pyrz und die Reslingers eint der starke christliche Glaube. Der Pole ist mit 68 Skulpturen der am stärksten präsente Künstler im Centre d’Art „Großer Garten“, so der Name des Kunstzentrums. Die deutsche Schreibweise „Großer Garten“ ist der Gemarkungsname, der noch aus der Zeit der deutschen Besatzung stammt. Pyrz sagt über seine Kunst selbst: „In der Skulptur bringe ich meinen Glauben zum Ausdruck. Ich bin nicht in erster Linie Bildhauer, sondern Christ.“ Jacqueline und Claude Reslinger begründen ihr Engagement für die Kunst auch mit ihrem Glauben. Im Alter von zwölf Jahren soll Claude Reslinger gelobt haben, dass er Gott etwas zurückgeben will, wenn dieser ihn bei seinen Zielen unterstützt. Das habe Gott offenbar durch den wirtschaftlichen Erfolg seiner Möbelhäuser in Saargemünd und Forbach getan, weshalb Claude Reslinger im Ruhestand an die Realisierung eines Kunstzentrums zum Ausgleich ging. Zunächst suchte er in Bitsch einen Platz und wurde schließlich in Schorbach fündig.

Keine Ecken, viel Licht und auf Stelzen

Der Pariser Architekt Gabriel Marot durfte das Bauwerk errichten. Laut Claude Reslinger habe er Marot freie Hand gelassen. Der Architekt ist immer noch in Paris und realisierte in der Folge weit größere Projekte wie einen Büroturm im Geschäftsviertel „La Defense“ sowie einen bioklimatischen Turm für eine Bank in Turin. In Schorbach stellte sich der Architekt der Idee eines mit nachwachsenden Rohstoffen gebauten Hauses, dessen Wände keine Ecken haben aber dafür viele Rundungen; für ein Kunstzentrum ein durchaus ambitioniertes Unterfangen. Zudem ist das Gebäude nach allen Seiten offen, viel Licht kommt ins Haus. Klugerweise wurde das Gebäude in der Talaue auf Stelzen gestellt, um bei Hochwasser keinen Schaden zu nehmen. Geheizt wird möglichst umweltschonend mit einer Erdwärmeheizung, für die sich das Paar lange vor der Diskussion um Wärmepumpen entschieden hatte.

Die Ökologie ist den Reslingers ein weiteres wichtiges Anliegen. Das sieht der Besucher auch beim zweiten Künstler in der Dauerausstellung. Der in Götzenbruck lebende Claude Braun hat sechs Installationen und sieben Bilder in der Sammlung Reslinger. Sein Thema ist der ökologische Fußabdruck, den jeder Mensch auf der Welt hinterlässt und mit dem nachfolgende Generationen belastet werden.

Farbfelder und Friedenskalender

Der dritte mit vielen Werken vertretene Künstler war ein Ateliernachbar von Pyrz in Paris. Der Japaner Chimizu Shin passt mit seiner Farbfeldmalerei so gar nicht zu den surrealen Skulpturen von Pyrz. Für Shin hat die Farbe aber eine besondere Bedeutung, die weit über ihr Lichtspektrum hinausgeht.

Aktuell zeigt das Kunstzentrum des aus Bitsch stammenden Malers Bruno Klein. „Eine Reise ins Herz des Himmels, der Erde und des Wassers, mit eigens für die Ausstellung geschaffenen Leinwänden“, so die Beschreibung der Ausstellung durch Klein selbst. Auch Kleins Arbeiten sind wie bei Shin sehr farbkräftig und extrem leuchtend.

Errichtet und bezahlt haben die Reslingers das Centre d’Art. Zu den Baukosten wollte das Paar nichts sagen. Mittlerweile wurde der Gebäudekomplex durch einen Anbau ergänzt, in dem ein Friedenskalender des ebenfalls lothringischen Künstlers Joseph Kriegel untergekommen ist. Kriegel hat 366 Porträts von Heiligen und Frauen sowie Männern, die sich für den Frieden engagierten, in Stein geschlagen. Der Künstler sieht das Werk als universellen Kalender der Brüderlichkeit und des Friedens.

Keine neurotischen Werke

Das Gebäude gehört längst nicht mehr dem Paar, es wurde der Gemeinde übergeben. Für die Veranstaltungen zeichnen jedoch Jacqueline und Claude Reslinger weiter verantwortlich. Und hier will das Paar nicht ausschließlich Kunst mit religiösem Unterton zeigen. Claude Reslinger zeigt sich auch offen für andere Künstler, sofern sie keine Werke schaffen, die seiner Meinung nach neurotische Züge tragen. Das Centre D’Art „Großer Garten“ ist noch bis 3. November geöffnet. Dann geht es in die alljährliche Winterpause bis zum April.

Information

Centre d’Art „Großer Garten“, Rue de Stade, Schorbach;
Geöffnet Mittwoch bis Sonntag von 14.30 bis 17.30 Uhr. Der Eintritt beträgt zehn Euro.

Ein Pariser Architekt hatte freie Hand für den Bau des Kunstzenrums in einer Talaue in Schorbach.
Ein Pariser Architekt hatte freie Hand für den Bau des Kunstzenrums in einer Talaue in Schorbach.
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